Archive - Okt 25, 2017

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Glyphosat: Entscheidung vertagt

Die EU-Kommission fand neuerlich nicht die erforderliche Mehrheit für ihren Vorschlag zur Zulassungsverlängerung.

 

Erneut gescheitert ist die EU-Kommission mit ihrem Versuch, die Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat um weitere zehn Jahre zu verlängern. Im Standing Committee on Plants, Animals, Food and Feed (PAFF Committee) kam die notwendige „qualifizierte Mehrheit“ der Stimmen der EU-Mitgliedsstaaten auch am 25. Oktober nicht zustande, berichtete die Kommission. „Qualifizierte Mehrheit“ bzw. „doppelte Mehrheit“ bedeutet, dass einem Vorschlag mindestens 55 Prozent der Mitgliedsstaaten zustimmen müssen, die mindestens 65 Prozent der Bevölkerung der Europäischen Union repräsentieren. Nicht überwinden konnte die Kommission die 65-Prozent-Hürde: Jene 16 Staaten, die ihr die Zustimmung erteilten, brachten diesen Bevölkerungsanteil nicht zustande. Zehn Staaten stimmten gegen den Vorschlag der Kommission (Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Luxemburg, Malta, Österreich, Schweden sowie Slowenien). Zwei, Deutschland und Portugal, enthielten sich der Stimme. Die EU-Kommission kündigte an, einen Vorschlag zur Zulassungsveränderung in den kommenden Wochen nochmals zur Abstimmung zu bringen. Die geltende Genehmigung für den Einsatz von Glyphosat läuft bis Jahresende. Wird sie nicht verlängert, dürfen Restbestände noch binnen anderthalb Jahren verbraucht werden, also bis Mitte 2019.

 

Ungehalten reagierte die Industriegruppe Pflanzenschutz (IGP). „Wirkstoffe sind wichtige Substanzen für landwirtschaftliche Kulturen, um diese vor Krankheiten, Schädlingen sowie Unkraut zu schützen. Eine Entscheidung für oder einen Wirkstoff sollte daher keinesfalls emotional, sondern sachlich auf Basis von Fakten getroffen werden. Stattdessen wird jetzt bei Glyphosat die Angstmache gefördert, die das zutiefst verwerfliche Spiel mit der Angst vor Menschen vor Krebs für unlautere Ziele missbraucht“, verlautete Obmann Christian Stockmar. Er bezeichnete die Position der Staaten, die die Zulassungsverlängerung ablehnen, als „nicht nachvollziehbar. Dass politische Entscheidungsträger NGO-Kampagnen den Vorzug gegenüber wissenschaftlichen Fakten geben, ist ein maßgeblicher Faktor dafür, dass Europa als Forschungs-, Wissenschafts-, Landwirtschafts- und Wirtschaftsstandort weiter zurückfällt. Es fehlt schlichtweg die notwendige Planbarkeit, Rechtssicherheit sowie zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit für die heimische Landwirtschaft und Wirtschaft.“

 

Einmal mehr wiederholte Stockmar, dass Glyphosat bei „sachgemäßem Einsatz nicht krebserregend für Menschen“ sei. Dies werde durch „3.300 Studien mit insgesamt 90.000 Seiten“ bestätigt. Ferner seien auch alle Gesundheitsbehörden der Welt zu diesem Ergebnis gelangt, „die mit einer Bewertung von Glyphosat befasst waren und denen die Originaldaten vorlagen“. Darunter befinden sich laut Stockmar die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA, die US-amerikanische EPA, die kanadische Bewertungsbehörde Pest Management Regulatory Agency (PMRA), die Australian Pesticides and Veterinary Medicines Authority (APVMA), das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sowie die Europäische Chemikalienagentur (ECHA).

 

Am 24. Oktober plädierte das EU-Parlament dafür, den Einsatz von Glyphosat in der Europäischen Union ab 2022 vollständig zu verbieten. Für den Beschluss hatten sich unter anderem die Grünen stark gemacht.

Starke Zahlen

BASF und Covestro haben im 3. Quartal 2017 gut verdient.

 

BASF verzeichnete im dritten Quartal 2017 einen Umsatz von 15,25 Milliarden Euro, um neun Prozent mehr als im dritten Quartal 2016. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) lag bei 1,96 Milliarden Euro, was einem Zuwachs um 34 Prozent oder 494 Millionen Euro entspricht. Allerdings entfielen davon 198 Euro auf positive Sondereffekte, insbesondere der Verkauf des Lederchemikaliengeschäfts an die Stahl-Gruppe. Ohne Berücksichtigung der Sondereffekte wuchs das EBIT um 16 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro. Den bereinigten Jahresüberschuss beziffert BASF mit 1,36 Milliarden Euro, verglichen mit 1,10 Milliarden im dritten Quartal des Vorjahres.

BASF begründet die Resultate primär mit der „guten Mengenentwicklung sowie den deutlich höheren Verkaufspreisen im Segment Chemicals“. Dem Konzern zufolge wirkte sich auch die Übernahme des Chemetall-Geschäft von Albemarle im Dezember 2016 positiv aus. Für das Gesamtjahr 2017 rechnet BASF-Vorstandschef Kurt Bock im Vergleich zu 2016 mit einer „deutlichen“ Verbesserung des EBIT. Dieses müsste somit über 6,27 Milliarden Euro liegen.

 

Der Werkstoffhersteller Covestro wiederum erwirtschaftete im dritten Quartal 2017 ein Konzernergebnis von 491 Millionen Euro. Verglichen mit dem dritten Quartal 2016 entspricht das einem Plus von 89,6 Prozent. Das EBITDA wuchs um 50,2 Prozent auf 862 Millionen Euro, das EBIT um 73,6 Prozent auf 705 Millionen. „Grund für die starken Zahlen waren die unverändert robuste Nachfrage in den Hauptabnehmerbranchen des Unternehmens sowie eine positive Margenentwicklung, insbesondere im Segment Polyurethanes“, hieß es seitens Covestro.

Laut dem Vorstandsvorsitzenden Patrick Thomas ist geplant, „zeitnah mit dem Rückkauf von eigenen Aktien in Höhe von bis zu 1,5 Milliarden Euro oder bis zu zehn Prozent des Grundkapitals zu beginnen“. Mit einem Free Operating Cash Flow von 658 Millionen Euro verfüge Covestro über „außerordentlich hohe liquide Mittel“. Das erlaube, „früher als ursprünglich avisiert durch einen Aktienrückkauf Mittel an unsere Anteilseigner zurückzugeben und gleichzeitig weiterhin offen für Akquisitionsmöglichkeiten zu sein“.