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August 25th

Lenzing: Kapitalerhöhung beschlossen

Wie geplant, billigte eine außerordentliche Hauptversammlung die Ausgabe von Inhaberaktien im Wert von rund 300 Millionen Euro. Sie soll bis spätestens 25. Februar 2027 erfolgen.

 

Plangemäß beschloss eine außerordentliche Hauptversammlung des Faserkonzerns Lenzing die Erhöhung seines Grundkapitals um rund 300 Millionen Euro. Diese erfolgt, wie angekündigt, mittels Ausgabe neuer auf Inhaber lautender Stückaktien. Vorgesehen ist, die Kapitalerhöhung bis spätestens 25. Februar kommenden Jahres durchzuführen, hieß es in einer Aussendung: „Die Stärkung der Eigenkapitalbasis verbessert die Bilanzstruktur der Lenzing AG, erhöht ihre finanzielle Stabilität und schafft zusätzlichen Handlungsspielraum.“ Überdies werde die Umsetzung des Restrukturierungsprogramms „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ erleichtert, verlautete Vorstandschef Georg Kasperkovitz: „Damit schaffen wir die Voraussetzungen, die Profitabilität der Lenzing AG nachhaltig zu steigern und langfristigen Wert zu schaffen.“ Die Hauptaktionäre, die B&C-Gruppe mit 37,2 Prozent sowie der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano mit 15 Prozent, hatten bereits bei der Ankündigung der Kapitalerhöhung Ende Juli angekündigt, diese zu unterstützen. Sie befürworten auch die Absicht des Vorstands, neue Kredite über weitere bis zu 300 Millionen Euro aufzunehmen.

 

Wie berichtet, will die Lenzing mit dem umfassenden Restrukturierungsprogramm „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ dauerhaft profitabel werden. Geplant ist, den Konzernumsatz in Zukunft zu künftig zu jeweils rund einem Drittel im Textil-, im Vliesstoff- sowie im Zellstoffgeschäft zu erwirtschaften. Zurzeit fallen etwa 45 Prozent des Umsatzes im Textilgeschäft an, 26 Prozent im Geschäft mit Vliesstoffen, 20 Prozent im Zellstoffgeschäft und zehn Prozent im Vertrieb sonstiger Produkte. Mit der Umstrukturierung möchte sich die Lenzing von der Abhängigkeit vom Textilgeschäft befreien, das Zyklen von etwa fünf bis sieben Jahren aufweist.

 

Erheblicher Stellenabbau

 

Erheblich betroffen von den Maßnahmen ist die Belegschaft. Weltweit verlieren rund 2.000 der derzeit 7.700 Beschäftigten ihre Arbeitsplätze. Davon entfallen etwa 1.400 auf den Standort des Konzerns in Indonesien. In Großbritannien soll die Fabrik in Grimsby an der Humbermündung in die Nordsee etwa 95 Kilometer östlich von Leeds bis Ende 2027 geschlossen werden. Im Burgenland steht die Fabrik in Heiligenkreuz zum Verkauf. Findet sich kein Abnehmer, schließt die Lenzing das Werk mit Jahresende. In diesem Zusammenhang kündigte der Landeshauptmann des Burgenlands, Hans Peter Doskozil, an, sich engagieren zu wollen. Er ventilierte „eine Zukunftslösung mit Bestand – so wie uns das bei Sanochemia oder anderen Unternehmen auch gelungen ist“. Das Problem: Laut einem von Doskozil heftig kritisierten Bericht des Landesrechnungshof ist die Finanzlage des Burgenlands alles andere als prächtig.

 

 

August 17th

ECHA unterstützt Umsetzung der Altfahrzeugverordnung

Die EU-Chemikalienagentur wird unter anderem besorgniserregende Substanzen in Fahrzeugen identifizieren sowie Vorschläge für die Einschränkung der Verwendung solcher Substanzen machen.

 

Die Europäische Chemikalienagentur ECHA wird die EU-Kommission bei der Umsetzung der am 13. August in Kraft getretenen Altfahrzeugverordnung (Verordnung (EU) 2026/1738) unterstützen. Zu diesem Zweck wird sie besorgniserregende Substanzen identifizieren, die in Fahrzeugen vorkommen, auf Anfrage der Kommission Vorschläge für Einschränkungen für die Verwendung besorgniserregender Substanzen erstellen sowie Ausnahmen zu bestehenden Verboten untersuchen. Sie wird dabei gemäß den Bestimmungen des Chemikalienmanagementsystems REACH vorgehen, also die betreffenden Arbeiten durch die wissenschaftlichen Komitees durchführen lassen. Das teilte die ECHA in einer Aussendung mit. Ihre Erkenntnisse fließen in einen Bericht der EU-Kommission ein, den diese voraussichtlich bis 14. Feber 2028 vorlegen wird.

 

Laut der Aussendung der ECHA dienen die Bestimmungen der neuen Verordnung dazu, ab dem 1. September 2032 auf den Markt kommende Fahrzeuge leichter wiederverwendbar, recyclierbar und wiederverwertbar zu machen, wenn sie das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Ferner geht es darum, mögliche Verschmutzungen der Umwelt zu vermindern sowie die Menschen und die Umwelt zu schützen. Die Bestimmungen der neuen Verordnung werden ab 1. September 2028 angewandt, um der Wirtschaft eine angemessene Übergangsfrist zu bieten. Bis dahin sind noch die Vorgaben der Altfahrzeugrichtlinie 2000/53/EU anzuwenden.

 

In Einzelteile zerlegt

 

Als „Altfahrzeuge“ im Sinne der Verordnung gelten, grob gesprochen, Fahrzeuge, die unter die Bestimmungen des Abfallbegriffs der EU fallen. Unter anderem betrifft dies Fahrzeuge, die „in Einzelteile zerlegt oder zur Wiederverwendung ihrer Teile demontiert“ wurden oder sich „bis oberhalb des Armaturenbretts unter Wasser“ befanden. Ferner gilt ein Fahrzeug als Altfahrzeug, wenn „Bauteile mit Bodenkontakt (z. B. Reifen und Räder), Federung, Lenkung, Bremsen und ihre Steuerelemente“ irreparabel sind. Ein weiteres Kriterium ist: „Struktur- und Sicherheitsbauteile weisen technische Defekte auf, die unumkehrbar sind und dazu führen, dass diese Bauteile nicht ausgewechselt werden können.“

 

Wie es in der Verordnung heißt, ist die Verwendung von Blei, Quecksilber, Cadmium und sechswertigem Chrom in Fahrzeugen bereits derzeit nur eingeschränkt zulässig. Die diesbezüglichen Bestimmungen werden in die Verordnung übernommen. Auf der Grundlage des Berichts, den sie mit Unterstützung der ECHA erstellt, soll die Kommission „geeignete Folgemaßnahmen in Betracht ziehen und ergreifen, darunter gegebenenfalls die Annahme von delegierten Rechtsakten zur Festlegung von Informationsanforderungen und von Beschränkungen für besorgniserregende Stoffe, die einer Wiederverwendung und einem Recycling von Werkstoffen aus Gründen entgegenstehen, die nicht in erster Linie mit der Stoffsicherheit zusammenhängen“.

 

August 13th

Evotec mit 168,6 Millionen Euro Halbjahresverlust

Das Hamburger Wirkstoffunternehmen schrieb zum Halbjahr wie schon 2025 rote Zahlen. Auch der Ausblick ist keineswegs ungetrübt. Vorstandschef Christian Wojczewski ist dennoch zufrieden.

 

Keineswegs glänzend liefen die Geschäfte des Hamburger Wirkstoffunternehmens Evotec im ersten Halbjahr 2026. Die Umsatzerlöse sanken gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 19,2 Prozent auf 300,1 Millionen Euro. Als Betriebsergebnis weist die Evotec -234,7 Millionen Euro aus, nachdem sie schon im Vergleichszeitraum 2025 ein Minus von 47,8 Millionen Euro verkraften musste. In Summe ergab sich ein Halbjahresverlust von 168,6 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2025 hatte die Evotec einen Verlust von 75,1 Millionen Euro ausgewiesen.

 

Beide Geschäftsbereiche, nämlich Discovery & Preclinical Development (D&PD) sowie Just – Evotec Biologics (JEB) verzeichneten kräftige Umsatzrückgänge. Der Umsatz von D&PD sank um 15,2 Prozent auf 228,1 Millionen Euro. Als Gründe nannte die Evotec „die schwache Konvertierung des Auftragsbestands in Umsatzerlöse und die verhaltener als erwartet ausgefallene Kundennachfrage“. Ihr zufolge spiegelte dies „das anhaltend schwierige Marktumfeld“ wider. Bei JEB wiederum war ein Umsatzrückgang um 29,3 Prozent auf 72,3 Millionen Euro zu verzeichnen. Die Evotec stellte dazu fest, sie habe im ersten Halbjahr 2025 Erlöse aus einem Lizenzverkauf an Sandoz erhalten. Dieser positive Sondereffekt schlug heuer nicht mehr zu Buche.

 

Betriebliche Aufwendungen verzehnfacht

 

Erhebliche Auswirkungen hatten ferner die annähernde Verzehnfachung der sonstigen betrieblichen Aufwendungen von 5,6 auf 51,2 Millionen Euro sowie die von 634.000 auf 98,9 Millionen Euro gestiegenen Reorganisationskosten. Die erstere ergab sich insbesondere durch einen „Wertminderungsverlust in Höhe von 42,3 Millionen Euro im Segment D&PD im Zusammenhang mit einem Laborgebäude in Hamburg“. Bei den Reorganisationskosten ging es um „Aufwendungen für Rückstellungen und Wertminderungen von Vermögenswerten im Zusammenhang mit dem Horizon-Projekt“. Horizon ist ein „Transformationsprojekt“, mit dem sich die Evotec laut ihrer Aussendung zur Halbjahresbilanz „auf operative Exzellenz, wissenschaftliche Führungsstärke und kommerzielle Umsetzung“ konzentrieren möchte.

 

Ihren Ausblick auf das Gesamtjahr 2026 bestätigte die Evotec: Diesem zufolge sollen sich die Umsatzerlöse auf 570 bis 610 Millionen Euro belaufen. Das bereinigte EBITDA wird bei -70 bis -105 Millionen Euro liegen. Die Umsatzerlöse würden somit um rund 23 bis 28 Prozent sinken. Das bereinigte EBITDA im Jahr 2025 hatte 41,1 Millionen Euro betragen.

 

Vorstand zufrieden

 

Vorstandschef Christian Wojczewski gab sich dennoch zufrieden. Ihm zufolge war das Halbjahresergebnis durch den „erwartungsgemäß herausfordernden Jahresbeginn“ geprägt. Laut Wojczewski gibt es aber „deutliche und ermutigende Anzeichen dafür, dass unsere eingeleiteten Maßnahmen greifen“. Das Basisgeschäft von D&PD sei gut gelaufen, JEB setze die „positive Geschäftsentwicklung“ fort. Auch das Transformationsprogramm Horizon laufe „planmäßig“.

 

 

August 10th

Chemiebranche für Jugendliche attraktiv

Personen im Alter von 14 bis 19 Jahren sehen die Chemieindustrie als ansprechenden Arbeitgeber, der interessante Tätigkeiten und gute Verdienste bietet. Etwas mehr Praxisorientierung wird beim Chemieunterricht gewünscht.

 

Österreichs Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren erachten die Chemieindustrie grundsätzlich als attraktiven Arbeitgeber. Sie gilt als wichtig für die Bewältigung künftiger gesellschaftlicher Herausforderungen sowie als Branche, die vielfältige und spannende Tätigkeiten ermöglicht. Als oberste Prioritäten bei der Berufswahl nennen die Jugendlichen die „Freude an der Arbeit“, die Sicherheit des Arbeitsplatzes sowie eine gute Verdienstmöglichkeiten. Das zeigt eine Umfrage unter 773 Personen, die das Foresight-Institut im Auftrag des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) im Zeitraum 23. März bis 15. Mai durchführte. Methodisch handelte es sich um eine „geschlossene“ Befragung, bei der die Antwortmöglichkeiten vorgegeben werden, berichtete Foresight-Geschäftsführer Christoph Hofinger auf Anfrage der Redaktion.

 

FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch betonte, die Branche entspreche den Prioritäten der Jugendlichen hinsichtlich der Berugswahl sehr gut. Diese biete sinnerfüllte Arbeitsplätze, die gut bezahlt seien: „Die chemische Industrie entwickelt Lösungen für Gesundheit, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Genau diese Vielfalt müssen wir jungen Menschen stärker vermitteln. Wer unsere Betriebe besucht, erkennt schnell, wie modern, innovativ und sinnstiftend die Arbeit in unserer Branche ist.“

 

Auch für Frauen wird die Chemieindustrie immer mehr zum ansprechenden Berufsfeld. Laut Wieltsch sind etwa 32,8 Prozent der 50.000 Beschäftigten Frauen, die ferner etwa ein Drittel der knapp 1.600 in Lehrausbildung Befindlichen stellen: „An den HTLs und den Universitäten haben wir einen Frauenanteil von rund 50 Prozent.“ Die in letzter Zeit verstärkt diskutierte „Gender Pay Gap“ verliert in der Chemiebranche immer mehr an Bedeutung, teilte Wieltsch der Redaktion mit. Die meisten der 230 Mitgliedsunternehmen des FCIO seien Großbetriebe, die aus eigenem Antrieb auf derartige Themen achteten: „Sie sind üblicherweise weiter als die Politik.“

 

Wer sich für den Einstieg in die Chemieindustrie entscheidet, kann in den kommenden Jahren mit guten Bedingungen rechnen, erläuterte Wieltsch: Die Generation der „Babyboomer“ erreiche das Pensionsalter. Daher strengten sich die Unternehmen erheblich an, um junge Talente für sich zu gewinnen. Der oft beklagte Fachkräftemangel hält sich laut Wieltsch in Grenzen: „Wir finden ausreichend gute Leute. Und die Lehrlinge sind üblicherweise ordentlich auf das Berufsleben vorbereitet.“

 

Guter Eindruck vom Chemieunterricht

 

Einen guten Eindruck haben die Jugendlichen der Studie zufolge übrigens vom Chemieunterricht an den Schulen, berichtete Hofinger. Zwar werde dieser bisweilen als etwas theorie- und „formellastig“ wahrgenommen. Als positiv bezeichneten die Befragten indessen, dass die Inhalte meist verständlich erklärt werden und „Bedeutung für wichtige aktuelle Themen“ besitzen. Überdies gelingt es dem Lehrpersonal zumeist, zu vermitteln, warum „Chemie“ im Alltag wichtig ist. „Das Interesse an einer einschlägigen Berufstätigkeit wird verstärkt, wenn der Chemieunterricht zeigt, wie Tätigkeiten in der Branche aussehen“, konstatierte Hofinger.



Wieltsch sieht darin „den größten Hebel“, um Jugendliche für die Chemieindustrie zu gewinnen: „Das bestätigen uns auch Personen, die im Berufsleben stehen. Wichtig ist der Bezug des Chemieunterrichts zu Praxis, wichtig ist die Zusammenarbeit mit der Industrie.“ Diese biete daher in zunehmendem Maße Betriebsbesichtigungen mit einschlägigen Informationsmöglichkeiten an. Der Wunsch nach einem noch mehr verstärkten Praxisbezug des Chemieunterrichts läuft übrigens nicht auf die Forderung hinaus, die Allgemeinbildenden Höheren Schulen zugunsten der Berufsbildenden Höheren Schulen abzuschaffen, betonte Wieltsch der Redaktion gegenüber: „Beide Arten haben ihre Berechtigung. Und an vielen AHS gibt es unglaublich engagiertes Lehrpersonal. Ich kann nur dazu einladen, die Möglichkeiten zu Betriebsbesichtigungen zu nutzen.“