Archive - Jul 2026

Datum

July 31st

„Gut bestelltes Haus“

Laut dem scheidenden Generaldirektor der OMV, Alfred Stern, hat sich deren integriertes Geschäftsmodell im ersten Halbjahr 2026 einmal mehr bewährt. „Das Beste der OMV“ werde noch kommen.

 

„Ich übergebe ein gut bestelltes Haus“, betonte der scheidende Generaldirektor der OMV, Alfred Stern, bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses seines Konzerns. Dessen Umsatz erhöhte sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 16 Prozent auf 13,91 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis „aus fortgeführten Geschäftsbereichen“ – also ohne Berücksichtigung des in die Borouge International eingebrachten Konzstoffkonzerns Borealis - wuchs um 32 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro. Ihren Halbjahresgewinn beziffert die OMV mit 2,26 Milliarden Euro, was verglichen mit dem Vorjahreszeitraum (680 Millionen Euro) mehr als einer Verdreifachung entspricht. Als wesentlichen Grund für die Verbesserung nennt die OMV die gestiegenen Preise für ihre Produkte. Ihr durchschnittlich realisierter Ölpreis stieg um 22 Prozent auf 84,92 US-Dollar/Barrel, ihr durchschnittlich realisierter Gaspreis um zwei Prozent auf 34,40 Euro/Megawattstunde (MWh).

 

Chemiegeschäft zufriedenstellend

 

Positiv entwickelte sich nicht zuletzt der Geschäftsbereich Chemicals: Dessen operatives Ergebnis vor Sondereffekten und Abschreibungen war mit 716 Millionen Euro um 56 Prozent höher als im ersten Halbjahr 2025. Der am 30. März mit der XRG, der internationalen Investmentgesellschaft des OMV-Miteigentümers Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) gegründete Polyolefinkonzern Borouge International trug rund 349 Millionen Euro zum operativen Ergebnis vor Sondereffekten bei.

 

Das Geschäft mit Basischemikalien wuchs vor allem infolge der um 17 Prozent auf 506 Euro/Tonne gestiegenen Propylen-Referenzmarge Europa sowie der mit 629 Euro/Tonne um 13 Prozent höheren Ethylen-Referenzmarge Europa. Dazu kam die bessere Auslastung der Steamcracker. Im Gefolge des US-amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran kam es am 5. April zu Sachschäden an Standorten der Borouge International. Es dauerte bis Juni, die betroffenen Anlagen vollständig zu reparieren. Aus diesem Grund sank ihr Auslastungsgrad im zweiten Quartal auf etwa 60 Prozent.

 

Gasspeicherbefüllung „nur in engen Zeitfenstern“ wirtschaftlich

 

Nur geringe Auswirkungen auf die Bilanz der OMV hatte das Scheitern ihrer Pläne, das Offshore-Erdgasfeld Han Asparuh im bulgarischen Teil des Schwarzen Meeres zu entwickeln. Laut Stern stellte sich heraus, dass dieses Vorhaben wirtschaftlich nicht rentabel gewesen wäre. Der Finanzvorstand der OMV, Reinhard Florey, bezifferte die Investitionen der OMV in das Projekt auf Anfrage der Redaktion mit einem „einstelligen Millionenbetrag“. Florey zufolge trieb OMV das Vorhaben gemeinsam mit einem Partner voran, der die Hauptlast trug.

 

Angesprochen auf die im Vergleich zum Vorjahr niedrigen Füllstände der europäischen Gasspeicher beschied Stern, angesichts der Preissituation sei die Befüllung der Speicher derzeit wirtschaftlich „nur in begrenzten Zeitfenstern“ darstellbar. Österreich weise indessen zwei wichtige Vorteile auf: Erstens verfüge das Land über „sehr hohe Speicherkapazitäten“. Zweitens habe die Bundesregierung 2022 die „strategische Gasreserve“ von etwa 20 Terawattstunden (TWh) beschafft, was rund einem Viertel des Jahresbedarfs entspricht. Insofern sei Österreich im internationalen Vergleich mutmaßlich in einer „guten Situation“. Wie sich Speicherstände in Europa bis zum Winter entwickeln werden, ist Stern zufolge schwer einzuschätzen.

 

„Robustes Ergebnis in herausforderndem Umfeld“

 

Stern konstatierte, einmal mehr habe sich im ersten Halbjahr das integrierte Geschäftsmodell der OMV bewährt. Ihm zufolge ermöglichte dieses, ein „robustes Ergebnis in sehr herausfordernden Marktumfeld“ zu erwirtschaften. Die strategische Entwicklung des Konzerns schreite gut voran: „Das Beste der OMV wird noch kommen. Davon bin ich überzeugt.“ Seiner Nachfolgerin Emma Delaney, die den Vorstandsvorsitz mit 1. September übernimmt, wünschte Stern „alles erdenklich Gute“.

 

Zumindest einige Faktoren könnten Delaney den Einstieg erleichtern. Laut ihrem Ausblick auf das Gesamtjahr erwartet die OMV einen durchschnittlichen Preis für Rohöl der Marke Brent von 85 bis 95 US-Dollar/Barrel, 2025 hatte dieser 69 US-Dollar/Barrel betragen. Der durchschnittlich realisierte Gaspreis sollte bei etwa 40 Euro/MWh liegen, verglichen mit 30 Euro im Vorjahr. Die OMV Raffinerie-Referenzmarge Europa wird sich vorausslichtlich auf rund 20 US-Dollar/Barrel verdoppeln. Ferner rechnet der Konzern mit einem Anstieg der Ethylen-Referenzmarge Europa auf mehr als 600 Euro/Tonne (2025: 569 Euro) sowie der Propylen-Referenzmarge Europa auf über 500 Euro/Tonne (2025: 445 Euro).

 

Warnend heißt es im Halbjahresbericht allerdings, die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten seien im zweiten Quartal „unverändert dynamisch“ gewesen. Insofern „stellt dieser Ausblick auf Grundlage der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des OMV Konzernberichts Jänner–Juni 2026 verfügbaren Informationen die aktuelle Einschätzung des Markts dar. Die tatsächlichen Ergebnisse können erheblich abweichen, sollten sich geopolitische oder regulatorische Entwicklungen anders als derzeit angenommen gestalten“.

 

 

 

July 30th

FCIO: Lohn- und Energiekosten senken, regulatorischen Aufwand verringern

Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreich sieht die Branche international in einer sich verschlechternden Wettbewerbssituation. Gegensteuern sei dringend geboten.

 

Drei Forderungen an die österreichische sowie europäische Politik erhebt Ulrich Wieltsch, der Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreich (FCIO): „Erstens ist es nötig, die Lohnkosten in den Griff zu bekommen. Zweitens gilt es, auch die Energiekosten in den Griff zu bekommen. Und drittens muss der regulatorische Aufwand verringert werden.“ Wieltsch, der hauptberuflich Technischer Direktor bei Thermo Fisher Scientific in Linz ist, erläuterte bei einem Pressegespräch, die österreichische Chemiebranche habe derzeit im Vergleich zur Konkurrenz in Deutschland jährliche Mehrkosten von etwa 500 Millionen Euro zu tragen: „Das können wir auf die Dauer nicht stemmen.“ Schon im vergangenen Jahr habe die Chemieindustrie rund 600 Arbeitsplätze abgebaut, heuer werde sich dieser Trend fortsetzen. Wieltsch zufolge bekennen sich die Unternehmen der Branche zwar nach wie vor zum Standort Österreich. Wegen der ungünstigen Rahmenbedingungen senken sie indessen ihre Investitionen.

 

Seine Forderungen untermauerte Wieltsch mit den Ergebnissen einer Umfrage, die das Beratungsunternehmen EY Denkstatt im Auftrag des FCIO unter dessen Mitgliedern durchführte. Sie erfolgte vor dem Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der USA und Israels auf den Iran am 28. Feber 2026, der bis heute andauert. Als wichtigste Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Chemieindustrie erachten die Vertreter der dem FCIO angehörenden Unternehmen dieser zufolge die Personalkosten, die Nachfrageentwicklung, den „Importdruck aus Niedrigkostenländern“, regulatorische Unsicherheiten und Komplexitäten sowie die Energiekosten. „Im Vergleich zu Deutschland sowie EU/EWR + UK + Schweiz überwiegen neutrale bis leicht negative Einschätzungen. Gegenüber dem osteuropäischen Raum hat sich Marktsituation in Österreich leicht verschlechtert“, hieß es in einer bei dem Pressegespräch ausgegebenen Unterlage. Die Befragten erachten die USA sowie Asien verglichen mit der Europäischen Union als „klar als attraktivere Standorte. Der Wettbewerbsabstand wird hier als zunehmend wahrgenommen. Dies gilt vor allem für die Herstellung chemischer Erzeugnisse“. Allerdings hat der asiatische Raum als Markt für die österreichische Chemieindustrie nur „untergeordnete“ Bedeutung: Auf ihn entfallen rund 7,5 Prozent des gesamten Exportvolumens.

 

Ferner zeigt die Umfrage „ branchenspezifische Unterschiede“. So sehen sich Vertreter der Pharmaindustrie vergleichsweise „weniger stark vom Importdruck und von regulatorischer Unsicherheit betroffen“. Die chemische Industrie im engeren Sinn wiederum erachtet die Dauer der Genehmigungen für Anlagen als besonders herausfordernd. Grundsätzlich werden in der gesamten Sparte folgende Faktoren als wesentliche Hemmnisse für Investitionen angegeben: die komplexen und langen Genehmigungsverfahren, die Lohnkosten, die Energiekosten, die Qualität und Quantität der gesetzlichen Vorgaben sowie der Konkurrenzdruck aus Nicht-EU-Ländern. Am wenigsten Bedeutung haben dem gegenüber die Kapitalkosten, Risiken durch den Klimawandel, die Versorgungssicherheit bei Rohstoffen sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften.

 

„Hochnotwendig, aber nicht ausreichend“

 

Von der Redaktion auf die Maßnahmen der Regierung zur Senkung der Energiekosten angesprochen, konstatierte Wieltisch, der mit 1. Jänner 2027 kommende Industriestrompreis sei „hochnotwendig, aber nicht ausreichend“. Das Stromkostenausgleichsgesetz (SAG) wiederum komme um zwei Jahre zu spät. Außerdem berücksichtige die Regierung bei ihrer Reforum nicht sämtliche Sparten, die laut dem EU-Recht begünstigt werden können. Als Beispiele nannte Wieltsch die Dünger- sowie die Kunststofferzeugung sowie die Faserproduktion. Dies sei eine Verletzung des verfassungsrechtlichen Gleichheitsgrundsatzes. „Wenn Betroffene dagegen vorgehen, werden wir sie unterstützen“, kündigte Wieltsch an.

 

July 28th

Lenzing will Abhängigkeit vom Textilgeschäft senken

Im Zuge einer Restrukturierung werden rund 2.000 Beschäftigte abgebaut, vor allem in Indonesien. Mit einer Kapitalerhöhung um 300 Millionen Euro und neuen Krediten möchte der Konzern seine Finanzstruktur verbessern.

 

Mit einem umfassenden Restrukturierungsprogramm will der der oberösterreichische Faser- und Zellstoffkonzern Lenzing dauerhaft profitabel werden. Das berichteten Vorstandschef Georg Kasperkovitz und Finanzvorstand Mathias Breuer bei einem Pressegespräch. Kasperkovitz zufolge soll die Lenzing ihren Umsatz künftig zu jeweils einem Drittel im Textil-, im Vliesstoff- sowie im Zellstoffgeschäft erwirtschaften. Zurzeit entfallen 45 Prozent des Umsatzes auf das Textilgeschäft, 26 Prozent auf Vliesstoffe, 20 Prozent auf Zellstoff und zehn Prozent auf sonstige Produkte. „Die Textilindustrie hat einen Zyklus von fünf bis sieben Jahren. Wir müssen unsere Abhängigkeit davon reduzieren“, konstatierte Kasperkovitz. Auf die Frage der Redaktion, warum diese Reduktion erst jetzt erfolgt, beschied der Lenzing-Chef, mit der Kommerzialisierung der Lyocell-Faser habe das Unternehmen lange Zeit eine führende Position auf dem Weltmarkt eingenommen: „Das ist jetzt leider nicht mehr so.“

 

Im Zuge der Restrukturierung baut die Lenzing weltweit etwa 2.000 ihrer derzeit 7.700 Beschäftigten ab. Der Großteil davon entfällt laut Finanzchef Breuer auf Indonesien, wo rund 1.400 Personen ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Ferner ist geplant, die Produktion in Heiligenkreuz im Burgenland bis Ende des heurigen Jahres auslaufen zu lassen. In Großbritannien will die Lenzing ihre Fabrik in Grimsby, gelegen unweit der Humber-Mündung in die Nordsee etwa 95 Kilometer westlich von Leeds, bis Ende 2027 herunterfahren. Für die Belegschaft von Heiligenkreuz bestehe ein Sozialplan. Hinsichtlich Grimsby werde mit den zuständigen Interessenvertretern über „geeignete Unterstützungsmaßnahmen“ verhandelt.

 

Laut Kasperkovitz war das Engagement der Lenzing in Heiligenkreuz „keine gute Invesitition. Wir können dieses Werk nicht gut führen. Es passt nicht in unser Produktportfolio.“ Ein Managementfehler sei Heiligenkreuz aber nicht gewesen: Das dortige Biomassekraftwerk biete alternative Nutzungsmöglichkeiten. Versucht wird, das Werk zu verkaufen. Dies sei allerdings schwierig, räumte Kasperkovitz ein: „Es ist möglich, dass wir keinen neuen Eigentümer finden. In diesem Fall sperren wir Heiligenkreuz mit Jahresende zu.“

 

Finanzstruktur verbessern

 

Um die Finanzstruktur der Lenzing zu verbessern, soll bei einer außerordentlichen Hauptversammlung Ende August eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro beschlossen werden. Überdies möchte der Konzern neue Kredite über weitere bis zu 300 Millionen Euro aufnehmen. Die Hauptaktionäre, die B&C-Gruppe mit 37,2 Prozent sowie der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano mit 15 Prozent, unterstützen diese Pläne. Zwischen den beiden Unternehmen besteht hinsichtlich der Lenzing ein Syndizierungsvertrag. Die Kapitalerhöhung wird BNP Paribas, UniCredit, Commerzbank und der Erste Group sichergestellt, berichtete Breuer: „Was die Aktionäre nicht kaufen, übernehmen die Banken.“

 

Weiters tätigt die Lenzing heuer Abschreibungen von rund 150 Millionen auf langfristige Vermögenswerte von bis zu 150 Millionen Euro. Dies werde sich im Betriebsergebnis (EBIT) sowie im Konzernergebnis entsprechend niederschlagen. Rückstellungen für den Personalabbau wiederum dürften das EBITDA mit bis zu 40 Millionen Euro belasten. Mittelfristig will die Lenzing ihr EBITDA um etwa 150 Millionen Euro pro Jahr erhöhen. Für 2025 hatte sie dieses mit 430 Millionen Euro beziffert. Die EBITDA-Marge soll von 15,9 Prozent im Jahr 2025 auf 20 bis 25 Prozent steigen.

 

Ausbauen will der Konzern das „Nonwovens“-Geschäft, das nicht zuletzt Fasern für Hygieneprodukte umfasst. Wie in den vergangenen Monaten angekündigt, wird nicht zuletzt am Stammsitz in Lenzing selbst in diesen Bereich investiert. Der Faserproduktionsstandort in Mobile im US-amerikanischen Bundesstaat Alabama wird modernisiert.

 

Doskozil will „Zukunftslösung mit Bestand“

 

Bezüglich Heiligenkreuz hatte sich auch der Landeshauptmann des Burgenlands, Hans Peter Doskozil, zu Wort gemeldet. Er ventilierte „eine Zukunftslösung mit Bestand – so wie uns das bei Sanochemia in Neufeld oder anderen Unternehmen direkt in der Region Jennersdorf auch gelungen ist“. Das Problem: Laut einem von Doskozil heftig kritisierten Bericht des Landesrechnungshofs ist die Finanzlage des Burgenlands alles andere als prächtig.

 

 

 

 

 

 

 

 

July 23rd

Marinomed beantragt Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung

Das Biotechnologieunternehmen setzte den angekündigten Schritt beim Landesgericht Klosterneuburg. In einem Zuge legte es einen Vorschlag für einen neuen Sanierungsplan vor. 

 

Wie angekündigt, beantragte das Korneuburger Biotechnologieunternehmen Marinomed Biotech AG beim Landesgericht Korneuburg die Einleitung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung. Als Grund nannte die Marinomed „fehlende Earn-out Zahlungen von Unither aus dem Verkauf des Carragelose-Geschäftsbereichs und der Abbruch von Verhandlungen durch Unither Pharmaceuticals. Damit kann der gerichtlich genehmigte Sanierungsplan vom 14. November 2024 nicht erfüllt werden und der Gesellschaft droht dadurch die Zahlungsunfähigkeit“. Der Hintergrund: Nach der Insolvenz vom August 2024 hatte das Unternehmen einen Sanierungsplan entwickelt, den das Landesgericht Korneuburg am 14. November 2024 genehmigte. Er sah die Übernahme des Geschäfts mit dem Virenblocker-Wirkstoff Carragelose durch den französischen Pharmakonzern Unither Pharmaceuticals vor. Die Unither sollte dafür ingesamt 20 Millionen Euro bezahlen, davon einen fixen Anteil von fünf Millionen sowie weitere 15 Millionen an Nachzahlungen (Earn-out-Zahlungen) beim Erfüllen vorab festgelegter Bedingungen. Nun verweigerten die Franzosen offenbar den finanziellen Nachschuss.

 

Die Marinomed geht davon aus, „dass Unither die vereinbarten Zielvorgaben aufgrund einer schuldhaften Verzögerung beim Abschluss von Kundenverträgen und einer geänderten Unternehmensstrategie nicht erreicht hat. Die mit Unither geführten Gespräche verliefen erfolglos und es konnte keine Einigung betreffend die Earnout Zahlungen getroffen werden“. Hinzu kamen „Verzögerungen im Abschluss weiterer Partnerschaften für die Marinosolv-Produkte“. Dabei handelt es sich um die in Entwicklung befindlichen Arzneimittel Budesolv, ein Präparat gegen allergische Rhinitis, sowie Tacrosolv, ein Medikament zur Behandlung entzündlicher Augenerkrankungen.

 

Anlässlich des neuen Insolvenzantrags legte die Marinomed dem Gericht einen Vorschlag für einen neuen Sanierungsplan vor. Laut einer Aussendung umfasst dieser weitere Restrukturierungsmaßnahmen, rechtliche Schritte gegen Unither sowie das Heben von Potenzialen „des kürzlich begonnen Compounding-Geschäftes“.

 

Unternehmenschef und -gründer Andreas Grassauer konstatierte, das Sanierungsverfahren sei „die beste Chance, eine nachhaltige Grundlage für die Fortführung des Unternehmens und die Kommerzialisierung unserer innovativen Produkte zu schaffen. Die Situation mit Unither hat die Geschäftstätigkeiten und die Finanzierungsoptionen zuletzt massiv eingeschränkt“. Grassauer bezeichnete den Antrag als  „aktuell einzige Option für das Unternehmen“.

July 17th

Marinomed plant Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung

Das Korneuburger Biotechnologieunternehmen sieht zum zweiten Mal nach 2024 die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit. Als Grund nennt es das Scheitern der Verhandlungen mit dem französischen Investor Unither.

 

Das Korneuburger Biotechnologieunternehmen Marinomed will laut einer Aussendung die Einleitung eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beantragen. Mit dieser Maßnahme beabsichtigt die Marinomed, ihre „finanzielle Stabilität durch Abschluss eines neuen Sanierungsplans abzusichern“. Der gerichtlich genehmigte Sanierungsplan vom 14. November 2024 sei gescheitert. Somit drohe „die Zahlungsunfähigkeit“. Als Grund gab die Marinomed an, die Verhandlungen mit dem französischen Pharmakonzern Unither Pharmaceuticals seien abgebrochen worden. Dieser verweigere sogenannte Earn-out-Zahlungen für das von ihm übernommene Carragelose-Geschäft der Marinomed. Dabei handelt es sich um Nachzahlungen zum Kaufpreis, wenn bestimmte Kennzahlen erreicht werden. Laut der Aussendung will die Marinomed rechtlich gegen die Unither vorgehen.

 

Erst vor knapp drei Monaten hatte das Korneuburger Unternehmen bekannt gegeben, im Zuge einer Kapitalerhöhung rund 2,2 Millionen Euro lukriert zu haben. „Mit dieser Finanzierung wird der erwartete Liquiditätsbedarf gedeckt und unsere Position in den laufenden Verhandlungen zur Vermarktung unserer Leitprodukte Budesolv und Tacrosolv gestärkt“, konstatierte Unternehmensgründer und Vorstandschef Andreas Grassauer damals.

 

Die Marinomed hatte im August 2024 Insolvenz beantragt. Ihr Umsatz war nach Ende der COVID-19-Pandemie eingebrochen. Dies hatte Schulden von rund 30 Millionen Euro zur Folge. Um sich zu sanieren, verkaufte die Marinomed ihren Virenblocker-Wirkstoff Carragelose um 20 Millionen Euro an die Unither. Seither entwickelt sie unter Nutzung ihrer „Marinosolv“-Plattform neue Medikamente, vor allem zur Behandlung von autoreaktiven Immunerkrankungen. Bezüglich Budesolv, einem Präparat gegen allergische Rhinitis, liegen die Ergebnisse einer klinischen Phase-III-Studie vor. Hinsichtlich Tacrosolv, einem Mittel zur Behandlung entzündlicher Augenerkrankungen, verfügt die Marinomed über Ergebnisse einer Phase-II-Studie. Die beiden Arzneien sind jedoch noch nicht auf dem Markt. Geplant war bisher, sie nach einer allfälligen Zulassung mit „strategischen Partnern“ zu vermarkten.

 

 

 

July 13th

Wien: Boehringer Ingelheim baut aus

Am Campus Wien-Meidling entsteht bis Ende 2027 um 100 Millionen Euro ein neues Büro- und Verwaltungsgebäude für bis zu 990 Beschäftigte.

 

Um über 100 Millionen Euro errichtet Boehringer Ingelheim an seinem Campus in Wien-Meidling ein neues Büro- und Verwaltungsgebäude. Dieses soll Ende 2027 fertiggestellt werden und etwa 990 Beschäftigten Platz bieten. Es hat eine Bruttogrundfläche von etwa 25.900 Quadratmetern auf acht oberirdischen und zwei unterirdischen Geschoßen. Ferner verfügt es über eine Garage mit 140 PKW-Stellplätzen inklusive 25 Doppel-Ladestationen für E-Autos. Vorgesehen sind überdies 152 Fahrradstellplätze mit 48 E-Bike-Ladestationen. Acht der Abstellplätze sind für Lastenräder geeignet.

 

Die Raumwärmeversorgung erfolgt mittels Geothermie. Dazu dienen 90 Erdwärmesonden, die in eine Tiefe von 150 Metern in den Untergrund ragen. Boehringer Ingelheim beziffert die Gesamtleistung der Anlage mit rund 420 Kilowatt. Laut dem Konzern reicht dies rechnerisch aus, um 52 Einfamilienhäuser zu versorgen. Der benötigte Strom wird teilweise mithilfe einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des neuen Bauwerks erzeugt. Nach Angaben von Boehringer Ingelheim verläuft der Bau bis dato „planmäßig. Der Tiefbau ist fertiggestellt und liegt nun auf Straßenniveau. Nun beginnt die Hochbauphase. Parallel laufen die Detailplanungen für Möblierung, IT und Fassadenkonzept“.

 

Ausgelegt ist das Gebäude für das „Smart Working“ von 866 Personen. Pavol Dobrocky, der Generaldirektor des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna (RCV), konstatierte, das neue Gebäude stehe „für eine Arbeitswelt, die noch stärker auf Zusammenarbeit, Flexibilität und Austausch ausgerichtet ist: Mitarbeitende können je nach Aufgabe jene Arbeitsumgebung wählen, die sie gerade brauchen – von ruhigen Fokusbereichen über Co-Working- und Multispace-Flächen bis hin zu kreativen Meetingräumen“. 

 

Laut einer Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Arbeiterkammer haben Konzepte wie „Smart Working“ auch für die Beschäftigten durchaus Vorteile. Dazu gehörten „Ersparnisse von Kosten und Wegzeiten, wenn der Arbeitsort schwer erreichbar ist“, aber auch „höhere Produktivität durch Autonomie in der Arbeitsorganisation, wenn selbstorganisiertes Arbeiten durch die Art der Tätigkeit und die dafür notwendigen Kompetenzen unterstützt wird“. Zu den potenziellen Nachteilen von „Smart Working“ gehören dem IHS zufolge „Mehrfach- und Überbelastung im Homeoffice, wenn Arbeitszeit und Freizeit vermischt werden“.

 

 

 

July 8th

Plattform soll Rahmen für klinische Studien verbessern

Laut dem Pharmaindustrieverband Pharmig hat „Clinical Trials Austria“ die Aufgabe, eine Strategie für die erleichterte Durchführung von Studien zu entwickeln – samt konkreten Maßnahmen und Erfolgsparametern.

 

„Clinical Trials Austria“ ist der Arbeitstitel für eine Plattform zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für klinische Studien, die die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft (LBG) derzeit mit Unterstützung des Gesundheitsministeriums aufbaut. Beteiligt sind neben dem Wissenschafts- und dem Wirtschaftsministerium Unternehmen der Pharmaindustrie ebenso wie Forschungseinrichtungen, Krankenhäuser, die AGES, die BASG sowie Repräsentanten von Politk und Verwaltung. Das Gesundheitsministerium richtet eine Steuerungsgruppe ein. Überdies bekommt die LBG vom Fonds Zukunft Österreich (FZÖ) rund 6,5 Millionen Euro für die Etablierung der Plattform, die 2030 ihre Arbeit aufnehmen soll. Das berichtete Jürgen Busch, der Leiter des Forschungsmanagements der LBG, der Redaktion bei einer Veranstaltung des Pharmaindustrieverbands Pharmig zum Thema „Mehr als Medizin: Wie klinische Forschung Österreich stärkt – und was auf dem Spiel steht“. Laut Busch kam die Initiative zur Einrichtung der Plattform von der LBG, die damit ihr Profil weiter schärfen will, insbesondere in Richtung der klinischen Forschung und deren Förderung.

 

Bernhard Mraz, einer der stellvertretenden Vorsitzenden des „Standing Committee Klinische Forschung“ der Pharmig sowie Präsident der Gesellschaft für Pharmazeutische Medizin (GPMed), ergänzte, bei „Clinical Trials Austria“ handle es sich um eine „Multi-Stakeholder-Plattform“ nach dem Vorbild ähnlicher Einrichtungen in Dänemark, Spanien und Deutschland. Zu ihren Zielen gehöre, „ausreichend qualifiziertes ärztliches und nichtärztliches Personal sowie Infrastruktur“ für klinische Studien zur Verfügung zu stellen. Auch sollten die Prozesse für die Initiierung sowie die Abwicklung solcher Studien effizienter gestaltet werden. Das betreffe nicht zuletzt einschlägige Machbarkeitsprüfungen sowie Vertragsabwicklungen. Laut Mraz soll die Plattforum eine Vision sowie eine Strategie für die erleichterte und vermehrte Durchführung klinischer Studien entwickeln, entsprechende Maßnahmen identifizieren und einen „Fahrplan“ samt Erfolgsparametern festlegen. Sinnvoll wäre laut Mraz auch, die Genehmigungsverfahren für klinische Studien EU-weit vermehrt zu harmonisieren.

 

In Vorleistung gehen

 

Laut Dejan Baltic, einem der stellvertretenden Vorsitzenden des „Standing Committee Klinische Forschung“ der Pharmig, der hauptberuflich Medical Director der Amgen GmbH in Österreich ist, wäre es sinnvoll, klinische Studien als Teil der Gesundheitsversorgung zu definieren. Zurzeit könnten sich realistischerweise nur Universitätskliniken und andere medizinische Forschungseinrichtungen an solchen Studien beteiligen. Öffentliche Spitäler verfügten zumeist nicht über die notwendigen infrastrukturellen sowie personellen Ressourcen. „Grundsätzlich steht Österreich in Sachen klinischer Studien im internationalen Vergleich nicht schlecht da. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, sich zu verbessern“, konstatierte Baltic. Seit 2021 sei ein Rückgang der Anzahl der Studien von 492 auf 430 und somit um etwa 12,6 Prozent zu verzeichnen gewesen. Besonders betroffen sind Studien der Phasen I und II, die die frühen klinischen Phasen der Entwicklung neuer Präparate betreffen. Um die Rahmenbedingungen zu verbessern, sei ein „nationaler Schulterschluss“ nötig, wie er mit „Clinical Trials Austria“ offenbar erfolgen solle, betonte Baltic: „Österreich darf nicht sagen: Wir sind ein kleines Land und können ohnehin nichts bewirken. Statt dessen gilt es, zu handeln.“ Wolle die Politik hierzulande klinische Forschung haben, müsse sie „in Vorleistung gehen“.

 

Unbestreitbar ist der volkswirtschaftliche Nutzen von der Industrie gesponserter klinischer Studien (IGKP), berichtete Evelyn Walter, die Geschäftsführerin des Instituts für Pharmaökonomische Forschung (IPF). Ihr zufolge entsteht dadurch eine jährliche Wertschöpfung von etwa 174 Millionen Euro. Auch werden rund 2.300 Beschäftigungsverhältnisse (Vollzeitäquivalente) geschaffen respektive gesichert. Die IGKP repräsentierten einen jährlichen Behandlungswert von rund 122,3 Millionen Euro, „der das österreichische Gesundheitssystem direkt entlastet“. Das entspreche immerhin 0,21 Prozent der Gesundheitsausgaben.

 

Komplexe Abwicklung

 

Kathrin Strasser-Weippl, die Medizinische Leiterin in der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (OeGHO), fügte hinzu, die Patienten fragten medizinische Innovationen nach und seien bereit, an klinischen Studien teilzunehmen: „Aber auch für die, die nicht teilnehmen können, ist es wichtig, zu wissen, dass geforscht wird.“ Und wer eine wirksame Behandlung erhalte, könne unter Umständen am Berufsleben teilnehmen, was ökonomisch wünschenswert sei. Indessen fehle es in den öffentlichen Spitälern üblicherweise an der Infrastruktur für die Durchführung klinischer Studien, bedauerte Strasser-Weippl. Auch sei die organisatorische Abwicklung solcher Studien – Stichwort Verträge – derart kompliziert, dass eine Teilnahme öffentlicher Spitäler schlicht und einfach nicht möglich ist. Strasser-Weippl zufolge sollte sich Österreich dazu bekennen, „dass klinische Studien Teil der öffentlichen Versorgung sind“.

 

Mraz zufolge sind klinische Studien der Phasen II und III angewandte Forschung. Diese aber werde von den Pharmaunternehmen dort durchgeführt, „wo es einen Markt für die Produkte gibt“. Der größte einschlägige Markt seien die USA. Österreich müsse darauf achten, als Standort attraktiv zu bleiben. Immerhin habe die Bundesregierung in ihrer Industriestrategie die Life Sciences als einen der wirtschaftlichen Schlüsselbereiche definiert. Es bleibe zu hoffen, dass die angekündigte Life-Sciences-Strategie bald vorgelegt werde und die Rahmenbedingungen für klinische Forschung sowie für das Agieren der Pharmaindustrie verbessere.

July 1st

Stern sieht OMV „stärker und zukunftsgerichteter“

Laut dem scheidenden Generaldirektor ist der Energie- und Chemiekonzern gut aufgestellt. Grundsätzlich rät er, die Potenziale Österreichs und der EU besser zu nutzen.

 

Der scheidende OMV-Generaldirektor Alfred Stern sieht den Konzern gut für die kommenden Herausforderungen positioniert. Dieser sei „stärker und zukunftsgerichteter“ als bei seinem Funktionsantritt vor fünf Jahren, berichtete Stern am 1. Juli im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Die strategische Umgestaltung zu einem „integrierten Energie-, Kraftstoff und Chemiekonzern“ laufe. Mit dem Ende März gegründeten Polyolefinkonzern Borouge International könne sich die OMV global positionieren. Bekanntlich hält sie an diesem 50 Prozent. Die andere Hälfte gehört der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), die an der OMV mit 24,9 Prozent beteiligt ist.

 

Wesentliche Schritte habe die OMV in den vergangenen fünf Jahren auch hinsichtlich der Gasversorgung gesetzt, betonte Stern. Erstmals in ihrer 70jährigen Unternehmensgeschichte sei die OMV nicht mehr von Gasimporten aus Russland abhängig. Auch bestehe keinerlei andere Abhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten. Statt dessen stütze sich der Konzern bei der Versorgung seiner Kunden auf eigene Förderungen, insbesondere in Norwegen, Rumänien und Österreich, auf Verträge bezüglich der Lieferung von Pipelinegas sowie LNG und schließlich auf Gasspeicher. Mit der Mitte Mai aufgenommenen Förderung in der Lagerstätte Wittau 2 östlich von Wien steigere die OMV ihre Förderung in Österreich um etwa 50 Prozent. Unter Zugrundelegung der Gasstatistik der Geosphere Austria käme sie damit auf etwa fünf TWh pro Jahr. Insgesamt soll Wittau 2 auf ein förderbares Volumen von rund 48 Terawattstunden (TWh) kommen. Eine „etwas andere Dimension“ hat laut Stern das Feld Neptun Deep im rumänischen Teil des Schwarzen Meeres, wo die OMV-Tochter Petrom und die staatliche Romgas 2027 mit der Förderung beginnen. Damit ließen sich Stern zufolge rechnerisch etwa 2,5 bis drei Prozent des EU-weiten jährlichen Gasbedarfs decken. Das förderbare Volumen in dem Feld wird auf etwa 1.000 TWh geschätzt.

 

Stern ergänzte, die OMV wolle ihre Gesamtförderung an Kohlenwasserstoffen von zuletzt etwa 288.000 Barrel/Tag bis 2030 auf rund 400.000 Barrel/Tag steigern. Dabei bestehe zurzeit noch eine Lücke von etwa 70.000 Barrel/Tag: „Um sie zu schließen, brauchen wir Akquisitionen vor allem in und um Europa.“ Potenziale hierfür sieht Stern unter anderem im Mittelmeer sowie im Schwarzen Meer. Leider keinen Beitrag leisten wird indessen das Feld Han Asparu im bulgarischen Teil des Schwarzen Meeres, das einige Zeit als mögliches „zweites Neptun Deep“ gegolten hatte. „Hier waren wir nicht erfolgreich“, bedauerte Stern.

 

Problem Methanverordnung

 

Zu den Diskussionen über die Methanverordnung der EU konstatierte Stern, es sei wichtig, ungewollte Methanemissionen im Zusammenhang mit der Förderung sowie dem Transport von Erdgas zu verhindern. Dies liege auch im kommerziellen Interesse der Versorger: „Erdgas besteht ja im Wesentlichen aus Methan. Das sind Moleküle, die wir verkaufen können.“ Das Problem mit der EU-Bestimmung bestehe darin, dass die EU-Kommission auch Lieferanten außerhalb Europas zur Einhaltung der Verordnung verpflichten wolle. Und einige davon wie die USA sowie Katar hätten bereits angekündigt, in diesem Fall kein LNG mehr nach Europa zu liefern. Laut Stern heißt das: „Wir sind nicht in der Lage, unseren Partner außerhalb der EU die mit der Verordnung verbundenen Risiken abzunehmen. Somit wird es für uns schwieriger, Lieferanten zu finden.“ Dies habe verständlicherweise keine positiven Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit.

 

Angesichts dessen hegt Stern Zweifel, ob es gelingt, die Gasspeicher im EU-weiten Durchschnitt bis Anfang Dezember auf den EU-rechtlich vorgegebenen Füllstand von 90 Prozent zu bringen. Nach Angaben der Aggregated Gas Storage Inventory (AGSI) belief sich dieser per 30. Juni auf 48,86 Prozent. Österreich kam auf 54,10 Prozent. Von der Redaktion darauf angesprochen, dass Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer Österreich auf einem guten Weg sieht, konstatierte Stern, das Land sei zweifellos gut positioniert. Aus fachlicher Sicht könne er die Einschätzung des Ministers bestätigen.

 

Strategie statt Nostalgie

 

In grundsätzlicher Hinsicht warnte Stern eindringlich davor, die Lage zu unterschätzen: „Wir sind in einer sehr herausfordernden Zeit.“ Und es ergebe keinen Sinn, in eine als positiv erachtete Vergangenheit zurückzublicken: „Nostalgie ist keine Strategie.“ Statt dessen gelte es, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen. Gefordert seien dabei nicht zuletzt die Unternehmen. Gerade hinsichtlich der Gasversorgung hätten verschiedene staatlich eingesetzte Kommissionen in den vergangenen Jahren wenig bewirkt: „Etwas bewirkt hat unsere Gas Task Force.“ Und mit einem Anteil von rund 1,6 Prozent am österreichischen Bruttinlandsprodukt habe die OMV nun einmal eine nicht zu unterschätzende Verantwortung.

 

Generell gelte es, die vorhandenen Potenziale besser zu nutzen und die Ergebnisse von Forschung sowie Entwicklung industriell umzusetzen. „Leider haben wir vergessen, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen“, bedauerte Stern.

 

Zu seiner eigenen Zukunft gab sich Stern bedeckt. Er werde bis 31. August mit ganzer Kraft für die OMV arbeiten. Was er danach machen werde, „werde ich dann sagen“.