Archive - Okt 3, 2017
Physik-Nobelpreis 2017 für Nachweis von Gravitationswellen
Die in den USA tätigen Forscher Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne erhalten für den Nachweis von Gravitationswellen den diesjährigen Nobelpreis für Physik.
Die Auszeichnung kommt nicht überraschend: Der Nachweis von Gravitationswellen im September 2015, 100 Jahre nachdem Albert Einstein diese als Konsequenz seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt hatte, brachte die Frucht der Leistungen der diesjährigen Physik-Nobelpreisträger bis in Tageszeitungen und Unterrichtsstunden. Als man am LIGO (Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory) das sehr schwache Signal einer Kollision zweier schwarzer Löcher vor rund 1,3 Milliarden Jahren detektierte, war dies nur möglich, weil über Jahrzehnte zahlreiche Vorarbeiten den Boden dafür aufbereitet hatten.
Gravitationswellen sind periodische Deformationen der Raumzeit, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Die Messung der theoretisch vorhergesagten, aber äußerst schwachen Signale wurde lange Zeit für unmöglich gehalten. Rainer Weiss, ein gebürtiger Deutscher, der sein Doktorat am Massachusetts Institute of Technology erworben hatte, analysierte schon in den 70er-Jahren mögliche Störsignale und brachte die Idee auf, diese mit einem Laser-basierten Interferometer zu umgehen. Gemeinsam mit Kip Thorne und dessen damaligem Mitarbeiter Ronald Drever wurde der erste Prototyp eines solchen Instruments gebaut. Es sollte noch Jahrzehnten dauern, um die letztlich verwendeten Zwillings-Interferometer, jedes mit vier Kilometer langen Armen und 3.000 Kilometer voneinander entfernt, zu realisieren. Throne lieferte dazu Analyse und Theorie, Weiss den instrumentellen Einfallsreichtum.
Vom Laborexperiment zum wissenschaftlichen Großprojekt
Barry Barish kam Mitte der 90er-Jahre ins Spiel, als es darum ging, die Laborexperimente in die benötigte Großinfrastruktur zu transformieren. Seine Aufgabe war, die dafür benötigte Expertise ausfindig zu machen und zahlreiche Forschungsgruppen aus vielen Ländern für das Projekt zu gewinnen. Seine Auszeichnung steht auch symbolisch für die mehr als 1.000 Wissenschaftler, die an der LIGO Scientific Collaboration mitarbeiten. Die Forscher erwarten sich von der Beobachtung von Gravitationswellen nun eine ganz neue Art, Ereignisse im Universum zu detektieren und die Vorhersagen von Theorien zu testen.
Im September 2015 konnte erstmals Gravitationswellen detektiert werden, die durch einen Zusammenstoß zweier schwarzer Löcher vor 1,3 Milliarden Jahren verursacht wurden.
KMUs: Weiter Probleme mit REACH
03.10.17
von
Klaus Fischer
Vor allem über die Registrierungskosten gibt es Klagen, zeigt eine neue Studie im Auftrag der ECHA.
So wirklich wohl fühlen sich die von REACH betroffenen Klein- und Mittelbetriebe mit dem EU-Chemikalienmanagementsystem offenbar nach wie vor nicht. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA). Ihr zufolge haben europaweit rund 35.000 KMUs Registrierungspflichten im Rahmen von REACH. An der Umfrage beteiligten sich 819, von denen 732 die per E-Mail zugesandten Fragebögen ganz oder wenigstens teilweise ausfüllten. Auf die Frage, ob ihnen REACH bekannt sei, antworteten insgesamt 730, davon 96 Prozent mit Ja. Rund 31 Prozent verlauteten, durch die ECHA auf das Thema aufmerksam geworden zu sein, 19 durch den jeweiligen nationalen (Chemie-)Wirtschaftsverband, 14 Prozent durch die Behörden der Nationalstaaten, die verbleibenden 36 Prozent durch andere Quellen. Immerhin 91 Prozent ist die nächste und damit letzte Registrierungsdeadline bekannt, der 31. Mai kommenden Jahres. Registrierungspflichtig ist, wer Stoffe in einer Menge zwischen einer und 100 Tonnen pro Jahr in der EU erzeugt oder in die EU importiert.
Rund 35 Prozent der antwortenden Unternehmen haben festgestellt, dass sie einen oder mehrere Stoffe registrieren müssen. Etwa 13 Prozent gehen von einer Verpflichtung aus, sind aber noch dabei, dies zu verifizieren. Dem gegenüber sind 31 Prozent nach entsprechender Prüfung sicher, keinen Stoff registrieren zu müssen. Um die 21 Prozent glauben, keine entsprechende Verpflichtung zu haben, müssen dies aber noch endgültig klären.
Deutlich zeigt die Umfrage auch, dass die Kosten für die Registrierung ein wesentlicher Faktor bei der Entscheidung sind, ob jemand einen Stoff tatsächlich registriert oder dessen Produktion bzw. den Import aufgibt. Auf einer Skala von 0 (kein Einfluss auf die Entscheidung) bis 10 (maßgeblicher Einfluss) entfielen auf die Ordnungszahl 10 etwa 36 Prozent der Antworten, auf 9 rund 15 Prozent und auf 8 gut neun Prozent. Dem gegenüber konstatierten nur sechs Prozent der Antwortenden, die Kosten hätten keinerlei Einfluss auf die Entscheidung. Ferner gaben 65 Prozent der antwortenden Unternehmen bekannt, sie wollten zwischen zehn und 30 Prozent der von ihnen erzeugten bzw. importierten Stoffe vom Markt nehmen, um sie nicht registrieren zu müssen. Immerhin elf Prozent wollen ihre Produktions- bzw. Importtätigkeit komplett einstellen.
Die ECHA konstatierte zu der Studie, sie bemühe sich, den KMUs beim Umgang mit REACH zu helfen. Bereits seit 2010 seien einschlägige Aktivitäten im Gang.
Hansen folgt Dancet
Unterdessen hat das Management Board der ECHA den Nachfolger Geert Dancets als Exekutivdirektor der Agentur nominiert. Es handelt sich um den Dänen Björn Hansen, der seit 2003 in der Chemieabteilung der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission tätig ist und diese derzeit leitet. Hansen soll seine fünfjährige Funktionsperiode Anfang 2018 antreten. Die Vertragsunterzeichnung ist für die Sitzung des Management Boards am 14. und 15. Dezember geplant. Zuvor findet noch eine Anhörung vor dem Europäischen Parlament statt, die aber keinen Einfluss mehr auf die Entscheidung hat.