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July 11th, 2019
EU-Kommission erlaubt GSK-Pfizer-Deal
11.07.19
von
Klaus Fischer
Der britische Konzern darf die Consumer-Health-Sparte des US-Konkurrenten übernehmen, allerdings unter Auflagen.
Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) darf den Geschäftsbereich für rezeptfreie Medikamente („Consumer Health“) vom US-amerikanischen Konkurrenten Pfizer übernehmen. Allerdings muss Pfizer zuvor seine ThermaCare-Sparte verkaufen, die sich mit Schmerzmitteln zur äußerlichen Anwendung befasst. Das meldete die EU-Kommission in einer Aussendung.
Wie es darin hieß, erzeugen beide Konzerne verschiedene Kategorien an rezeptfreien Medikamenten, darunter Cremes, Gelees, Sprays und Pflaster zur lokalen Schmerzbehandlung, Mittel zur oralen Einnahme, Grippe- und Erkältungsmittel, Ernährungs- und Verdauungsprodukte wie Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel, aber auch Beruhigungs- und Schlafmittel. Würde GSK den entsprechenden Pfizer-Geschäftsbereich ohne Auflagen übernehmen, könnte das vor allem bei Schmerzmitteln zur äußerlichen Anwendung den Wettbewerb einschränken und zu Preiserhöhungen führen, befürchtet die EU-Kommssion. Betroffen wären ihr zufolge nicht zuletzt Österreich, Deutschland‚ Irland, Italien und die Niederlande.
Mit dem Abstoßen der ThermaCare-Sparte sind diese Bedenken laut Mitteilung der Kommission hinfällig. Die betroffenen Vermögenswerte sind „als Paket an einen einzigen geeigneten Käufer“ abzugeben, wobei diese Transaktion einer gesonderten Genehmigung der EU-Kommission bedarf. Zu veräußern hat Pfizer „insbesondere einen US-Produktionsstandort, der ausschließlich für die Herstellung von ThermaCare-Produkten genutzt wird‚ alle Rechte des geistigen Eigentums im Zusammenhang mit ThermaCare-Produkten und der Marke sowie sämtliche in der Entwicklung befindlichen Produkte“.
Die beiden Konzerne hatten ihren geplanten Deal am 17. Mai bei der EU-Kommission zur Genehmigung eingereicht. GSK verdient mit nicht rezeptpflichtigen Medikamenten jährlich rund 7,7 Milliarden Pfund (8,58 Milliarden Euro). Der Jahresumsatz von Pfizer in diesem Bereich liegt bei 3,4 Milliarden US-Dollar (3,02 Milliarden Euro). Pfizer meldete im Oktober 2017, nach „Alternativen“ für seine „Consumer Health“-Sparte zu suchen. Im Branchenjargon bezeichnen derartige Formulierungen üblicherweise Verkaufsabsichten.
July 10th
CEFIC: Ergebnisse gut, Aussichten mäßig
10.07.19
von
Klaus Fischer
Der Umsatz der europäischen Chemiebranche lag im ersten Quartal um rund 0,9 Prozent über dem Vorjahres-Vergleichswert. Sorgen macht den Managern indessen der zunehmende Protektionismus.
Europaweit liefen die Geschäfte der Chemieindustrie im ersten Quartal 2019 durchaus zufriedenstellend. Das meldet der Branchenverband CEFIC, der in seinem neuen Chemical Trends Report von einer guten Entwicklung spricht. Der Umsatz lag bei 144,6 Milliarden Euro, um 0,9 Prozent mehr als im ersten Quartal 2018. Als Grund nennt das CEFIC den Anstieg der Erzeugerpreise. Mit 1,4 Prozent im Plus lagen auch die Exporte in Drittstaaten, die sich auf rund 41,4 Milliarden Euro beliefen. Um 6,8 Prozent gesunken sind allerdings die Ausfuhren in die USA. Sie machten rund 8,2 Milliarden Euro aus. Im ersten Quartal 2018 waren es noch 8,8 Milliarden Euro gewesen. Im Gegenzug erhöhten sich die Exporte nach China um 9,1 Prozent, allerdings auf erheblich niedrigerem Niveau: In absoluten Zahlen betrugen sie etwa 329 Millionen Euro. Insgesamt waren vor allem beim Export von petrochemischen Erzeugnissen und Haushaltschemikalien Zuwächse zu verzeichnen.
Zugenommen haben auch die Importe in die EU, nämlich um 5,7 Prozent auf 30,1 Milliarden Euro. Somit ergibt sich ein Exportüberschuss von 11,3 Milliarden Euro, verglichen mit 12,4 Millarden im ersten Quartal 2018. Um rund 42 Prozent verringert hat sich der Ausfuhrüberschuss gegenüber den USA, der sich nur mehr auf 1,8 Milliarden Euro belief. Im ersten Vorjahresquartal hatte er noch rund drei Milliarden Euro betragen. Auf dem EU-Binnenmarkt für Chemikalien war ein Verbrauchszuwachs um 1,8 Prozent auf 133,3 Milliarden Euro zu verzeichnen. Der Branchenumsatz stieg um 0,6 Prozent auf 103,2 Milliarden Euro.
Trotz dieser Resultate warnt das CEFIC: Laut dem EU Business and Consumer Survey vom Juni hat das Vertrauen in die weitere wirtschaftliche Entwicklung stark abgenommen. Vor allem die Manager sind pessimistisch, was die Produktion, den Auftragseingang und die Lagerstände betrifft. Als Grund für die Sorgen wird insbesondere der zunehmende Protektionismus genannt.
July 9th
BASF mit schlechten Aussichten
09.07.19
von
Klaus Fischer
Im zweiten Quartal 2019 erzielte der deutsche Chemiekonzern ein EBIT von 500 Millionen Euro, um 71 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2018. Das wirkt sich auch auf das Gesamtjahr aus.
Wegen der schlechten Ergebnisse im zweiten Quartal 2019 ändert der deutsche Chemiekonzern BASF seine Prognose für das Gesamtjahr. Beim EBIT vor Sondereinflüssen wird ein massiver Rückgang um etwa 30 Prozent auf rund 4,45 Milliarden Euro erwartet. Bis dato war der Konzern von einem Plus von bis zu zehn Prozent ausgegangen. Der Umsatz soll „leicht“ zurückgehen statt, wie bisher prognostiziert, um ein bis fünf Prozent steigen. Zum Vergleich: Den Jahresumsatz 2018 bezifferte BASF mit 62,67 Milliarden Euro.
Im zweiten Quartal 2019 lag der Umsatz des Konzerns bei rund 15,2 Milliarden Euro. Er war damit um etwa vier Prozent niedriger als im Vergleichszeitraum des Jahres 2018. Das EBIT brach um 71 Prozent ein und belief sich auf rund 500 Millionen Euro. Begründet wurde dies mit den „signifikant gesunkenen Ergebnissen der Segmente Materials, Chemicals und Agricultural Solutions“ und „Einmalkosten für das Exzellenzprogramm sowie der außerplanmäßigen Abschreibung einer erdgasbasierten Investition an der US-Golfküste, die BASF nicht weiterverfolgt“. Aufs Geschäft drückten laut einer Aussendung die Wachstumsrückgänge im Automobilsektor, der weltweit um sechs Prozent schrumpfte, sowie die „schwache Entwicklung des Agrarsektors in Nordamerika“. Da dort das Wetter der Landwirtschaft teilweise nicht eben förderlich war, wurden weniger Feldfrüchte angebaut und somit weniger Pflanzenschutzmittel benötigt.
Die Halbjahreszahlen wird BASF am 25. Juli veröffentlichen.
July 5th
VTU übernimmt Anlagenplaner RED Engineering
Die VTU-Gruppe übernimmt das Linzer Planungsunternehmen RED Engineering, das das nunmehrige Schwesterunternehmen VTU Engineering bei Großaufträgen der Pharmaindustrie unterstützen wird.
Schon bisher hat RED Engineering als Partner von VTU in Großprojekten fungiert und Kompetenzen in Anlagenkonzeption, 3D-Planung, Detail Engineering und Montagekoordination eingebracht. Das Unternehmen, das 36 Mitarbeiter an Standorten in Linz, Deggendorf und Bratislava beschäftigt, wird innerhalb der VTU-Gruppe weiter eigenständig unter der bisherigen Geschäftsführung agieren. Robert Schwarz, Geschäftsführer der VTU Group, und Klaus Steinberger, Geschäftsführer von RED Engineering, betonten in einer gemeinsamen Aussendung, dass insbesondere die Integration aller Gewerke in eine digitalisierte Projektumgebung (Stichwort „Digital Twin“) gemeinsam besser erfüllt werden könne.
Krach um Arzneimittelversorgung
05.07.19
von
Klaus Fischer
Ob zuletzt thematisierte Engpässe bei der Verfügbarkeit einzelner Medikamente „hausgemacht“ sind oder nicht, ist umstritten.
Grantig reagiert das Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI) auf Äußerungen von Apothekerkammerpräsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr. Sie behauptete im Zusammenhang mit den Debatten über die Nichtverfügbarkeit von Arzneimitteln in einer Tageszeitung, in Europa würden kaum noch Arzneimittel erzeugt. Nötig sei eine „europäische Initiative“, um sicherzustellen, dass auch weiterhin pharmazeutische Forschung und Entwicklung stattfinde. Dies brachte FOPI-Präsident Ingo Raimon und seine Klientel auf die Palme. Per Aussendung ließ Raimon wissen, die forschende Pharmaindustrie „beschäftigt 642.000 Mitarbeiter in Europa und generiert eine Wertschöpfung in Höhe von 206 Milliarden Euro in der EU“. Der jährliche Exportüberschuss der Pharmaunternehmen liege bei „über 70 Milliarden Euro“. Von mangelnder Produktion könne somit keine Rede sein. Um eventuelle Probleme zu lösen, sollten alle Beteiligten zusammenarbeiten, „etwa in der gemeinsamen Taskforce unter Ägide des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG)“.
Ähnlich argumentierte der Generalsekretär des Pharmaindustrieverbands Pharmig, Alexander Herzog. Von insgesamt rund 13.000 in Österreich zugelassenen Medikamenten seien „über 99 Prozent lieferbar. Freilich wollen wir eine vollständige Lieferfähigkeit. Wir haben hier aber kein österreichspezifisches Problem, sondern ein weltweites, das noch dazu viele Ursachen hat. Daher arbeiten wir gemeinsam mit allen Beteiligten der Lieferkette intensiv und mit Hochdruck an Lösungen, um die Versorgung für die Patienten möglichst reibungslos zu gestalten“. Als Gründe für allenfalls auftretende Lieferschwierigkeiten nannte Herzog unter anderem „Rohstoffknappheit, Qualitätsprobleme bei der Herstellung oder im Vertrieb, unerwarteten Mehrbedarf oder auch Warenabflüsse ins Ausland“. Und allzu dramatisch sei die Angelegenheit auch wieder nicht: „Wenn im Einzelfall tatsächlich ein Medikament nicht verfügbar ist, dann lässt sich in der Regel gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin ein alternatives Präparat finden.“
Unterdessen stellte der NEOS-Nationalratsabgeordnete Gerald Loacker eine Anfrage an Gesundheitsministerin Brigitte Zarfl. Er will wissen, ob die zuletzt thematisierten Engpässe - unter anderem bei dem Präparat Imurek gegen Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen - möglicherweise „selbstgemacht“ sind. Einmal mehr kritisiert Loacker in diesem Zusammenhang den Hauptverband der Sozialversicherungen (HV) und die Krankenkassen. Wörtlich heißt es in seiner Anfrage: „Es ist bekannt, dass die Sozialversicherung (indirekt unterstützt vom Gesundheitsministerium) in den letzten Jahren außergewöhnlich harte Preisverhandlungen mit den Pharmaunternehmen geführt hat. Dabei wurde offensichtlich nur auf den Preis fokussiert, ohne Arzneimittel-Liefergarantien zu verhandeln. Es stellt sich also nicht nur die Frage, wie viele Arzneimittel-Engpässe es in den letzten Jahren gegeben hat, sondern auch, wie sehr diese Engpässe selbstgemacht sind.“
July 4th
VCI: Umsatz sinkt um vier Prozent
04.07.19
von
Klaus Fischer
Der deutsche Chemie- und Pharmaverband klagte bei der Präsentation der Halbjahresbilanz über „schwierige globale Rahmenbedingungen und Belastungen“.
Der Umsatz der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie lag im ersten Halbjahr 2019 bei knapp 96 Milliarden Euro. Er war damit um vier Prozent niedriger als im ersten Halbjahr 2018, hieß es bei der Bilanzpressekonferenz des Branchenverbandes VCI. Diesem zufolge ging auch die Produktion zurück: Sie verringerte sich um 6,5 Prozent. Laut VCI-Präsident Hans Van Bylen konnte die Chemie- und Pharmaindustrie somit „in den ersten sechs Monaten 2019 nicht an das hohe Niveau des Vorjahres anknüpfen. Das lag vor allem an den schwierigen globalen Rahmenbedingungen und Belastungen“. Er verwies auf die weltweite Konjunkturabschwächung sowie die schwelenden Handelskonflikte, aber auch die andauernden Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem EU-Austritt Großbritanniens. Alle diese Faktoren hätten der deutschen Industrie insgesamt geschadet und auch die Chemie- und Pharmabranche betroffen.
So lag die Produktion von Spezialchemikalien um vier Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Bei Polymeren war eine Verminderung um sieben Prozent zu verzeichnen. Die Produktion von Seifen sowie Wasch- und Reinigungsmitteln wiederum ging um 4,5 Prozent zurück. Laut Van Bylen ist der Ausblick für das Gesamtjahr getrübt. Der VCI-Präsident rechnet mit einem Rückgang des Umsatzes um etwa drei Prozent auf etwa 197 Milliarden Euro und der Produktion um rund vier Prozent.
Nicht zuletzt angesichts dessen warnte Van Bylen vor neuen Belastungen der Industrie. Solche drohen ihm zufolge unter anderem durch geplante Verschärfungen der Klimapolitik. Überlegt wird etwa eine Einbeziehung der Sektoren Gebäude und Verkehr in den europäischen Emissionshandel (ETS) sowie die Einführung eines CO2-Preises in der EU. Laut Van Bylen würde dies „aber die Wettbewerbsfähigkeit für deutsche Unternehmen noch stärker belasten. Die Verlagerung an „günstigere“ Standorte würde damit attraktiver – mit allen Konsequenzen für Investitionen und Arbeitsplätze in Deutschland“. Er plädierte statt dessen dafür, „auf der Ebene der G20 einen gemeinsamen CO2-Preis zu vereinbaren, würde das deutliche Auswirkungen auf den Klimaschutz zeigen und zugleich die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten“. Die G20 insgesamt repräsentieren rund 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Dass sie sich auf eine Maßnahme wie einen gemeinsamen CO2-Preis einigen, ist allerdings auszuschließen. Die USA hatten sich beim Gipfel in Osaka heftig dagegen gewehrt, das Thema Klimapolitik überhaupt in die Abschlusserklärung aufzunehmen.
July 3rd
Nationalrat beschließt Glyphosatverbot
03.07.19
von
Klaus Fischer
Die SPÖ hält diesen Schritt für notwendig im Sinne des Schutzes von Gesundheit und Umwelt. Die ÖVP dagegen spricht von einer Einschränkung der Entscheidungsfreiheit der Landwirte.
Mit den Stimmen von SPÖ, FPÖ, NEOS und JETZT beschloss der Nationalrat am 2. Juli das vollständige Verbot der Anwendung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat in Österreich. Dies erfolgte durch eine entsprechende Änderung des Pflanzenschutzmittelgesetzes. Um Rechtskraft zu erlangen, muss diese seitens der EU-Kommission genehmigt werden. Sollte die Kommission die Regelung zurückweisen, wäre ein neuerlicher, abgeänderter, Beschluss des Nationalrates notwendig.
In ihrem Antrag berief sich die SPÖ auf die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Glyphosat im März 2015 als „wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen“ einstufte. Überdies konstatierten die Sozialdemokraten, die Europäische Chemikalienagentur ECHA habe das Mittel als „augenreizend und giftig für Wasserorganismen mit langfristigen Auswirkungen“ eingestuft. Es stelle „somit jedenfalls eine Gefahr für die Umwelt dar. Der Expertenstreit über die mögliche krebserregende Wirkung von Glyphosat dauert an. Die starken Zweifel an der Ungefährlichkeit des Wirkstoffes für den Menschen konnten bisher nicht ausgeräumt werden“. Der Tiroler Nationalratsabgeordnete Max Unterrainer sieht in dem Beschluss eine „Stärkung der Biolandwirtschaft“. Agrarsprecher Erwin Preiner zufolge ist die SPÖ „dem Vorsorgeprinzip verpflichtet. Glyphosat ist eine Gefahr für Mensch und Tier“.
Karin Doppelbauer von den (NEOS) sprach unter Hinweis auf den möglichen Widerspruch des Verbots zum EU-Recht von einer „Bauchwehentscheidung“. Auch dürfe die neue Bestimmung nicht zu Wettbewerbsnachteilen für die österreichische Landwirtschaft führen.
Sahra Wiener, Abgeordnete der Grünen zum EU-Parlament, zeigte sich „begeistert“ von dem Verbot. Ihr zufolge betonte die EU-Kommission nach dem Beschluss der Zulassungsverlängerung für Glyphosat im Jahr 2017, „dass die Mitgliedsstaaten nationale Verbote beschließen können, das haben wir schwarz auf weiß. Falls es da Probleme gibt, werden wir EU-Abgeordneten alles in Bewegung setzen, damit die Kommission ihrem Versprechen nachkommt“.
Die ÖVP lehnte das generelle Verbot der Anwendung von Glyphosat als europarechtswidrig ab. Sie beantragte statt dessen Einschränkungen, die über die bisher geltenden hinausgehen. Verboten sein sollte ihr zufolge die Nutzung des Mittels „in öffentlichen Parks oder Gärten, Friedhöfen, Sport- und Freizeitplätzen, Schwimmbädern, Schulgeländen oder auf Kinderspielplätzen oder in unmittelbarer Nähe von Gesundheitseinrichtungen oder zur Anwendung durch den nicht beruflichen Verwender fur den Haus- und Kleingartenbereich“. Landwirte sollten Glyphosat dagegen weiter verwenden dürfen.
Johannes Schmuckenschlager, VP-Nationalratsabrgeordneter und Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Niederösterreich, kritisierte, das Verbot „führt zur Einschränkung der Entscheidungsfreiheit der österreichischen Bauern in ihrer täglichen Arbeit und zu einer immensen Benachteiligung der heimischen Produktion. Schließlich wird auch die Versorgung der Konsumenten mit heimischen Lebensmitteln gefährdet. Dieser Beschluss entbehrt jeglicher fachlichen und sachlichen Grundlage“. Er verwies auf die am 1. Juli veröffentlichte „Nationale Machbarkeitsstudie zum Glyphosatausstieg“ der AGES und der Universität für Bodenkultur. Dieser zufolge ist ein vollständiges Verbot von Glyphosat nicht mit dem EU-Recht vereinbar.
Heftige Kritik kam auch von der von der Industriegruppe Pflanzenschutz (IPG). Sie sprach vom „freien Spiel der Unvernunft“ und von „Populismus auf dem Rücken der heimischen Landwirte“. Etwa 3.300 Studien mit insgesamt 90.000 Seiten hätten bewiesen, dass Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung keine Gefahr für Gesundheit und Umwelt darstelle. Ferner erhöhe das Mittel die Ernteerträge je Hektar um 30 bis 60 Prozent. Dürfe es nicht mehr eingesetzt werden, seien die Anbauflächen zwangsläufig zu erweitern: „Das ist aus Sicht der IGP nicht nachhaltig.“
July 2nd
Lackindustrie: Teure Rohstoffe, kostbare Fachkräfte
Die österreichische Lackindustrie hat mit einem schwierigen Rohstoffmarkt zu kämpfen und setzt sich für eine Profilierung der Ausbildung auf verschiedenen Ebenen ein.
Der Umsatz der heimischen Lack- und Anstrichmittelbetriebe hat sich 2018 mit einem Plus von rund zwei Prozent auf ca. 454 Millionen Euro nur mäßig entwickelt. Nach einem vielversprechenden ersten Halbjahr habe sich die Entwicklung nach dem Sommer viel schwächer fortgesetzt, wie Hubert Culik, Obmann der Berufsgruppe und CEO von Kansai Helios Coatings, im Rahmen einer Pressekonferenz mitteilte. Zu schaffen gemacht haben der Branchen vor allem Rohstoffpreise und -verfügbarkeit. Gerade in der starkem Druck ausgesetzten Automobilbranche konnte man Preiserhöhungen nicht an die Kunden weitergeben, wie Culiks Stellvertreter Ernst Gruber, Geschäftsführer von Axalta Coating Systems Austria, ergänzte.
Zu Wehr setzen sich die Industrievertreter derzeit gegen eine Reihe angekündigter regulatorischer Maßnahmen. So drohen laut Andrea Berghofer, stellvertretende Obfrau der Berufsgruppe und Geschäftsführerin der Adler-Werk Lackfabrik, ausgeweitete Biozid-Beschränkungen die Produktion von Wasserlacken zu gefährden. Besonders schwerwiegend wäre auch die von Frankreich geforderte Einstufung des wichtigen Weißpigments Titandioxid als „krebserregend Kategorie 2“ (Verdacht auf karzinogene Wirkung beim Menschen). Zahlreiche Experten halten diese Einstufung für nicht nachvollziehbar, da die Tierversuche, auf denen diese beruht, bereits in den 1980er-Jahren und mit lungengängigen Stäuben durchgeführt wurden, deren onkologische Bedrohung unabhängig vom jeweiligen Stoff ist. Bei der Anwendung eines Titandioxid enthaltenden Beschichtungs-, Sonnenschutz- oder Lebensmittels ist dagegen keine Exposition gegenüber Stäuben zu erwarten. Noch ist im Europäischen Rat keine Einigung auf eine solche Einstufung erzielt worden, Österreich hat sich der Stimme enthalten.
Akademischer Lehrgang „Surface Technology“ ab Sommer 2020 in Krems
Selbst in die Hand genommen hat die Lackindustrie unterdessen die Verbesserung der Ausbildungssituation für dringend benötigte Fachkräfte. Derzeit sei man in Verhandlung mit den Bundesländern, das neu geschaffene Modul des Lack- und Anstrichmitteltechnikers im Rahmen des Lehrberufs Labortechnik zentral an der Berufsschule St. Pölten abzuhalten.
In Bezug auf den Vertiefungsschwerpunkt „Surface Technology“ im Rahmen des Bachelor-Studiums „Applied Chemistry“ an der IMC FH Krems wollte man nun nicht länger auf eine handlungsfähige Regierung warten, sondern hat bereits für den Sommer 2020 einen außercurricular angebotenen akademischen Lehrgang zu oberflächenchemischen Themen konzipiert. Geplant sind 140 Lehreinheiten zu je 45 Minuten, was einem Ausbildungsumfang von zehn Semesterwochenstunden oder 13 ECTS-Punkten entspricht. Der Lehrgang ist auf 24 Teilnehmer beschränkt, steht aber nicht nur Studenten des Bachelor-Studiums sondern auch Externen mit entsprechender Qualifikation zur Verfügung. Die Firma Adler-Werk engagiert sich auf ähnlichem Gebiet in Westösterreich und finanziert eine Stiftungsprofessur für Chemieingenieurwesen und Materialprozesstechnik an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.
July 1st
Amgen Österreich: Lindgren führt Geschäfte
01.07.19
von
Klaus Fischer
Mit dem Wechsel Martin Muntes in die Schweiz werden auch beim Pharmaverband Pharmig Änderungen fällig.
Der gebürtige Finne Lauri Lindgren übernahm per 1. Juli die Geschäftsführung von Amgen Österreich. Er folgte Martin Munte, der nun in der Europazentrale des US-amerikanischen Biotechnologiekonzerns tätig ist. Diese befindet sich in Rotkreuz in der Schweiz, etwa 25 Kilometer südwestlich von Zürich. Lindgren arbeitet seit 2009 bei Amgen. Unter anderem war er interimistischer Geschäftsführer des Unternehmens in Finnland und Strategic Planning and Operations Director in der Europazentrale von Amgen. Bis 1. Juli führte er die Geschäfte von Amgen in Schweden und war Vorstandsmitglied des schwedischen Pharmaindustrieverbands.
Mit dem Wechsel kommen auch auf den österreichischen Pharmaverband Pharmig Veränderungen zu. Munte ist derzeit dessen Präsident und wurde erst bei der Generalversammlung am 26. April für eine zweite Funktionsperiode gewählt. Nun muss eine außerordentliche Generalversammlung im September über seine Nachfolge entscheiden. In einem Zuge werden das gesamte Präsidium und der Vorstand neu gewählt. Auf Anfrage des Chemiereports hieß es, bei der Wahl Muntes im April sei dessen Wechsel nach Rotkreuz bereits bekannt gewesen. Aus statutarischen Gründen habe es allerdings keine Möglichkeit mehr gegeben, bereits zu diesem Zeitpunkt einen Nachfolger zu bestimmen.
June 25th
CEFIC: Aufruf zur Zusammenarbeit
25.06.19
von
Klaus Fischer
In einem 64-Seiten-Papier formulierte der europäische Chemieindustrieverband seine Visionen für die künftige Entwicklung der Branche.
Seine Vision für die Chemieindustrie der Zukunft veröffentlichte der europäische Branchenverband CEFIC. In einem 64 Seiten langen Papier mit dem Titel „Molecule Managers“ konstatiert der Verband, die „Chemielandschaft“ des Jahres 2050 werde sich erheblich von der heutigen unterscheiden. Die Europäische Union könne bei den erforderlichen Veränderungen eine führende Rolle spielen und Nachhaltigkeitsstandards mit fairem Wettbewerb auf der ganzen Welt verbinden. Notwendig dafür sind laut CEFIC acht Maßnahmen, die der Verband in ebensovielen „Aufrufen“ zum Handeln zusammenfasst.
Erstens müsse die EU die Chemiewirtschaft nutzen, um sich selbst ökonomisch wie auch diplomatisch zu stärken. Dies läuft darauf hinaus, verstärkt zu zeigen, wie die Branche zum wirtschaftlichen Wohlstand beiträgt, ebenso aber zum Erreichen der Entwicklungs(hilfe)-Ziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs). Um diesbezügliche Fortschritte zu messen, bedürfe es Indikatoren, die breiter ausgerichtet sind als das Bruttosozialprodukt (GDP).
Zweitens fordert die CEFIC seitens der Politik, Innovationen im Sinne nachhaltiger Lösungen zu unterstützen. Dabei geht es insbesondere um Technologien für eine weitgehend klimaneutrale Kreislaufwirtschaft mit umfassendem Recycling.
Drittens verlangt der Verband das Eintreten für „marktbasierte Rahmenbedingungen“. Dies wird mit der Formulierung auf den Punkt gebracht, die Chemieindustrie sei „der Katalysator der Kreislaufwirtschaft“.
Viertens soll Europa, genauer, die EU, zum „Weltführer in der Kreislaufwirtschaft“ werden. Zu diesem Zweck werde die Chemiebranche in Recyclingtechnologien investieren, nicht zuletzt im Kunststoffsektor.
Fünftens fordert die CEFIC globale Standards für eine klimaneutrale Wirtschaft. Unter anderem läuft dies auf eine EU-interne CO2-Bilanzierung hinaus, wobei die Industrie aktiv für eine Bepreisung sämtlicher Treibhausgase eintreten soll.
Sechstens fordert die CEFIC seitens der europäischen Politik, ihre Forschungsprogramme verstärkt auf technologische Innovationen auszurichten. In diesem Zusammenhang soll auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit solcher Innovationen verstärkt werden. Ein Teil dieser Forderung ist weiters, den Import von Chemikalien aus Drittstaaten zu unterbinden, die weniger strenge chemikalienrechtliche Regeln aufweisen als die EU.
Siebtens bekennt sich die CEFIC zur Digitalisierung der Chemiebranche und zur „4. Industriellen Revolution“, die insbesondere durch künstliche Intelligenz vorangetrieben werden soll.
Achtens schließlich verlangt der Verband die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Es gelte, das obsolet gewordene Denken in „Silos“ zu verwerfen. Moderne Politik müsse sich um Wertschöpfungsketten kümmern, nicht um einzelne Branchen oder Sektoren. Dazu gehöre auch, das Problem des Fachkräftemangels zu bewältigen, inklusive der Anwerbung entsprechend ausgebildeter Personen aus Drittstaaten.
Erarbeitet wurde „Molecule Managers“ seit 2017 mit Unterstützung einer Reihe von Beratungsunternehmen. Ferner ließ die CEFIC eine Delphi-Studie zur Zukunft der eigenen Branche erstellen, deren Ergebnisse ebenfalls in die Forderungen einflossen. Im Vorwort zu „Molecule Managers“ konstatieren CEFIC-Präsident Daniele Ferrari und Generaldirektor Marco Mensink: „Wir glauben, die Chemieindustrie kann florieren, wenn wir die EU dabei unterstützen, klimaneutral zu werden, den Anfall von Kunststoffabfällen zu vermindern und in Richtung Kreislaufwirtschaft zu gehen, aber auch, indem wir berechtigte Sorgen bezüglich Gesundheit und Chemikaliensicherheit behandeln. Wir glauben nicht, alle Antworten zu haben. Und wir sind uns bewusst, dass wir mit der Politik und der Gesellschaft kooperieren müssen, wenn unsere Arbeit Früchte tragen soll.“
Der Bericht „Molecule Managers“ samt Begleitdokumenten ist verfügbar unter https://cefic.org/thought-leadership/mid-century-vision.
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