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July 13th

Wien: Boehringer Ingelheim baut aus

Am Campus Wien-Meidling entsteht bis Ende 2027 um 100 Millionen Euro ein neues Büro- und Verwaltungsgebäude für bis zu 990 Beschäftigte.

 

Um über 100 Millionen Euro errichtet Boehringer Ingelheim an seinem Campus in Wien-Meidling ein neues Büro- und Verwaltungsgebäude. Dieses soll Ende 2027 fertiggestellt werden und etwa 990 Beschäftigten Platz bieten. Es hat eine Bruttogrundfläche von etwa 25.900 Quadratmetern auf acht oberirdischen und zwei unterirdischen Geschoßen. Ferner verfügt es über eine Garage mit 140 PKW-Stellplätzen inklusive 25 Doppel-Ladestationen für E-Autos. Vorgesehen sind überdies 152 Fahrradstellplätze mit 48 E-Bike-Ladestationen. Acht der Abstellplätze sind für Lastenräder geeignet.

 

Die Raumwärmeversorgung erfolgt mittels Geothermie. Dazu dienen 90 Erdwärmesonden, die in eine Tiefe von 150 Metern in den Untergrund ragen. Boehringer Ingelheim beziffert die Gesamtleistung der Anlage mit rund 420 Kilowatt. Laut dem Konzern reicht dies rechnerisch aus, um 52 Einfamilienhäuser zu versorgen. Der benötigte Strom wird teilweise mithilfe einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des neuen Bauwerks erzeugt. Nach Angaben von Boehringer Ingelheim verläuft der Bau bis dato „planmäßig. Der Tiefbau ist fertiggestellt und liegt nun auf Straßenniveau. Nun beginnt die Hochbauphase. Parallel laufen die Detailplanungen für Möblierung, IT und Fassadenkonzept“.

 

Ausgelegt ist das Gebäude für das „Smart Working“ von 866 Personen. Pavol Dobrocky, der Generaldirektor des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna (RCV), konstatierte, das neue Gebäude stehe „für eine Arbeitswelt, die noch stärker auf Zusammenarbeit, Flexibilität und Austausch ausgerichtet ist: Mitarbeitende können je nach Aufgabe jene Arbeitsumgebung wählen, die sie gerade brauchen – von ruhigen Fokusbereichen über Co-Working- und Multispace-Flächen bis hin zu kreativen Meetingräumen“. 

 

Laut einer Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Arbeiterkammer haben Konzepte wie „Smart Working“ auch für die Beschäftigten durchaus Vorteile. Dazu gehörten „Ersparnisse von Kosten und Wegzeiten, wenn der Arbeitsort schwer erreichbar ist“, aber auch „höhere Produktivität durch Autonomie in der Arbeitsorganisation, wenn selbstorganisiertes Arbeiten durch die Art der Tätigkeit und die dafür notwendigen Kompetenzen unterstützt wird“. Zu den potenziellen Nachteilen von „Smart Working“ gehören dem IHS zufolge „Mehrfach- und Überbelastung im Homeoffice, wenn Arbeitszeit und Freizeit vermischt werden“.

 

 

 

July 8th

Plattform soll Rahmen für klinische Studien verbessern

Laut dem Pharmaindustrieverband Pharmig hat „Clinical Trials Austria“ die Aufgabe, eine Strategie für die erleichterte Durchführung von Studien zu entwickeln – samt konkreten Maßnahmen und Erfolgsparametern.

 

„Clinical Trials Austria“ ist der Arbeitstitel für eine Plattform zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für klinische Studien, die die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft (LBG) derzeit mit Unterstützung des Gesundheitsministeriums aufbaut. Beteiligt sind neben dem Wissenschafts- und dem Wirtschaftsministerium Unternehmen der Pharmaindustrie ebenso wie Forschungseinrichtungen, Krankenhäuser, die AGES, die BASG sowie Repräsentanten von Politk und Verwaltung. Das Gesundheitsministerium richtet eine Steuerungsgruppe ein. Überdies bekommt die LBG vom Fonds Zukunft Österreich (FZÖ) rund 6,5 Millionen Euro für die Etablierung der Plattform, die 2030 ihre Arbeit aufnehmen soll. Das berichtete Jürgen Busch, der Leiter des Forschungsmanagements der LBG, der Redaktion bei einer Veranstaltung des Pharmaindustrieverbands Pharmig zum Thema „Mehr als Medizin: Wie klinische Forschung Österreich stärkt – und was auf dem Spiel steht“. Laut Busch kam die Initiative zur Einrichtung der Plattform von der LBG, die damit ihr Profil weiter schärfen will, insbesondere in Richtung der klinischen Forschung und deren Förderung.

 

Bernhard Mraz, einer der stellvertretenden Vorsitzenden des „Standing Committee Klinische Forschung“ der Pharmig sowie Präsident der Gesellschaft für Pharmazeutische Medizin (GPMed), ergänzte, bei „Clinical Trials Austria“ handle es sich um eine „Multi-Stakeholder-Plattform“ nach dem Vorbild ähnlicher Einrichtungen in Dänemark, Spanien und Deutschland. Zu ihren Zielen gehöre, „ausreichend qualifiziertes ärztliches und nichtärztliches Personal sowie Infrastruktur“ für klinische Studien zur Verfügung zu stellen. Auch sollten die Prozesse für die Initiierung sowie die Abwicklung solcher Studien effizienter gestaltet werden. Das betreffe nicht zuletzt einschlägige Machbarkeitsprüfungen sowie Vertragsabwicklungen. Laut Mraz soll die Plattforum eine Vision sowie eine Strategie für die erleichterte und vermehrte Durchführung klinischer Studien entwickeln, entsprechende Maßnahmen identifizieren und einen „Fahrplan“ samt Erfolgsparametern festlegen. Sinnvoll wäre laut Mraz auch, die Genehmigungsverfahren für klinische Studien EU-weit vermehrt zu harmonisieren.

 

In Vorleistung gehen

 

Laut Dejan Baltic, einem der stellvertretenden Vorsitzenden des „Standing Committee Klinische Forschung“ der Pharmig, der hauptberuflich Medical Director der Amgen GmbH in Österreich ist, wäre es sinnvoll, klinische Studien als Teil der Gesundheitsversorgung zu definieren. Zurzeit könnten sich realistischerweise nur Universitätskliniken und andere medizinische Forschungseinrichtungen an solchen Studien beteiligen. Öffentliche Spitäler verfügten zumeist nicht über die notwendigen infrastrukturellen sowie personellen Ressourcen. „Grundsätzlich steht Österreich in Sachen klinischer Studien im internationalen Vergleich nicht schlecht da. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, sich zu verbessern“, konstatierte Baltic. Seit 2021 sei ein Rückgang der Anzahl der Studien von 492 auf 430 und somit um etwa 12,6 Prozent zu verzeichnen gewesen. Besonders betroffen sind Studien der Phasen I und II, die die frühen klinischen Phasen der Entwicklung neuer Präparate betreffen. Um die Rahmenbedingungen zu verbessern, sei ein „nationaler Schulterschluss“ nötig, wie er mit „Clinical Trials Austria“ offenbar erfolgen solle, betonte Baltic: „Österreich darf nicht sagen: Wir sind ein kleines Land und können ohnehin nichts bewirken. Statt dessen gilt es, zu handeln.“ Wolle die Politik hierzulande klinische Forschung haben, müsse sie „in Vorleistung gehen“.

 

Unbestreitbar ist der volkswirtschaftliche Nutzen von der Industrie gesponserter klinischer Studien (IGKP), berichtete Evelyn Walter, die Geschäftsführerin des Instituts für Pharmaökonomische Forschung (IPF). Ihr zufolge entsteht dadurch eine jährliche Wertschöpfung von etwa 174 Millionen Euro. Auch werden rund 2.300 Beschäftigungsverhältnisse (Vollzeitäquivalente) geschaffen respektive gesichert. Die IGKP repräsentierten einen jährlichen Behandlungswert von rund 122,3 Millionen Euro, „der das österreichische Gesundheitssystem direkt entlastet“. Das entspreche immerhin 0,21 Prozent der Gesundheitsausgaben.

 

Komplexe Abwicklung

 

Kathrin Strasser-Weippl, die Medizinische Leiterin in der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (OeGHO), fügte hinzu, die Patienten fragten medizinische Innovationen nach und seien bereit, an klinischen Studien teilzunehmen: „Aber auch für die, die nicht teilnehmen können, ist es wichtig, zu wissen, dass geforscht wird.“ Und wer eine wirksame Behandlung erhalte, könne unter Umständen am Berufsleben teilnehmen, was ökonomisch wünschenswert sei. Indessen fehle es in den öffentlichen Spitälern üblicherweise an der Infrastruktur für die Durchführung klinischer Studien, bedauerte Strasser-Weippl. Auch sei die organisatorische Abwicklung solcher Studien – Stichwort Verträge – derart kompliziert, dass eine Teilnahme öffentlicher Spitäler schlicht und einfach nicht möglich ist. Strasser-Weippl zufolge sollte sich Österreich dazu bekennen, „dass klinische Studien Teil der öffentlichen Versorgung sind“.

 

Mraz zufolge sind klinische Studien der Phasen II und III angewandte Forschung. Diese aber werde von den Pharmaunternehmen dort durchgeführt, „wo es einen Markt für die Produkte gibt“. Der größte einschlägige Markt seien die USA. Österreich müsse darauf achten, als Standort attraktiv zu bleiben. Immerhin habe die Bundesregierung in ihrer Industriestrategie die Life Sciences als einen der wirtschaftlichen Schlüsselbereiche definiert. Es bleibe zu hoffen, dass die angekündigte Life-Sciences-Strategie bald vorgelegt werde und die Rahmenbedingungen für klinische Forschung sowie für das Agieren der Pharmaindustrie verbessere.

July 1st

Stern sieht OMV „stärker und zukunftsgerichteter“

Laut dem scheidenden Generaldirektor ist der Energie- und Chemiekonzern gut aufgestellt. Grundsätzlich rät er, die Potenziale Österreichs und der EU besser zu nutzen.

 

Der scheidende OMV-Generaldirektor Alfred Stern sieht den Konzern gut für die kommenden Herausforderungen positioniert. Dieser sei „stärker und zukunftsgerichteter“ als bei seinem Funktionsantritt vor fünf Jahren, berichtete Stern am 1. Juli im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Die strategische Umgestaltung zu einem „integrierten Energie-, Kraftstoff und Chemiekonzern“ laufe. Mit dem Ende März gegründeten Polyolefinkonzern Borouge International könne sich die OMV global positionieren. Bekanntlich hält sie an diesem 50 Prozent. Die andere Hälfte gehört der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), die an der OMV mit 24,9 Prozent beteiligt ist.

 

Wesentliche Schritte habe die OMV in den vergangenen fünf Jahren auch hinsichtlich der Gasversorgung gesetzt, betonte Stern. Erstmals in ihrer 70jährigen Unternehmensgeschichte sei die OMV nicht mehr von Gasimporten aus Russland abhängig. Auch bestehe keinerlei andere Abhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten. Statt dessen stütze sich der Konzern bei der Versorgung seiner Kunden auf eigene Förderungen, insbesondere in Norwegen, Rumänien und Österreich, auf Verträge bezüglich der Lieferung von Pipelinegas sowie LNG und schließlich auf Gasspeicher. Mit der Mitte Mai aufgenommenen Förderung in der Lagerstätte Wittau 2 östlich von Wien steigere die OMV ihre Förderung in Österreich um etwa 50 Prozent. Unter Zugrundelegung der Gasstatistik der Geosphere Austria käme sie damit auf etwa fünf TWh pro Jahr. Insgesamt soll Wittau 2 auf ein förderbares Volumen von rund 48 Terawattstunden (TWh) kommen. Eine „etwas andere Dimension“ hat laut Stern das Feld Neptun Deep im rumänischen Teil des Schwarzen Meeres, wo die OMV-Tochter Petrom und die staatliche Romgas 2027 mit der Förderung beginnen. Damit ließen sich Stern zufolge rechnerisch etwa 2,5 bis drei Prozent des EU-weiten jährlichen Gasbedarfs decken. Das förderbare Volumen in dem Feld wird auf etwa 1.000 TWh geschätzt.

 

Stern ergänzte, die OMV wolle ihre Gesamtförderung an Kohlenwasserstoffen von zuletzt etwa 288.000 Barrel/Tag bis 2030 auf rund 400.000 Barrel/Tag steigern. Dabei bestehe zurzeit noch eine Lücke von etwa 70.000 Barrel/Tag: „Um sie zu schließen, brauchen wir Akquisitionen vor allem in und um Europa.“ Potenziale hierfür sieht Stern unter anderem im Mittelmeer sowie im Schwarzen Meer. Leider keinen Beitrag leisten wird indessen das Feld Han Asparu im bulgarischen Teil des Schwarzen Meeres, das einige Zeit als mögliches „zweites Neptun Deep“ gegolten hatte. „Hier waren wir nicht erfolgreich“, bedauerte Stern.

 

Problem Methanverordnung

 

Zu den Diskussionen über die Methanverordnung der EU konstatierte Stern, es sei wichtig, ungewollte Methanemissionen im Zusammenhang mit der Förderung sowie dem Transport von Erdgas zu verhindern. Dies liege auch im kommerziellen Interesse der Versorger: „Erdgas besteht ja im Wesentlichen aus Methan. Das sind Moleküle, die wir verkaufen können.“ Das Problem mit der EU-Bestimmung bestehe darin, dass die EU-Kommission auch Lieferanten außerhalb Europas zur Einhaltung der Verordnung verpflichten wolle. Und einige davon wie die USA sowie Katar hätten bereits angekündigt, in diesem Fall kein LNG mehr nach Europa zu liefern. Laut Stern heißt das: „Wir sind nicht in der Lage, unseren Partner außerhalb der EU die mit der Verordnung verbundenen Risiken abzunehmen. Somit wird es für uns schwieriger, Lieferanten zu finden.“ Dies habe verständlicherweise keine positiven Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit.

 

Angesichts dessen hegt Stern Zweifel, ob es gelingt, die Gasspeicher im EU-weiten Durchschnitt bis Anfang Dezember auf den EU-rechtlich vorgegebenen Füllstand von 90 Prozent zu bringen. Nach Angaben der Aggregated Gas Storage Inventory (AGSI) belief sich dieser per 30. Juni auf 48,86 Prozent. Österreich kam auf 54,10 Prozent. Von der Redaktion darauf angesprochen, dass Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer Österreich auf einem guten Weg sieht, konstatierte Stern, das Land sei zweifellos gut positioniert. Aus fachlicher Sicht könne er die Einschätzung des Ministers bestätigen.

 

Strategie statt Nostalgie

 

In grundsätzlicher Hinsicht warnte Stern eindringlich davor, die Lage zu unterschätzen: „Wir sind in einer sehr herausfordernden Zeit.“ Und es ergebe keinen Sinn, in eine als positiv erachtete Vergangenheit zurückzublicken: „Nostalgie ist keine Strategie.“ Statt dessen gelte es, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen. Gefordert seien dabei nicht zuletzt die Unternehmen. Gerade hinsichtlich der Gasversorgung hätten verschiedene staatlich eingesetzte Kommissionen in den vergangenen Jahren wenig bewirkt: „Etwas bewirkt hat unsere Gas Task Force.“ Und mit einem Anteil von rund 1,6 Prozent am österreichischen Bruttinlandsprodukt habe die OMV nun einmal eine nicht zu unterschätzende Verantwortung.

 

Generell gelte es, die vorhandenen Potenziale besser zu nutzen und die Ergebnisse von Forschung sowie Entwicklung industriell umzusetzen. „Leider haben wir vergessen, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen“, bedauerte Stern.

 

Zu seiner eigenen Zukunft gab sich Stern bedeckt. Er werde bis 31. August mit ganzer Kraft für die OMV arbeiten. Was er danach machen werde, „werde ich dann sagen“.