Archive - Mär 27, 2018

GSK: Finanzielle Osterfreuden für Novartis

Der britische Pharmakonzern übernimmt ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Schweizer Giganten um 13 Milliarden US-Dollar vollständig und löst damit ein 2014 vereinbartes Paket auf.

 

Um rund 13,0 Milliarden US-Dollar (10,49 Milliarden Euro) übernimmt GSK von Novartis den 36,5-Prozent-Anteil an GSK Consumer Healthcare Holdings Ltd., dem Gemeinschaftsunternehmen im Bereich nicht verschreibungspflichtiger Medikamente („Consumer Healthcare“). Abgeschlossen werden soll der Deal im zweiten Quartal. Das Gemeinschaftsunternehmen besteht seit 2015. In einer Aussendung von GSK hieß es, Novartis hätte vom 2. März 2018 bis einschließlich 2. März 2035 das Recht gehabt, die teilweise oder vollständige Übernahme seines Anteils durch GSK zu verlangen. Dies habe die Finanzplanung von GSK erschwert. Mit der nunmehrigen Transaktion werde die Unsicherheit beseitigt. Der Abschluss des Geschäfts bedarf der Zustimmung der Aktionäre von GSK. Behördliche Genehmigungen sind nicht notwendig. Ein schlechtes Geschäft für Novartis ist das wohl eher nicht: Der Schweizer Pharmariese erlöste aus dem Gemeinschaftsunternehmen 2017 einen Ertrag von 629 Millionen US-Dollar (507,3 Millionen Euro), worin allerdings Sondereffekte von 237 Millionen US-Dollar (191,2 Millionen Euro) aufgrund geänderter Steuervorschriften in der Schweiz enthalten waren.

 

Teilweise aufgelöst wird damit ein drei Punkte umfassendes Paket, das Novartis und GSK 2014 vereinbarten und 2015 abschlossen. Dieses umfasste die Übernahme der Onkologiesparte von GSK durch Novartis um rund 16, 0 Milliarden US-Dollar (12,90 Millionen Euro), den Kauf des Impfstoffgeschäfts ohne Grippemittel von Novartis durch GSK um 7,1 Milliarden US-Dollar (5.73 Milliarden Euro) sowie die Gründung der GSK Consumer Healthcare Holdings Ltd..

 

Wie GSK deren vollständige Übernahme finanziert, ist offenbar noch nicht ganz klar. Überlegt wird unter anderem, den 72,5-Prozent-Anteil an der indischen Tochtergesellschaft GlaxoSmithKline Consumer Healthcare Ltd. zu verkaufen. Auch das Abstoßen weiterer Vermögenswerte ist möglich. Eine diesbezügliche Überprüfung („strategic review“) soll bis Jahresende abgeschlossen werden. GSK-Chefin Emma Walmsley verlautete, die Transaktion helfe, „unsere Anstrengungen zur Verbesserung unserer Performance zu beschleunigen“. Sinnvoll wäre das vermutlich: Nach dem Katastrophenjahr 2016, in dem der operative Gewinn währungsbereinigt um 74,9 Prozent auf 2,59 Milliarden Pfund (2,09 Milliarden Euro) eingebrochen war, hatte GSK 2017 wieder etwas Fuß gefasst. Der operative Gewinn war um rund 57,5 Prozent auf 4,08 Milliarden Pfund (3,29 Milliarden Euro) gewachsen. Doch auch das entspricht nur 39,5 Prozent des operativen Gewinns von 2015, dem Jahr, bevor das Patent für den „Blockbuster“ Advair in den USA ablief. Einen finanziell gleichwertigen Ersatz für das Asthmamittel hat GSK bis dato nicht auf den Markt gebracht. Und auch das Geschäft mit Impfstoffen sowie nicht rezeptpflichtigen Medikamenten kompensierte den Ausfall nicht. Im Gegenteil wurde der Abtausch der Okologiesparte gegen das weniger einträgliche Impfstoffgeschäft in manchen Kreisen mit Skepsis betrachtet.

 

Novartis-Chef Vasant Narasimhan gab sich jedenfalls erfreut über das finanzielle „Osterei“. Er ließ wissen, das Consumer-Healthcare-Geschäft seines Unternehmens laufe durchaus ordentlich: „Dennoch ist jetzt der richtige Zeitpunkt, einen Vermögenswert zu einem attraktiven Preis zu verkaufen, der nicht zu den Herzstücken unseres Konzerns gehört.“