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August 23rd, 2019

Die Allgegenwart der künstlichen Intelligenz bei den Alpbacher Technologiegesprächen

Josef Hochreiter wird derzeit viel herumgereicht: Nicht nur in Alpbach von Interview zu Interview und von Diskussion zu Diskussion – auch die prominenten Namen der Informationstechnologie stehen bei ihm Schlange.

Hochreiter, Professor für Bioinformatik an der JKU Linz, entwickelt mit Zalando Algorithmen, die Modetrends in sozialen Netzwerken auf die Spur kommen und arbeitet mit Audi an der Verbesserung selbstfahrender Autos. Das von ihm schon vor mehr als 25 Jahren entwickelte Prinzip der „long short-term memory“ ist eine wesentliches Element vieler Systeme künstlicher Intelligenz und wird von Google in der Spracherkennung  von Smartphones, von Apple für die Quicktype-Funktion beim iPhone und von Amazon für Alexa verwendet. „Wir Europäer sind besonders gut im Maschinenbau, aber wir nutzen das nur, um einmal ein Gerät zu verkaufen, wir bleiben mit dem Kunden nicht in Kontakt“, konstatierte Hochreiter im Rahmen einer Plenarsitzung der Alpbacher Technologiegespräche. Die Kombination mit künstlicher Intelligenz sollte die Möglichkeit dazu geben, das solle man nicht den anderen überlassen.

Themen rund um „Künstliche Intelligenz“ (KI) sind in diesem Jahr bei den Alpbacher Technologiegesprächen allgegenwärtig. Nicht weniger als drei von 13 „Breakout Sessions“ trugen KI  explizit im Titel, in so gut wie allen geht es um Aspekte der „Digitalisierung“. Dabei ist KI bislang nur in Bereichen gut, in denen es um die Lösung ganz bestimmter Aufgaben geht – aus einer großen Datenmenge Korrelationen herauslesen, den Menschen in Schach oder Go schlagen. Die Visionen flexibler humanoider Assistenten, die einem im Alltag zur Seite stehen, liegen noch weit in der Zukunft, wie Stefan Roth, Leiter des Visual Inference Lab der TU Darmstadt eindrucksvoll darlegte. Das liege einfach daran, dass dabei so viele Dinge gleichzeitig zu tun sind. Autonome Fahrzeuge haben demgegenüber schon eine einfachere Aufgabe in einer wesentlich strukturierteren Umgebung zu erfüllen – und auch hier sind vielen Probleme noch ungelöst. Roth und sein Team rücken dem mit einer Methodik zu Leibe, die man „semantische Bildanalyse“ nennt und daraus hinausläuft, Gestalten nicht nur zu erkennen, sondern auch deren Bedeutung einschätzen zu können. Besonders schwierig ist dabei etwa, Bewegung und Okklusion durch Objekte gleichzeitig erkennen zu können.

 

August 21st

„Adaptive Intelligence“ im Gesundheitswesen

Im Rahmen einer Partner-Session der Alpbacher Gesundheitsgespräche wurden auf Einladung von Philips Austria die Möglichkeiten des Einsatzes von künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen beleuchtet.

„Adaptive Intelligence“ ist ein relativ junges Exponat im Tiergarten der Wortneubildungen rund um neue digitale Technologien. Gemeint ist, künstliche Intelligenz nicht nur zur statistischen Analyse großer Datenmengen zu verwenden, sondern sie Daten auf der Grundlage von „Domain Knowledge“, also Wissen mit bestimmtem fachlichen Hintergrund, auch interpretieren zu lassen. Klinische Anwendungen bieten dafür eine breite Spielwiese, wie Robert Körbler, CEO von Philips Austria, im Rahmen einer „Partner Session“ der Alpbacher Gesundheitsgespräche aufzeigte: Gesundheitseinrichtungen kämpfen mit Mangel an Fachkräften und Geld, gleichzeitig steige die Zahl älterer, multimorbider Patienten. In einer solche Situation könne „Adaptive Intelligence Routineaufgaben übernehmen, Abläufe vereinfachen und Entscheidungshilfen bieten.

Schon heute gebe es zwar schon vielversprechenden Anwendungsgebiete der KI, etwa in der radiologischen Bildgebung, aber insgesamt sei ihr Einsatz im medizinischen Umfeld selten. Damit das Potential hier auch nutzbar gemacht werden könne, bedürfe es eines optimalen Informationsflusses zwischen verschiedenen Systemen, gesicherter Daten, und fachlichen Know-hows, um die Ergebnisse der Algorithmen interpretierbar zu machen, wie Peter Klimek betonte, der an der Medizinischen Universität Wien auf dem Gebiet komplexer Systeme forscht. Geschlossene Systeme mit Schnittstellen, die nur schwer oder teuer zu bedienen sind, seien keine Hilfe, sondern eine Belastung für das Personal in Krankenhäusern, ergänzte Johannes Raffaseder, Studiengangsleiter Digital Healthcare an der FH St. Pölten, der daher Interoperabilität als wesentliches Kriterium einforderte.

Dass dadurch Menschen mit klinischem Wissen nicht durch Maschinen ersetzt werden, sondern intelligente Systeme sich vielmehr dem spezifischen Kontext, in dem sie verwendet werden, anpassen müssten, betonte Klaus Markstaller, Leiter der Klinik für Anästhesie am AKH Wien. „Um aus ‚Artificial Intelligence‘ ‚Adaptive Intelligence‘ werden zu lassen, muss das klinische Wissen von medizinischem Personal mit Technologie kombiniert werden“, so Markstaller. Hans Aubauer, Generaldirektor der Sozialversicherungsträger SVA und SVS, hob hervor, die Rahmenbedingungen für einen gedeihlichen Einsatz der neuen Technologien schaffen zu wollen.

 

August 19th

Heiße und vermiedene Diskussionen bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen

Zwei Diskussionspodien prägten den ersten Vormittag der Alpbacher Gesundheitsgespräche: Das eine fragte nach den Kosten von Innovationen im und für das Gesundheitssystem, das zweite nach Nutzen und Nachteil der künstlichen Intelligenz für die Medizin.

So manchem Konflikt, der sich zwischen den Aussagen der Teilnehmer ergeben hätte, ging man etwas aus dem Weg: Wenn Thomas Gebauer, Sprecher der Stiftung Medico International etwa ein „Ende des bestehenden Forschungsparadigmas, das F&E an spätere Verkaufsspannen koppelt“ und die „Demokratisierung von Innovation“ durch „Formen der demokratischen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen“ forderte, hätte man Einspruch von Sabine Radl (Commercial Head Established Products Mature Markets bei Sanofi) und Peter Neubeck (Partner beim Venture-Capital-Unternehmens Kurma Partners) erwartet. Es oblag dem im Publikum sitzenden Jan Oliver Huber (ehemaliger Geschäftsführer des Parma-Verbands Pharmig), nach konkreten Modellen für die Realisierung solche Forderungen zu fragen. Gebauer verwies auf die Notwendigkeit einer öffentlichen Debatte zur Prioritätensetzung in der Forschung. Dies geschehe nur zum Teil. Viel zu stark seien die Universitäten als Träger der Forschungsarbeit aber von „Stakeholdern mit ökonomischen Interessen“ beeinflusst. Radl konnte demgegenüber nicht sehen, worin da der Konflikt liegen solle. Die Pharmaindustrie adressieren ja nicht nur chronische Erkrankungen, von denen unzählige Menschen betroffen sind, sondern auch eine Vielzahl seltener Erkrankungen oder entwickle Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten, die in tropischen Ländern vorkommen. Das würde zu wenig betrachtet.

Neubeck erweiterte indes den Blick durch den Hinweis, wesentlich mehr Impact auf das Gesundheitssystem als neue Arzneimittel und Medizingeräte (von denen auch sein VC-Unternehmen heute hauptsächlich lebt) hätten Innovationen zu organisatorischen Aspekten des Gesundheitswesens, etwa in der Organisation eines Krankenhauses oder im Modell einer Versicherung, die vielen Menschen Zugang zu den Früchten der Forschung verschaffe. Der Eintritt großer IT-Unternehmen wie Google oder Amazon, in deren Lösungen es stets darum gehe, eine Vielzahl von Akteuren zu vernetzen, könnte hier ganz neue Perspektiven einbringen. Aber niemand wisse heute, wie genau sich das ausgestalten werde.

 

Diagnostizieren Algorithmen besser?

Harald Kittler, Leiter einer Forschungsgruppe zur Bildgebung in der Dermatologie konnte als Teil des zweiten Podiums auf Erfolge der künstlichen Intelligenz in der Diagnose von Melanomen berichten. Eine Studie, die in der Fachzeitschrift „The Lancet Oncology“ erschien, zeigte die klare Überlegenheit von selbstlernenden Bilderkennungsalgorithmen gegenüber Fachärzten, selbst wenn diese schon erfahren waren. Nicht so eindeutig fiel die Bilanz aus, wenn man in die zu beurteilenden Bilddaten bewusst etwas „versteckt“, was dort nicht hingehört – zum Beispiel braune Flecken, die nicht auf einer menschlichen Haut sondern auf einer Bananenschale zu finden waren. Kittler plädierte dafür die digitalen Werkzeuge nicht als „Ersatz“ sondern als Unterstützung für den klinischen Praktiker zu verwenden. Gerade bei Anfängern im Fach könnte die Berücksichtigung von KI-Ergebnissen bei der Diagnose-Entscheidung stark verbesserte Resultate erbringen. Es sei unethisch, ein solches Hilfsmittel nicht einzusetzen, so der Dermatologe.

Dem konnte auch Alena Buyx, Leiterin des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der TU München, beipflichten. Allein – die Erkennung von Krebs sei ein Anwendungsfall, der ethisch kaum umstritten sei. Das sehe bei anderen Anwendungen schon anders aus: Mit KI könne auch aus Aufnahmen menschlicher Gesichter auf eine Neigung zu sozialen Dysfunktionen geschlossen werden – und es sei offensichtlich, dass das in vielen Szenarien nicht wünschenswert sei. Zudem bestehe in vielen Datenpools, die zum Trainieren der Algorithmen verwendet würden, eine starker Bias – etwa wenn viel weniger Frauen als Männer oder bestimmte Minderheiten unzureichend abgebildet seien und die Aussagen dennoch auf diese Zielgruppen bezogen würden.

 

 

August 6th

Boston Consulting Group: Plädoyer für Pyrolyse

Eine umstrittene Technologie könnte bei der Kreislaufwirtschaft eine nicht unwesentliche Rolle spielen, behauptet der US-amerikanische Beratungskonzern.

 

Die Pyrolyse von Plastikabfällen könnte einen wesentlichen Beitrag zu einer erfolgreichen Kreislaufwirtschaft leisten. Das behauptet zumindest der international tätige Unternehmensberatungskonzern Boston Consulting Group (BCG) in einer kürzlich erschienenen Studie mit dem Titel „A Circular Solution to Plastic Waste“. Darin heißt es, abhängig vom Ausgangsmaterial bestehe der „Output“ der Plastikpyrolyse zu rund 70 bis 80 Prozent aus Öl und zu weiteren zehn bis 15 Prozent aus Gas. Lediglich den Rest von maximal zehn bis 15 Prozent mache Pyrolysekoks aus, der üblicherweise im Straßenbau verwendet oder schlimmstenfalls in Mülldeponien verbracht werde. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich bereits eine ganze Reihe von Unternehmen erfolgreich mit dem Thema Pyrolyse befasst und aus Plastikabfällen Kraftstoff erzeugt. Derzeit werde die Technologie unter anderem von Agilyx, RES Polyflow, Brightmark Energy, RTI und Klean Industries zum Einsatz gebracht. Klean Industries und Toshiba etwa errichteten nach Angaben von BCG im Jahr 2000 eine Pyrolyseanlage in Sapporo in Japan, die es auf eine Erzeugungsmenge von rund 40 bis 50 Tonnen Öl pro Tag brachte. Sie war bis 2012 im Einsatz. Aus dem Öl ließen sich damals angeblich jährlich rund neun Millionen Liter Leichtöl als Ausgangsmaterial für chemische Prozesse sowie mittelschwere Öle wie Diesel raffinieren. BP und RES wiederum sind derzeit dabei, im US-amerikanischen Bundesstaat Indiana eine Pyrolyseanlage zu errichten. Deren Kapazität beziffert BCG mit rund 100.000 Tonnen Diesel pro Jahr. Sie soll noch heuer in Betrieb gehen. Den Kraftstoff will BP hochdaselbst übernehmen.

 

Die Wirtschaftlichkeit der Plastikpyrolyse wird nach Ansicht der Studienautoren im Wesentlichen von vier Faktoren bestimmt. Im Einzelnen handelt es sich um die Menge des eingesetzten Kunststoffs, die Kosten für dessen Ankauf und seine Behandlung, die Kapazität und die Betriebskosten der Pyrolyseanlage sowie die Erlöse aus dem Verkauf der Produkte. Und von schlechten Eltern sind die ökonomischen Herausforderungen nicht: Um eine Anlage von 30.000 Tonnen Jahreskapazität rentabel betreiben zu können, müsse ein Unternehmen einen internen Zinsfuß (Internal Rate vof Return, IIR) von mindestens zwölf Prozent ansetzen, rechnen die Spezialisten von BCG vor.

 

Etliche Hürden

 

Außerdem gilt es den Unternehmensberatern zufolge, eine Reihe anderer Hürden zu überwinden. So sind die meisten bestehenden Pyrolyseanlagen vergleichsweise klein und in technischer Hinsicht schwierig zu betreiben. Überdies kommt sich die Kreislaufwirtschaft gelegentlich auch selbst in die Quere: Immer mehr Unternehmen gehen dazu über, Kunststoffe zu entwickeln und zu erzeugen, die sich erheblich besser mechanisch rezyklieren lassen als bisher verfügbare Materialien. Das erhöht den ökonomischen Druck auf andere Verwertungsmethoden. Ferner ist zu beachten, dass die Pyrolyse als Endprodukt fast ausschließlich Öl und Gas erbringt. Verfahren des chemischen Recyclings könnten dem gegenüber dazu führen, auch andere Substanzen wiederzugewinnen, die für die Erzeugung der Kunststoffe verwendet wurden.

 

Und dann sind da möglicherweise auch noch unerwünschte gesellschaftliche Auswirkungen, räumen die Autoren der Studie ein: In manchen Entwicklungsländern spielt das Sammeln und Sortieren von (Kunststoff-)Abfällen eine wesentliche Rolle in der Schattenwirtschaft. Es sichert damit Millionen vom Menschen ein wenn auch unter noch so haarsträubenden Umständen erzieltes Einkommen. Mit der Plastikpyrolyse würden sie dessen und damit ihrer Lebensgrundlage beraubt.

 

Dennoch plädiert BCG dafür, den Weg der Nutzung der Technologie zu beschreiten. Zurzeit produziere die Menschheit nicht weniger als 350 Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr. Noch immer landen davon etwa 250 Millionen Tonnen auf mehr oder weniger ordnungsgemäßen Deponien und - bekanntermaßen - mindestens zehn Millionen Tonnen in den Weltmeeren. Dem gelte es jedenfalls, entschieden gegenzusteuern. Und gerade die Industriestaaten sieht BCG dabei in der Pflicht: Sie sind laut dem Beratungskonzern für 75 bis 90 Prozent des weltweiten Kunststoffbedarfs verantwortlich.

 

 

 

July 31st

Erfolg bei IChO

Mit Unterstützung aus Südtirol gewann das österreichische Team bei der Internationalen Chemieolympiade vier Medaillen.

 

Vier Medaillen gewannen für Österreich angetretene Schüler bei der 51. Internationalen Chemieolympiade (IChO) in Paris. Eine Silbermedaille ging an Magdalena Lederbauer von der Sir-Karl-Popper-Schule in Wien. Bronze errangen Erwin Rait vom Bundesgymnasium/Bundesrealgymnasium Mödling und Joseph Dorfer vom Bundesgymnasium Tamsweg sowie die Südtirolerin Melanie Kiem vom Realgymnasium Meran. Sie bestritt den Bewerb als Mitglied des österreichischen Teams. Insgesamt waren 309 Schüler aus 80 Staaten bei IChO angetreten. Laut dem Bundeskoordinator der Österreichischen Chemieolympiade, Georg Schellander, liegen „der Schwierigkeitsgrad in der Theorie und die Anforderungen in der Praxis auf Universitätsniveau“.

 

Österreich nimmt schon seit 1975 an der IChO teil. Unterstützung dabei kommt vom Fachverband der Chemischen Industrie (FCIO). Obmann Hubert Culik zufolge ist dem Verband „die Förderung von begabten und fleißigen Schülern wichtig. Denn in der chemischen Industrie brauchen wir Forschernachwuchs, der bereit ist, mehr als das Mindestmaß zu leisten, um so den internationalen Wettbewerb gewachsen zu sein. Somit gratuliere ich den Teilnehmern ebenso wie ihren Lehrern herzlich zu den Erfolgen“.

July 30th

Axalta: Änderungen im Management

Vizepräsident Barry Snyder erhält neue Zuständigkeiten, Robert Roop rückt in die Führungsetage auf.

 

Barry Snyder wurde am 29. Juli zum Senior Vice President and Chief Operations and Supply Chain Officer des US-amerikanischen Beschichtungskonzerns Axalta berufen. Sein Nachfolger als Chief Technology Officer ist Robert Roop. Snyder absolvierte das Studium der Anorganischen Chemie an der Harvard University sowie wirtschaftswissenschaftliche Zusatzausbildungen an anderen Universitäten. Seine Berufskarriere begann er 1990 beim Spezialchemiekonzern Rohm and Haas, der seit 2009 zu Dow Chemical gehört. Im Jahr 2007 wechselte er als Global Technology Director zu Celanese. Nur ein Jahr später übernahm er dieselbe Position bei H.B. Fuller, wo er für 15 Laboratorien verantwortlich war und überdies als Vice President den Vorstandsbereich Marketing & Technology betreute. Von Axalta wurde Snyder 2012 als Senior Vice President und Chief Technology Officer an Bord geholt.

 

Roop studierte Chemical Engineering an der West Virginia University und der Texas A&M University. Anschließend war er über 20 Jahre lang im Polymer- und Chemiegeschäft bei DuPont tätig. Zu Axalta kam er 2013 als Technologiechef für Nordamerika. Zuletzt verantwortete er als Vice President, Technology Development das Reparatur- und Industriekundengeschäft.

 

Axalta ist seit einiger Zeit auf der Suche nach einem strategischen Partner oder einem Käufer. Eine Schlüsselrolle dabei kommt Mark Garrett zu, dem ehemaligen Vorstandschef der Borealis. Der Australier ist seit kurzem Chairman of the Board von Axalta.

 

July 25th

15 Jahre Technopol-Programm

Seit 15 Jahren managt die niederösterreichische Wirtschaftsagentur ecoplus das Technopol-Programm des Landes. Nun war Zeit, Bilanz zu ziehen.

An den Standorten Krems, Tulln, Wiener Neustadt und Wieselburg wurde gezielt die Vernetzung von Wissenschaft, Ausbildung und Wirtschaft zu bestimmten Schwerpunktthemen gefördert.  An jedem der vier Technopole vermittelt ein Technopol-Manager Kontakte, unterstützt bei der Bildung von Konsortien und hilft, Zugang zur benötigten Infrastruktur zu erhalten. Nimmt man alle vier Standorte zusammen, wurden in dieser Zeit 312 Projekte mit einem Finanzierungsvolumen von insgesamt 500 Millionen Euro abgewickelt. Das Technopol-Programm stelle dabei die Spitze einer Innovationspyramide dar, die auf den basaleren Schichten des TIP-Programms (Innovationspartnerschaften für Unternehmen aller Art) und der niederösterreichischen Cluster aufbaue, wie Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Wirtschaftslandsrätin Petra Bohuslav im Rahmen einer Pressekonferenz darstellten.

Nach 2010 und 2015 ermittelte das Economica-Institut für Wirtschaftsforschung nun zum dritten Mal die ökonomischen Effekte der niederösterreichischen Technopole. Die Zahlen sprechen für sich: 10.745 Arbeitsplätze oder 1,3 Prozent der in Niederösterreich Beschäftigten  stehen mit den Technopolen direkt oder indirekt in Verbindung. 1,5 Prozent der Bruttowertschöpfung des Bundeslands Niederösterreich ist auf die Technopole rückführbar. Dieser Effekt liegt in der Größenordnung der Wertschöpfung einer Branche wie der Energieversorgung. Die Anzahl der Unternehmensgründungen und der Anteil der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung liegen in Technopol-Bezirken deutlich über vergleichbaren anderen Bezirken. Zwischen 2008 und 2016 wurden mehr als 6.000 Arbeitsplätze in den Technopolbezirken geschaffen, das entspricht 28 Prozent der in diesem Zeitraum insgesamt im Bundesland entstandenen Jobs.

 

Erber AG und Technopol Tulln - eine langjährige Erfolgspartnerschaft

Eva Maria Binder, im Vorstand der Erber AG für Forschung, Entwicklung und Innovation verantwortlich, konnte von den Früchten des Technopol-Programms aus eigener Erfahrung berichten. Das Unternehmen ist bereits seit 1995 am Standort Tulln vertreten, seit 2005 hat man das globale F&E-Headquarters am Technopol angesiedelt.  Und das habe seine Grund: Die Investitionen erfolgten nicht mit der Gießkanne, sondern themenspezifisch, sodass eine echte Schwerpunktbildung möglich werde: 170 Menschen beschäftigten sich am Technopol Tulln mit Mykotoxinen – einem Gebiet, auf dem auch die Erber AG federführend tätig ist. Der Campus-Charakter des Technopols mache die Zusammenarbeit leicht. Und auch für die zukünftige Entwicklung sei gesorgt: Die Initiative, den Bereich Bioinformatik am Technopol Tulln zu stärken, treffe sich sehr gut mit Entwicklungsschritten, die auch Erber in diese Richtung gesetzt habe.

 

July 24th

„Unsicherheit“ in der Industrie

Laut der Konjunkturprognose der Industriellenvereinigung hat sich die Lage stabilisiert. Die Aussichten sind eher „getrübt“, eine Rezession ist aber nicht zu befürchten.

 

„Wir spüren die Bürden der wirtschaftspolitischen Unsicherheit“, konstatierte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV). Christoph Neumayer, am 24. Juli bei der Präsentation der aktuellen Konjunkturprognose seines Hauses. Zu dieser Unsicherheit gehörten die Handelskonflikte zwischen den USA und China ebenso wie die jüngsten Spannungen im Persischen Golf, der Brexit, die nach wie vor bestehenden Sanktionen der EU gegenüber der Russländischen Föderation und der Rückgang des türkischen BIP. Hinzu komme, dass die derzeitige österreichische Bundesregierung „naturgemäß keine mittelfristig wirksamen Handlungen setzen kann“. In dieser Situation sollten die Parlamentsabgeordneten „keine wirtschaftlich kontraproduktiven und in negativer Weise budgetrelevanten Maßnahmen setzen“, empfahl Neumayer. Immer noch stehe Österreich im Vergleich zu Deutschland gut da. Die Geschäftslage sei stabil. Allerdings hätten sich die Erwartungen der Unternehmer verschlechtert. Ferner hänge das „Damoklesschwert von Basel IV“ insbesondere über den kleineren und mittelgroßen österreichischen Banken. Kämen die Regelungen wie geplant, würden manche der Geldinstitute ihre Beteiligungen an Unternehmen aufgeben. Dies sollte laut Neumayer im Sinne einer soliden Eigentümerstruktur besser nicht erfolgen. Die Bundesregierung müsse daher gegen Basel IV auftreten.

 

Zur derzeitigen Wirtschaftslage und den Perspektiven sagte IV-Chefökonom Christian Helmenstein, eine Rezession sei weder heuer noch 2020 zu erwarten, und das trotz des schwierigen Umfelds. Österreich habe nicht zuletzt den Vorteil, vom Ölpreis konjunkturell weitgehend unabhängig zu sein: „Selbst eine Sperre der Straße von Hormuz würde uns nicht in die die Krise treiben.“ Wesentlich dramatischer wären US-amerikanische Importeinschränkungen für europäische Autos, warnte Helmenstein.

 

Wie er ergänzte, hat sich die Geschäftslage zwar stabilisiert. Die Erwartungen sind aber getrübt: „Wir halten daher eine Beschleunigung der Konjunktur im dritten bzw. vierten Quartal für unwahrscheinlich.“ Erst im ersten Quartal 2020 sei eine solche Entwicklung zu erwarten, „allerdings auch nur, wenn es nicht zu einem Hard Brexit kommt“. Zurzeit arbeiteten die Unternehmen bestehende Aufträge ab. Sie wollten damit das Risiko vermeiden, dass diese storniert würden oder aus sonstigen Gründen keine Erträge mehr brächten. Daher zeige sich derzeit eine geringe Produktionsausweitung.

 

Vom Chemiereport auf kürzlich ergangene Vorschläge zu einem jährlichen Abbau der Bürokratie um zehn Prozent angesprochen, sagte Neumayer, Einzelmaßnahmen seien schwerlich zielführend: „Notwendig ist ein Gesamtkonzept.“ Das gelte auch für andere wirtschaftlich relevante Themen, etwa die Klimapolitik. Daher könne die IV dem Wunsch der Ökostromproduzenten nichts abgewinnen, Förderungen vorzuziehen. Für gerade auch im Sinne der Wirtschaft empfehlenswert hält Neumayer dagegen die ausreichende Personalausstattung des Rechtswesens. So unterstütze die IV etwa die Forderung Justizminister Clemens Jabloners nach zusätzlichem Personal für das Bundesverwaltungsgericht (BVWG). Das Gericht sei ja unter anderem als 2. Instanz in Verfahren nach dem Standortentwicklungsgesetz zuständig, ebenso aber bei Entscheidungen darüber, ob Asylwerbern der Zugang zum Arbeitsmarkt zu gewähren sei.

 

July 23rd

Sanofi will Tamilflu OTC verkaufen

Der französische Pharmakonzern hat mit dem Hersteller Roche vereinbart, in den USA Verhandlungen über den rezeptfreien Verkauf des Grippemittels zu führen.

 

Sanofi möchte das bisher rezeptpflichtige Grippemittel Tamilflu von Roche in den USA künftig rezeptfrei („over the counter“, OTC) verkaufen. Die beiden Pharmakonzerne einigten sich darauf, dass Sanofi diesbezüglich Verhandlungen mit der US-amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA führen wird. Der französische Pharmakonzern hat zugesagt, alle notwendigen Studien zu finanzieren, um die FDA zur Zustimmung zu dem „Switch“ von Tamilflu vom rezeptpflichtigen in den rezeptfreien Bereich zu bewegen.

 

Alain Main, der zuständige Vizepräsident von Sanofi, sagte, die USA seien der weltgrößte Markt für nicht rezeptpflichtige Medikamente. Gelinge es, Tamilflu rezeptfrei zu verkaufen, könnten Patienten rascher und einfacher Zugriff auf das Mittel bekommen. Und gerade das sei notwendig, um die Ausbreitung der Grippe zu verhindern. In den USA erkranken laut Main jährlich etwa 31 Millionen Menschen an Grippe. Das entspricht knapp zehn Prozent der Bevölkerung von rund 326 Millionen Personen. Etwa sieben Millionen US-Amerikaner werden mit Produkten wie Tamilflu behandelt.

 

Außerhalb der USA wird Roche Tamilflu weiterhin selbst verkaufen. Sanofi hat das Recht, mit den Behörden nicht genannter ausgewählter Märkte über einen „Switch“ von Tamilflu in den OTC-Bereich zu verhandeln.

 

 

 

 

July 17th

Pharmaindustrie: „Wesentlicher Beitrag“ zur EU-Wirtschaftskraft

Mit 206 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung pro Jahr erwirtschaftet die Pharmabranche rund 1,4 Prozent des gesamten BIP der Europäischen Union, zeigt eine kurze Studie im Auftrag der EFPIA.

 

Rund 206 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung erzielt die europäische Pharmaindustrie jedes Jahr. Das entspricht rund 1,4 Prozent des BIP der EU. Ferner sind in der Branche etwa 2,5 Millionen Personen bzw. 0,9 Prozent aller Beschäftigten tätig. Das behauptet zumindest das Beratungsunternehmen PriceWaterhouseCoopers (PwC) in der 24 Seiten umfassenden Studie „Economic and societal footprint of the pharmaceutical industry in Europe“, die es im Auftrag des Branchenverbandes EFPIA durchführte. „Die Pharmaindustrie trägt wesentlich zur Wirtschaftskraft der Europäischen Union bei“, resümieren die Berater und fügen hinzu: Jeder in der Pharmabranche Tätige erwirtschafte eine Bruttowertschöpfung von etwa 156.000 Euro pro Jahr. Dieser Wert liege erheblich über dem regionalen Durchschnitt von 59.000 Euro und deutlich über den 85.000 Euro, die in der Automobilindustrie anfallen.

 

Als hilfreich erweise sich manche regulatorische Vorgabe, etwa die Orphan Regulation vom Dezember 1999. Sie gewährt „Orphan Drugs“, also Medikamenten gegen sogenannte „seltene Erkrankungen“, für zehn Jahre nach dem Markteintritt einen speziellen Schutz. Und das habe sich bewährt: Seien vor dem Jahr 2000 gerade einmal acht Orphan Drugs auf dem europäischen Binnenmarkt verfügbar gewesen, liege die Anzahl nunmehr bei 164. Rund 40 Prozent der Heilmittel betreffen laut PwC seltene Krebserkrankungen.

 

Die Innovationskraft der Pharmaunternehmen wiederum zeigt sich laut PwC keineswegs zuletzt bei der Bekämpfung von Brustkrebs. Vor dem Jahr 2005 lag die Lebenserwartung bei metastasierenden Formen dieser Erkrankung zwischen sechs und 20 Monaten. In den Jahren 2007 bis 2017 habe nunmehr rund eine halbe Million Patientinnen eine bessere Therapie erhalten: „Damit wurden nahezu 1,2 Millionen gesunde Lebensjahre (QALYs) gewonnen.“ Und die damit erzielte zusätzliche jährliche Wertschöpfung könne sich ebenfalls sehen lassen: Sie liege bei immerhin 9.700 Euro pro Patientin oder insgesamt rund 5,3 Milliarden Euro. Den Schätzungen von PwC zufolge entspricht das etwa 3,5 Prozent der Gesamtkosten aller Brustkrebsbehandlungen in der Europäischen Union.

 

Als zentral für die gedeihliche Entwicklung der Branche erachtet PwC die Rechtssicherheit bezüglich des intellektuellen Eigentums (Intellectual Property, IP). Mehr als 80 Prozent der für die Studie befragten Unternehmensvertreter hätten angegeben, ihr derzeitiges Investitionsniveau zu erhöhen oder wenigstens beizubehalten. Und gerade die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie Vermarktung profitierten von diesem Trend.

 

Strategische Bedeutung

 

Zufrieden mit der Studie zeigte sich EFPIA-Generaldirektorin Nathalie Moll. Einmal mehr zeige sich darin die zwiefache Rolle der (forschenden) Pharmaindustrie als wirtschaftliche Triebkraft und als Auslöser positiver Entwicklungen im Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens. Die Branche habe somit „strategische Bedeutung“ für die Europäische Union. Also sei die Politik gut beraten, ihr ein attraktives Umfeld zu schaffen, indem sie Innovation fördere, ein berechenbares regulatorisches Umfeld sicherstelle und Anreize biete.

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