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Stern sieht OMV „stärker und zukunftsgerichteter“

Laut dem scheidenden Generaldirektor ist der Energie- und Chemiekonzern gut aufgestellt. Grundsätzlich rät er, die Potenziale Österreichs und der EU besser zu nutzen.

 

Der scheidende OMV-Generaldirektor Alfred Stern sieht den Konzern gut für die kommenden Herausforderungen positioniert. Dieser sei „stärker und zukunftsgerichteter“ als bei seinem Funktionsantritt vor fünf Jahren, berichtete Stern am 1. Juli im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Die strategische Umgestaltung zu einem „integrierten Energie-, Kraftstoff und Chemiekonzern“ laufe. Mit dem Ende März gegründeten Polyolefinkonzern Borouge International könne sich die OMV global positionieren. Bekanntlich hält sie an diesem 50 Prozent. Die andere Hälfte gehört der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), die an der OMV mit 24,9 Prozent beteiligt ist.

 

Wesentliche Schritte habe die OMV in den vergangenen fünf Jahren auch hinsichtlich der Gasversorgung gesetzt, betonte Stern. Erstmals in ihrer 70jährigen Unternehmensgeschichte sei die OMV nicht mehr von Gasimporten aus Russland abhängig. Auch bestehe keinerlei andere Abhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten. Statt dessen stütze sich der Konzern bei der Versorgung seiner Kunden auf eigene Förderungen, insbesondere in Norwegen, Rumänien und Österreich, auf Verträge bezüglich der Lieferung von Pipelinegas sowie LNG und schließlich auf Gasspeicher. Mit der Mitte Mai aufgenommenen Förderung in der Lagerstätte Wittau 2 östlich von Wien steigere die OMV ihre Förderung in Österreich um etwa 50 Prozent. Unter Zugrundelegung der Gasstatistik der Geosphere Austria käme sie damit auf etwa fünf TWh pro Jahr. Insgesamt soll Wittau 2 auf ein förderbares Volumen von rund 48 Terawattstunden (TWh) kommen. Eine „etwas andere Dimension“ hat laut Stern das Feld Neptun Deep im rumänischen Teil des Schwarzen Meeres, wo die OMV-Tochter Petrom und die staatliche Romgas 2027 mit der Förderung beginnen. Damit ließen sich Stern zufolge rechnerisch etwa 2,5 bis drei Prozent des EU-weiten jährlichen Gasbedarfs decken. Das förderbare Volumen in dem Feld wird auf etwa 1.000 TWh geschätzt.

 

Stern ergänzte, die OMV wolle ihre Gesamtförderung an Kohlenwasserstoffen von zuletzt etwa 288.000 Barrel/Tag bis 2030 auf rund 400.000 Barrel/Tag steigern. Dabei bestehe zurzeit noch eine Lücke von etwa 70.000 Barrel/Tag: „Um sie zu schließen, brauchen wir Akquisitionen vor allem in und um Europa.“ Potenziale hierfür sieht Stern unter anderem im Mittelmeer sowie im Schwarzen Meer. Leider keinen Beitrag leisten wird indessen das Feld Han Asparu im bulgarischen Teil des Schwarzen Meeres, das einige Zeit als mögliches „zweites Neptun Deep“ gegolten hatte. „Hier waren wir nicht erfolgreich“, bedauerte Stern.

 

Problem Methanverordnung

 

Zu den Diskussionen über die Methanverordnung der EU konstatierte Stern, es sei wichtig, ungewollte Methanemissionen im Zusammenhang mit der Förderung sowie dem Transport von Erdgas zu verhindern. Dies liege auch im kommerziellen Interesse der Versorger: „Erdgas besteht ja im Wesentlichen aus Methan. Das sind Moleküle, die wir verkaufen können.“ Das Problem mit der EU-Bestimmung bestehe darin, dass die EU-Kommission auch Lieferanten außerhalb Europas zur Einhaltung der Verordnung verpflichten wolle. Und einige davon wie die USA sowie Katar hätten bereits angekündigt, in diesem Fall kein LNG mehr nach Europa zu liefern. Laut Stern heißt das: „Wir sind nicht in der Lage, unseren Partner außerhalb der EU die mit der Verordnung verbundenen Risiken abzunehmen. Somit wird es für uns schwieriger, Lieferanten zu finden.“ Dies habe verständlicherweise keine positiven Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit.

 

Angesichts dessen hegt Stern Zweifel, ob es gelingt, die Gasspeicher im EU-weiten Durchschnitt bis Anfang Dezember auf den EU-rechtlich vorgegebenen Füllstand von 90 Prozent zu bringen. Nach Angaben der Aggregated Gas Storage Inventory (AGSI) belief sich dieser per 30. Juni auf 48,86 Prozent. Österreich kam auf 54,10 Prozent. Von der Redaktion darauf angesprochen, dass Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer Österreich auf einem guten Weg sieht, konstatierte Stern, das Land sei zweifellos gut positioniert. Aus fachlicher Sicht könne er die Einschätzung des Ministers bestätigen.

 

Strategie statt Nostalgie

 

In grundsätzlicher Hinsicht warnte Stern eindringlich davor, die Lage zu unterschätzen: „Wir sind in einer sehr herausfordernden Zeit.“ Und es ergebe keinen Sinn, in eine als positiv erachtete Vergangenheit zurückzublicken: „Nostalgie ist keine Strategie.“ Statt dessen gelte es, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen. Gefordert seien dabei nicht zuletzt die Unternehmen. Gerade hinsichtlich der Gasversorgung hätten verschiedene staatlich eingesetzte Kommissionen in den vergangenen Jahren wenig bewirkt: „Etwas bewirkt hat unsere Gas Task Force.“ Und mit einem Anteil von rund 1,6 Prozent am österreichischen Bruttinlandsprodukt habe die OMV nun einmal eine nicht zu unterschätzende Verantwortung.

 

Generell gelte es, die vorhandenen Potenziale besser zu nutzen und die Ergebnisse von Forschung sowie Entwicklung industriell umzusetzen. „Leider haben wir vergessen, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen“, bedauerte Stern.

 

Zu seiner eigenen Zukunft gab sich Stern bedeckt. Er werde bis 31. August mit ganzer Kraft für die OMV arbeiten. Was er danach machen werde, „werde ich dann sagen“.