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March 30th, 2021

Rekord an Aufgriffen gefälschter Arzneimittel

Im Jahr 2020 verzeichnete der österreichische Zoll mehr Fälle als je zuvor. Die Menge der beschlagnahmten Medikamente war die bisher zweithöchste. Die Pharmig zeigt sich alarmiert.

 

Insgesamt 3.420 Aufgriffe gefälschter sowie anderer illegaler Arzneimittel erzielten die österreichischen Zollbehörden im Jahr 2020. „So viele Fälle in einem Jahr hat der Zoll noch nie verzeichnet“, heißt es dazu im aktuellen Produktpirateriebericht des Finanzministeriums. Die Zahl der sichergestellten Medikamente belief sich auf 345.966 Stück. Nach Angaben der Finanz war dies die zweithöchste jemals beschlagnahmte Menge nach 2018. Damals fielen dem Zoll rund 1,2 Millionen Stück an gefälschten und illegalen Medikamenten in die Hände. Zurückzuführen war dies laut dem Produktpirateriebericht insbesondere auf die vier größten Fälle, bei denen jeweils über 880.000 Stück an Arzneimitteln sichergestellt wurden: „Im Jahr 2020 wurden bei den vier größten Aufgriffen insgesamt ‚nur‘ 27.588 Medikamente entdeckt und es gab lediglich 17 Aufgriffe mit 1.000 Tabletten oder mehr (gesamt 46.710 Stück). Bei den restlichen Sendungen waren jeweils weniger als 1.000 Medikamente enthalten.“

 

Den größten Anteil an den beschlagnahmten gefälschten „Pharmazeutika“ hatten Potenzmittel sowie fruchtbarkeitsfördernde Produkte mit etwa 35 Prozent, gefolgt von Schlaf- und Beruhigungsmitteln sowie schmerz- und entzündungshemmenden Präparaten mit jeweils rund 15 Prozent. Etwa zehn Prozent entfielen auf gelenksstärkende und knochenschützende Substanzen. Laut dem Produktpirateriebericht gehen die Aufgriffe an gefälschten Arzneimitteln seit 2018 zurück. Als Grund nennt die Finanz das Auslaufen des Patentschutzes für das Potenzmittel Tadalafil. Seither hätten sich die Fälscher auf Generika des Mittels verlegt, „die nicht unter Produktpiraterie fallen. Das hat auch einige Pharmafirmen dazu bewogen, ihre Anträge auf Tätigwerden beim Zoll gar nicht mehr zu verlängern“.

 

Wie die Behörden hinzufügen, entstanden dem Arzneimittelgroßhandel 2020 EU-weit Umsatzeinbußen von insgesamt etwa 10,0 Milliarden Euro, von denen 6,0 Milliarden Euro oder 60 Prozent auf Arzneimittelfälschungen entfielen. Den Mitgliedsstaaten der EU entgingen dadurch rund 1,0 Milliarden Euro an Steuern und Sozialabgaben.

 

„Alarmierender Anstieg“

 

Der Generalsekretär des österreichischen Pharmaindustrieverbandes Pharmig, Alexander Herzog, sprach von einem „alarmierenden Anstieg bei Arzneimittelfälschungen. Gefälschte Präparate und illegale Medikamente sind eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit, denn sie unterliegen keinerlei Qualitätskontrolle und können im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. In Wahrheit stecken hinter den scheinbar günstigen rezeptpflichtigen Arzneimitten aus dem Internet skrupellose Geschäftemacher und kriminelle Organisationen. Sicherheit beim Kauf eines Arzneimittels bietet allein die legale Lieferkette, bestehend aus Hersteller, Großhandel und Apotheke. Davon zeugen die strengen Sicherheitsvorkehrungen, die gefälschte und illegale Präparate vor dem Eindringen hindern“.

 

Wie Herzog betonte, ist der Bezug von rezeptpflichtigen Humanarzneimitteln über den Onlinehandel in Österreich veboten. Wer rezeptfreie Medikamente online bestellen möchte, sollte dies laut Herzog ausschließlich bei einer zugelassenen Online-Apotheke tun. Er verwies auf das diesbezügliche Verzeichnis des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen.

 

 

 

 

 

March 29th

Agrana: Süße Früchte in Japan

Der Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern steigt in den wachsenden japanischen Markt für Fruchtzubereitungen ein. Er besitzt nun Fabriken in vier asiatischen Staaten.

 

Der Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern Agrana übernahm das Fruchtzubereitungsgeschäft des japanischen Nahrungsmittelproduzenten Taiyo Kagaku Co. Ltd. Den Kaufpreis gab die Agrana nicht bekannt. Seine Tochtergesellschaft Agrana Fruit Japan Ltd. nimmt dieser Tage ihre operative Tätigkeit auf. Das Fruchtzubereitungswerk befindet sich in der Hafenstadt Yokkaichi. Sie hat etwa 310.000 Einwohner und liegt an der Ise-Bucht, rund 350 Kilometer südwestlich von Tokio. Die Agrana Fruit Japan liefert ihre Erzeugnisse von dort aus an Molkereien, Speiseeisproduzenten und an die Backwarenindustrie. Nach Angaben der Agrana werden in Japan jährlich insgesamt etwa 60.000 Tonnen an Fruchtzubereitungen konsumiert. Das Wachstum des Marktes beziffert das Unternehmen mit rund zwei bis drei Prozent pro Jahr. Nach China, Indien und Südkorea ist Japan der vierte asiatische Staat, in dem der Konzern Produktionskapazitäten besitzt.

 

Agrana-Vorstandschef Johann Marihart zufolge ist der japanische Markt für Fruchtzubereitungen „von hohen Qualitätsansprüchen und Innovationen geprägt. Dies deckt sich ideal mit unseren Qualitätsstandards und der Innovationsausrichtung als Weltmarktführer im Fruchtsegment, wo wir die Bedürfnisse unserer Kunden mit einem breiten Portfolio von Standard-Fruchtzubereitungen für Joghurts und Eiscremen über Premium-Fruchtlösungen wie Saucen, Belägen, Füllungen und Smoothie-Basen bedienen“. Daher sei die nunmehrige Akquisition „ein wichtiger Schritt im Rahmen unserer Expansion in Asien“.

 

 

March 26th

Causa Lundbeck: Höchstgericht bestätigt Urteil

Der Gerichtshof der Europäischen Union hat einen seit 2008 dauernden Rechtsstreit zwischen dem dänischen Pharmakonzern, mehreren Generikaherstellern und der EU-Kommission endgültig entschieden.

 

Die Kartellstrafen von insgesamt rund 150 Millionen Euro, die die EU-Kommission 2013 gegen den dänischen Pharmakonzern Lundbeck sowie mehrere andere Pharmaunternehmen verhängte, sind rechtskräftig. Das steht nach einem am 25. März veröffentlichten Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union fest. Die Firmen hatten beim Gerichtshof beantragt, den Beschluss der Kommission für nichtig zu erklären sowie ein Urteil des Gerichts der EU, das diesen bestätigte, zu kassieren.

 

Wie der Gerichtshof mitteilte, schloss Lundbeck 2002 Vereinbarungen mit mehreren Generikaherstellern. Diese verpflichteten sich, keine Generika zu einem Antidepressivum von Lundbeck zu erzeugen und zu vermarkten, das den Wirkstoff Citalopram enthält. Im Gegenzug kaufte der dänische Konzern die bereits erzeugten Generikavorräte auf und leistete überdies hohe Zahlungen an deren Produzenten. Nach einem entsprechenden Hinweis der dänischen Wettbewerbsbehörde leitete die EU-Kommission 2008 eine Untersuchung ein. Sie kam zu dem Ergebnis, die Vereinbarungen widersprächen dem Wettbewerbsrecht der EU. Daher verhängte sie 2013 eine Strafe von 93,7 Millionen Euro gegen Lundbeck sowie von insgesamt 52,2 Millionen Euro gegen die Generikahersteller. Eine Berufung der Unternehmen gegen die Strafen wies das Gericht der EU 2016 ab. Diese wandten sich daraufhin an den Gerichtshof der Europäischen Union, der die Strafen nunmehr rechtskräftig bestätigte.

 

Laut dem Gerichtshof „hat das Gericht mit der Bestätigung der Beurteilung der Kommission, dass Lundbeck und die Generikahersteller zum Zeitpunkt des Abschlusses der Vereinbarungen potenzielle Wettbewerber gewesen seien, keinen Fehler begangen“. Er bestätigt damit die Argumentation des Gerichts, ein Patent für ein Verfahren zur Herstellung eines gemeinfreien Wirkstoffs sei „für sich genommen keine unüberwindliche Schranke“ gegen einen Markteintritt von Generikaherstellern.

Richtig ist laut dem Gerichtshof auch die Auffassung des Gerichts, die Vereinbarungen zwischen Lundbeck und den anderen Pharmaunternehmen seien „bezweckte Wettbewerbsbeschränkungen“ gewesen. Es sei klar, dass Lundbeck die Zahlungen an die potenziellen Konkurrenten nur geleistet habe, um sie vom „Leistungswettbewerb“ abzuhalten.

 

Unerheblicher Fehler

 

Ferner stellte der Gerichtshof fest: Zwar habe das Gericht einen Fehler begangen, „indem es Xellia Pharmaceuticals und Alpharma eine Sorgfaltspflicht auferlegt, die sich aus einer Rechtsprechung ergibt, die auf die Situation, in der sie sich befanden, nicht anwendbar ist“. Doch das sei letzten Endes unerheblich. Denn wegen der von der EU-Kommission 2008 eingeleiteten Untersuchung hatten die beiden Unternehmen „eine spezifische Pflicht zur Vorsicht“. Insbesondere waren sie verpflichtet, „dafür Sorge zu tragen, dass Informationen oder Dokumente, anhand deren ihre Tätigkeit nachverfolgt werden kann, in ihren Geschäftsbüchern oder Archiven ordnungsgemäß aufbewahrt werden“.

 

 

 

 

March 19th

Ecker leitet FOPI

Das Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) hat einen neuen Präsidenten, der Pharmaverband Pharmig mit Amgen-Chef Lindgren ein neues Vorstandsmitglied.

 

Bernhard Ecker, General Manager von Novo Nordisk Austria, ist der neue Präsident des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI). Er leitet dieses gemeinsam mit VizepräsidentinTuba Albayrak, der Chefin von Novartis Oncology Austria, und Vizepräsident Wolfgang Kaps, dem Austro-Geschäftsführer von Sanofi, die beide bis Jänner 2023 bestellt sind. Generalsekretärin des FOPI ist Ines Vancata, die hauptberuflich als Market-Access-Direktorin von Roche Österreich tätig ist. Zu ihrer Stellvertreterin wurde Cornelia Moser bestellt, ihres Zeichens Senior Manager Government Affairs & Policy bei der österreichischen Niederlassung von Bristol Myers Squibb.

 

Ecker verlautete in einer Aussendung, er wolle „die Zukunft des Gesundheitswesens in Österreich mitgestalten, um sicherzustellen, dass moderne, lebensverändernde Therapien und Lösungen ihr volles Potenzial entfalten, um die bestmöglichen Ergebnisse für Patienten und die Gesellschaft zu erzielen“. Als sein Ziel bezeichnete Ecker, „das Profil des FOPI zu schärfen und die Stimme der forschenden Pharmaunternehmen weiter zu stärken. Patienten in Österreich müssen die Chance haben, rechtzeitigen Zugang zu innovativen Therapien zu bekommen. Die forschende Pharmaindustrie soll als Türöffner zu einem Leben in Gesundheit wahrgenommen werden“. Ecker ist promovierter Biochemiker und verbrachte sein gesamtes bisheriges Berufsleben in der forschenden Pharmaindustrie. Etwa elf Jahre lang war er für Abbott in Österreich, Frankreich und den USA tätig, anschließend drei Jahre für Baxter. Bei Novartis hatte Ecker unter anderem in Ungarn, Deutschland und der Schweiz unterschiedliche Funktionen inne. Seit 1. März 2020 leitet er die Österreich-Niederlassung von Novo Nordisk Pharma. In Ungarn war Ecker Mitglied des Leitungsgremiums der Association of innovative Pharmaceutical Manufacturers (AIPM).

 

„Mehrwert zeigen“

 

Die neue FOPI-Generalsekretärin Ines Vancata arbeitet seit 2004 bei Roche Österreich. Seit 2017 ist sie als „Market Access Director“ Mitglied des Managements des Unternehmens. Sie will nicht zuletzt „den Mehrwert aufzeigen, den die forschende pharmazeutische Industrie für die Gesellschaft leistet“. Ähnlich äußerte sich ihre Stellvertreterin Schaffer-Kral, die als ihre Aufgabe bezichnete, „kreative Zugänge und andere Herangehensweisen zu verwirklichen, um die forschende Pharmaindustrie in neuem Licht zu präsentieren“.

 

Lindgren im Pharmig-Vorstand

 

Unterdessen wurde Lauri Lindgren, der Geschäftsführer des US-amerikanischen Biotechnologiekonzerns Amgen in Österreich, in den Vorstand des Pharmaindustrieverbands Pharmig berufen. Wie seinerzeit berichtet, leitete Lindgren vor der seit dem Jahr 1995 bestehenden Österreich-Niederlassung von Amgen die Vertretungen des Konzerns in Finnland und Schweden und arbeitete in dessen Europazentrale in der Schweiz. Anlässlich seiner Berufung in den Pharmig-Vorstand konstatierte Lindgren, nach eineinhalb Jahren in Österreich habe er „das Gefühl, nun richtig angekommen zu sein – und Meetings auf Deutsch schrecken mich auch nicht mehr ab“. Nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen mit der COVID-19-Pandemie ist es ihm nach eigenem Bekunden wichtig, „dass die pharmazeutische Industrie offen in den Dialog tritt, erklärt, aufklärt und informiert“. Nicht zuletzt möchte er in der Pharmig seine internationale Erfahrung in der Pharmabranche einbringen.

 

 

 

March 18th

Waschmittelflaschen für Produktkreislauf

Im Zuge eines Pilotprojekts auf Initiative des FCIO wurden erstmals Hartpolyethylen-Gebinde zu 60 Prozent aus Recyclingmaterial erzeugt. Üblich sind bei solchen Projekten rund 25 Prozent.

 

Waschmittelflaschen, die zu 60 Prozent aus Recycling-Kunststoff bestehen, wurden im Zuge eines Pilotprojekts auf Initiative des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) erzeugt. Ihm zufolge sind „bei vergleichbaren Projekten bisher durchschnittlich 25 Prozent üblich“. An dem Vorhaben beteiligt waren der Waschmittel- und Kosmetikakonzern Henkel, die Reclay-Group und das Recyclingunternehmen Hackl. Laut FCIO-Geschäftsführerin Sylvia Hofinger strebt die Industrie auf längere Sicht an, ähnlich wie bei PET-Getränkeflaschen auch bei Gebinden aus Polyolefinen wie eben Waschmittelflaschen zu einem „Produktkreislauf mit vollständiger Wiederverwertung“ zu kommen. Hofinger zufolge werden in Österreich pro Jahr etwa 5.500 Tonnen an Wasch- und Reinigungsmittelflaschen aus Hartpolyethylen (HDPE) gesammelt. Rund 80 Prozent davon eignen sich grundsätzlich für die Wiederverwertung. Diese ist aber erheblich schwieriger als bei PET-Flaschen, weil eine hohe Beständigkeit, mehr Schutz vor UV-Strahlung sowie eine höhere chemische Produkthaltbarkeit gefragt sind.

 

Um die zulässigen Anteile an Recyclingmaterial zu steigern, sind daher laut FCIO „Anpassungen beim Design der Flaschen“ notwendig. Außerdem gilt es, ausreichende Mengen an Kunststoffabfällen mit der benötigten Qualität verfügbar zu machen. Zu diesem Zweck sind weitere Verbesserungen bei der Sammlung, Sortierung und Reinigung des Materials notwendig. Trotz dieser Herausforderungen sieht Hofinger die Branche „auf einem sehr guten Weg zu einem funktionierenden Kreislaufwirtschaftssystem“.

 

Laut der Präsidentin von Henkel Central Eastern Europe, Birgit Rechberger-Krammer, sind die nun vorliegenden Ergebnisse „ein großer Fortschritt zu vergleichbaren Projekten, bei denen Kunststoffabfälle aus Polyolefin verwendet werden. Bei weiterer Optimierung wird in Zukunft sogar eine vollständige Neu-Produktion aus Rezyklat möglich sein“. Erfreut zeigte sich Klima-, Energie- und Umweltministerin Leonore Gewessler. Sie verwies auf die Vorgaben des Kreislaufwirtschaftspakets der Europäischen Union, dem zufolge Österreich seine Kunststoffrecyclingquote bis 2030 nahezu verdoppeln muss: „Um diese zu erreichen, müssen wir unsere Kunststoffabfälle getrennt sammeln und sicherstellen, dass das Recyclingmaterial wieder eingesetzt wird. So sparen wir damit natürliche Ressourcen ein. Die Anstrengungen der heimischen Unternehmen, das Know-How im Bereich Kunststoffrecycling rasch und effizient weiterzuentwickeln, sind ein wichtiger Schritt zu nachhaltigen Lösungen.“

 

 

Austropapier kritisiert Ökostrom-Paket

Der Entwurf des Pakets um das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG-Paket) stößt auf wenig Freude bei der Papierindustrie. Sie sieht „enormes Verbesserungspotenzial“.

 

Keine rechte Freude mit dem Paket um das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG-Paket) zur Neuregelung der Ökostromförderung hat der Papierindustrieverband Austropapier. Bekanntlich hatte der Ministerrat den Entwurf des Pakets am 17. gebilligt. Nun sind Verhandlungen auf parlamentarischer Ebene notwendig, weil das Paket nur mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden kann. Austropapier-Präsident Kurt Maier, hauptberuflich Chef der Heinzel Group, sieht laut einer Aussendung indessen „enormes Verbesserungspotential, was die Verwendung der Fördermittel aber auch den Einsatz von erneuerbaren Ressourcen anbelangt“. Maier zufolge verlangt die Papierindustrie eine Deckelung der Förderkosten. Eine solche ist zwar mit einer Milliarde Euro pro Jahr im Dreijahresdurchschnitt ohnehin vorgesehen. Allerdings kann dieser Deckel dem Entwurf zufolge vom Hauptausschuss des Nationalrates, also mit einfacher Mehrheit, aufgehoben werden, wenn das zum Erreichen der Ökostrom-Ausbauziele notwendig ist.

 

Ferner kritisiert die Papierindustrie, dass die Höhe der Fördermittel großteils per Verordnung festgelegt werden soll. Ausschreibungen sind zumindest bis auf Weiteres nur für Photovoltaik- sowie Biomasseanlagen vorgesehen. Stichwort Biomasseanlagen: Wenig Verständnis hat die Branche dafür, dass deren Mindestbrennstoffnutzungsgrad für die Förderwürdigkeit nicht angehoben, sondern bei den seit 2006 geltenden 60 Prozent belassen wurde. Und auch dieser Wert kann unterschritten werden, wenn in einer Anlage „aufgrund außergewöhnlicher Naturereignisse“ mehr als 50 Prozent des eingesetzten Holzes Schadholz sind. Allerdings hat die Papierindustrie ihre Zweifel, ob das tatsächlich in jedem Einzelfall nachgewiesen wird. Auch fehlen ihr zufolge „jegliche Anreize, diese Anlagen jemals zur Marktreife zu führen. Bestandsanlagen können nämlich laut Gesetz bis zu 30 Jahre lang subventioniert werden“.

 

„Die Bundesregierung hätte jetzt die Möglichkeit gehabt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, dass die Österreicher mehr Ökostrom für ihr Steuergeld bekommen. Das tut uns als holzverarbeitende Branche gerade bei Holz weh, weil es hier nicht nur um unseren wichtigsten Rohstoff, sondern den wichtigsten Rohstoff im Kampf gegen die Klimakrise handelt“, hadert Maier.

 

 

March 15th

Astrazeneca wehrt sich

Laut dem Pharmakonzern gibt es keine aussagekräftigen Hinweise auf vermehrte Gesundheitsschäden durch seinen COVID-19-Impfstoff.

 

Mehr als 17 Millionen Personen wurden bisher mit dem COVID-19-Impfstoff von Astrazeneca geimpft. Hinweise auf vermehrtes Auftreten von Lungenembolien, Venenthrombosen oder Thrombozytopenie (Blutplättchenmangel) hätten sich dabei nicht ergeben, versicherte der Pharmakonzern am 14. März in einer Aussendung. Insgesamt seien mit Datum vom 8. März 15 Fälle von Venenthrombose sowie von 22 Fälle von Lungenembolie bekannt geworden. Das sei „wesentlich weniger als in einer Population vergleichbarer Größe natürlicherweise zu erwarten wäre und ähnlich viel, wie bei anderen COVID-19-Impfstoffen auftrat“, betonte Astrazeneca.

 

Auch seien keine Fälle nachweislicher Qualitätsmängel festgestellt worden, weder in Europa noch anderswo auf der Welt. Im Verlaufe des Produktionsprozesses führe Astrazeneca über 60 Qualitätskontrollen durch, weitere 20 Tests erfolgten durch unabhängige Laboratorien. Die sich bei den Tests ergebenden Daten würden an die Medizinmarktaufsichsbehörden übermittelt.

 

Selbstverständlich stehe die Sicherheit der Patienten an oberster Stelle, betonte Astrazeneca. Die behaupteten gesundheitlichen Probleme seien stets im Blickfeld des Unternehmens: „Aber die verfügbaren Daten zeigen nicht, dass der Impfstoff deren Ursache ist.“ Jedenfalls sollten sich die Menschen impfen lassen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.

 

 

March 10th

Brenntag: Gewinneinbruch um 56 Prozent

Der Umsatz des Chemiedistributeurs fiel 2020 um rund 8,2 Prozent niedriger aus als 2019. Seitens der Konzernführung ist von „starken Ergebnissen“ unter „äußerst schwierigen Bedingungen“ die Rede.

 

Der Chemiedistributeur Brenntag erwirtschaftete 2020 einen Gewinn („Gesamtergebnis“) von rund 227,8 Millionen Euro, um 56,2 Prozent weniger als 2019. Der Umsatz sank um 8,2 Prozent auf 11,77 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis um 0,5 Prozent auf 713,0 Millionen Euro.

 

Indessen verwies der Konzern auf das um Sondereffekte bereinigte „operative EBITDA“, das laut Geschäftsbericht um 5,6 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro wuchs. Und Vorstandschef Christian Kohlpaintner beteuerte, Brenntag habe „trotz der äußerst schwierigen gesamtwirtschaftlichen Bedingungen und der operativen Herausforderungen starke Ergebnisse erzielt. Da wir nach Ländern und Abnehmerbranchen breit aufgestellt sind, konnten wir die Auswirkungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie kompensieren“. Er und seine Vorstandskollegen wollen der Hauptversammlung am 10. Juni vorschlagen, die Dividende von 1,25 Euro für 2019 auf 1,35 Euro für 2020 zu erhöhen, also um acht Prozent.

 

Was 2021 betrifft, rechnet die Brenntag-Führung „ zunächst weiterhin mit erheblichen Einschränkungen aufgrund der COVID-19-Pandemie, zumindest für das erste Halbjahr“, heißt es im Geschäftsbericht. Allerdings soll das „operative EBITDA“ auf 1,08 bis 1,18 Milliarden Euro steigen. Berücksichtigt sind dabei die Auswirkungen von Kostensenkungen aufgrund des Effizienzsteigerungsprogramms „Project Brenntag“ sowie allfällige Akquisitionen. Ferner gehen Kohlpaintner und seine Kollegen von „stabilen Wechselkursen“ aus.

 

Kohlpaintner räumt in einem Interview im Geschäftsbericht ein, Brenntag sei „ in den vergangenen Jahren hinter den eigenen Erwartungen, aber auch denen unserer Stakeholder zurückgeblieben, insbesondere was das organische Ergebniswachstum anbelangt“. Doch der Konzern verfügte über ein „enormes Potenzial“, das es zu nutzen gelte: „Wenn Brenntag seiner Rolle als Weltmarktführer weiterhin gerecht werden und diese Position nicht nur halten, sondern noch weiter ausbauen will, dann muss sich das Unternehmen wandeln.“

 

 

Kreislaufwirtschaft: FCIO begrüßt Förderungen

Das Klima- und Energieministerium stellt zehn Millionen Euro bereit, um die Transformation vom linearen Wirtschaften hin zur Kreislaufwirtschaft zu erleichtern.

 

 

Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) begrüßt die neue, zehn Millionen Euro umfassende Förderinitiative des Klima- und Energieministeriums (BMK) für Projekte im Rahmen der Kreislaufwirtschaft. Laut dem BMK ist die Initiative „eingebettet in die Kreislaufwirtschaftsstrategie, die derzeit federführend vom Klimaschutzministerium erarbeitet wird“ und die ihrerseits im Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaftsstrategie der Europäischen Union steht. Gefördert werden Klima- und Energieministerin Leonore Gewessler zufolge „Projekte, die an der Transformation des Produktionsprozesses vom linearen Wirtschaften hin zur Kreislaufwirtschaft arbeiten“.

 

FCIO-Geschäftsführerin Sylvia Hofinger betonte einmal mehr, die Chemieindustrie spiele in der Kreislaufwirtschaft eine maßgebliche Rolle. Das betreffe das Optimieren gängiger Wiederverwertungsprozesse ebenso wie das chemische Recycling, mit dem aus Altkunststoffen rohölartige Ausgangsmaterialien für neue Produkte erzeugt werden können. Ferner arbeite die Branche an Methoden für Circular Design, die die Wiederverwertung von Gütern erleichtern, aber auch an Verfahren zum Recycling von Seltenen Erden und an der Nutzung „nachwachsender“ Rohstoffe auf Biomassebasis.

 

Um diesbezüglich erfolgreich agieren zu können, benötige die Chemieindustrie freilich geeignete Rahmenbedingungen, erläuterte Hofinger: „Förderungen für Pilotprojekte und Unterstützungen zur industriellen Skalierung und Etablierung von Kreislaufwirtschaftsprozessen wie dem chemischen Recycling sind dabei entscheidend. Die Corona-Impfstoff-Entwicklung hat uns gezeigt, welche unglaublichen Innovationsleistungen die Chemieindustrie in kürzester Zeit erbringen kann. Gleichzeitig haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir nicht nur die Entwicklungen im Labor fördern müssen, sondern auch die industrielle Umsetzung. Eine nachhaltige, klimaneutrale Zukunft wird beides benötigen: Die Finanzierung von Forschung und die Förderung der Umsetzung von Kreislaufwirtschaftsprojekten im industriellen Maßstab.“

 

 

 

 

 

March 4th

Impfstoffproduktion: Nicht von heute auf morgen

Grundsätzlich begrüßt die Pharmaindustrie den Wunsch der Bundesregierung, in Österreich Erzeugungsanlagen für Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 aufzubauen. Doch die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen.

 

„Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig ein starker Standort für die medizinische Versorgung dieses Landes jetzt und in Zukunft ist. Doch Impfstoffproduktion ist nichts Alltägliches, sondern ein äußerst komplexer Prozess, der langfristig und mit Blick auf die verfügbaren Ressourcen geplant werden muss. Umso mehr freut es mich, dass es von Seiten der Politik klare Signale gibt, die Arzneimittelproduktion in Österreich auf breiter Basis auszubauen.“ So resümierte Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog ein Treffen der Pharmaindustrie mit der Bundesregierung hinsichtlich der Herstellung von Impfstoffen in Österreich. Ihm zufolge gilt es, über Österreich hinaus den Pharmastandort Europa insgesamt zu stärken. Und dazu müsse die Politik geeignete Rahmenbedingungen schaffen: „Ob es Steuererleichterungen sind, ein klares Bekenntnis zu mehr Forschung oder konkrete Anreize, um die Produktion weiter attraktiv zu machen - all diese Faktoren tragen dazu bei, den Standort Österreich und in weiterer Folge Europa zu stärken.“ Unter diesen Voraussetzungen werde es für die Branche einfacher, ihre Fabriken auszubauen oder sogar neue Produktionskomplexe zu etablieren.

 

Unumstritten ist freilich: Von heute auf morgen ist die Angelegenheit nicht zu machen. Schon vor einiger Zeit warnte die Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH), Renée Gallo-Daniel, die Errichtung einer neuen Impfstofffabrik samt Validierung und Registrierung dauere „normalerweise fünf bis zehn Jahre. Eine Ausweitung der Produktionskapazität ist daher von Investitionen in den Ausbau oder die Adaptierung von bestehenden Anlagen, einer Zusammenarbeit mit Auftragsherstellern oder anderen Unternehmen abhängig. Daran arbeiten wir derzeit mit Hochdruck. Unser Ziel ist nach wie vor, so schnell wie möglich Impfstoffe für alle, die es wollen, zur Verfügung zu stellen“. Die Produzenten potenzieller Impfstoffe hätten bereits zu Beginn der COVID-19-Pandemie mit entsprechenden Planungen begonnen, und das in allen Bereichen von der Abstimmung mit den Behörden über die Rohstoffbeschaffung bis zur Logistik.

 

Immerhin kündigte der Schweizer Pharmakonzern Novartis an, das Biotechnologieunternehmen Curvevac bei der Produktion seines in Entwicklung befindlichen Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 zu unterstützen. Erfolgen soll das mithilfe der Fabrik in Kundl im Tiroler Unterland. Noch heuer möchte Novartis dort bis zu 50 Millionen Dosen des Wirkstoffs erzeugen, kommendes Jahr sollen es bis zu 200 Millionen Dosen werden. Der Schweizer Konzern adaptiert dazu eine neue Produktionsanlage. Das vorfomulierte Mittel werde an die CureVac geliefert, von dieser zum fertigen Impfstoff mit der Bezeichnung CVnCoV weiterverarbeitet und abgefüllt, hieß es in einer Aussendung. Eine ähnliche Vereinbarung mit Curevac hat auch der deutsche Pharma- und Agrorchemiekonzern Bayer getroffen. Er möchte bis Ende 2022 rund 160 Millionen Dosen des Curevac-Impfstoffs herstellen. Die ersten davon könnten eventuell noch Ende des heurigen Jahres verfügbar sein.

 

 

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