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Chemiebranche für Jugendliche attraktiv

Personen im Alter von 14 bis 19 Jahren sehen die Chemieindustrie als ansprechenden Arbeitgeber, der interessante Tätigkeiten und gute Verdienste bietet. Etwas mehr Praxisorientierung wird beim Chemieunterricht gewünscht.

 

Österreichs Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren erachten die Chemieindustrie grundsätzlich als attraktiven Arbeitgeber. Sie gilt als wichtig für die Bewältigung künftiger gesellschaftlicher Herausforderungen sowie als Branche, die vielfältige und spannende Tätigkeiten ermöglicht. Als oberste Prioritäten bei der Berufswahl nennen die Jugendlichen die „Freude an der Arbeit“, die Sicherheit des Arbeitsplatzes sowie eine gute Verdienstmöglichkeiten. Das zeigt eine Umfrage unter 773 Personen, die das Foresight-Institut im Auftrag des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) im Zeitraum 23. März bis 15. Mai durchführte. Methodisch handelte es sich um eine „geschlossene“ Befragung, bei der die Antwortmöglichkeiten vorgegeben werden, berichtete Foresight-Geschäftsführer Christoph Hofinger auf Anfrage der Redaktion.

 

FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch betonte, die Branche entspreche den Prioritäten der Jugendlichen hinsichtlich der Berugswahl sehr gut. Diese biete sinnerfüllte Arbeitsplätze, die gut bezahlt seien: „Die chemische Industrie entwickelt Lösungen für Gesundheit, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Genau diese Vielfalt müssen wir jungen Menschen stärker vermitteln. Wer unsere Betriebe besucht, erkennt schnell, wie modern, innovativ und sinnstiftend die Arbeit in unserer Branche ist.“

 

Auch für Frauen wird die Chemieindustrie immer mehr zum ansprechenden Berufsfeld. Laut Wieltsch sind etwa 32,8 Prozent der 50.000 Beschäftigten Frauen, die ferner etwa ein Drittel der knapp 1.600 in Lehrausbildung Befindlichen stellen: „An den HTLs und den Universitäten haben wir einen Frauenanteil von rund 50 Prozent.“ Die in letzter Zeit verstärkt diskutierte „Gender Pay Gap“ verliert in der Chemiebranche immer mehr an Bedeutung, teilte Wieltsch der Redaktion mit. Die meisten der 230 Mitgliedsunternehmen des FCIO seien Großbetriebe, die aus eigenem Antrieb auf derartige Themen achteten: „Sie sind üblicherweise weiter als die Politik.“

 

Wer sich für den Einstieg in die Chemieindustrie entscheidet, kann in den kommenden Jahren mit guten Bedingungen rechnen, erläuterte Wieltsch: Die Generation der „Babyboomer“ erreiche das Pensionsalter. Daher strengten sich die Unternehmen erheblich an, um junge Talente für sich zu gewinnen. Der oft beklagte Fachkräftemangel hält sich laut Wieltsch in Grenzen: „Wir finden ausreichend gute Leute. Und die Lehrlinge sind üblicherweise ordentlich auf das Berufsleben vorbereitet.“

 

Guter Eindruck vom Chemieunterricht

 

Einen guten Eindruck haben die Jugendlichen der Studie zufolge übrigens vom Chemieunterricht an den Schulen, berichtete Hofinger. Zwar werde dieser bisweilen als etwas theorie- und „formellastig“ wahrgenommen. Als positiv bezeichneten die Befragten indessen, dass die Inhalte meist verständlich erklärt werden und „Bedeutung für wichtige aktuelle Themen“ besitzen. Überdies gelingt es dem Lehrpersonal zumeist, zu vermitteln, warum „Chemie“ im Alltag wichtig ist. „Das Interesse an einer einschlägigen Berufstätigkeit wird verstärkt, wenn der Chemieunterricht zeigt, wie Tätigkeiten in der Branche aussehen“, konstatierte Hofinger.



Wieltsch sieht darin „den größten Hebel“, um Jugendliche für die Chemieindustrie zu gewinnen: „Das bestätigen uns auch Personen, die im Berufsleben stehen. Wichtig ist der Bezug des Chemieunterrichts zu Praxis, wichtig ist die Zusammenarbeit mit der Industrie.“ Diese biete daher in zunehmendem Maße Betriebsbesichtigungen mit einschlägigen Informationsmöglichkeiten an. Der Wunsch nach einem noch mehr verstärkten Praxisbezug des Chemieunterrichts läuft übrigens nicht auf die Forderung hinaus, die Allgemeinbildenden Höheren Schulen zugunsten der Berufsbildenden Höheren Schulen abzuschaffen, betonte Wieltsch der Redaktion gegenüber: „Beide Arten haben ihre Berechtigung. Und an vielen AHS gibt es unglaublich engagiertes Lehrpersonal. Ich kann nur dazu einladen, die Möglichkeiten zu Betriebsbesichtigungen zu nutzen.“