Archive - Aug 21, 2017

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Watschentanz im Alpbachtal

Zwischen dem Europäischen Forum Alpbach und der Pharmaindustrie fliegen die Fetzen.

 

„Konflikt und Kooperation“ ist der Titel der heurigen Gesundheitsgespräche beim Europäischen Forum Alpbach (EFA). Und zumindest für den Konflikt zwischen den Veranstaltern und der Pharmaindustrie dürfte gesorgt sein. Der Grund: EFA-Vizepräsidentin Ursula Schmidt-Erfurth schoss sich bei der Eröffnung der Gesundheitsgespräche am Abend des 20. August auf die Branche ein. Deren Geschäftsmodell sei „außer Kontrolle“ geraten, wie der Fall einer bis zu 96.000 Euro teuren Hepatitis-C-Behandlung zeige. Der Hersteller des Mittels habe nach eigenen Angaben rund zwölf Milliarden US-Dollar für dessen Entwicklung sowie die einschlägigen Rechte ausgegeben, denen bis jetzt Einnahmen von etwa 35 Milliarden US-Dollar gegenüberstünden. Für die kommenden Jahre erwarte das Unternehmen Einnahmen durch das Arzneimittel von etwa 20 Milliarden US-Dollar - pro Jahr, wohlgemerkt. „Patente und Lizenzvereinbarungen sind die Basis des derzeitigen Modells, und die Unternehmen können grundsätzlich jeden Preis verlangen, den sie wollen“, kritisierte Schmidt-Erfurth. In mehreren Fällen hätten Pharmaunternehmen Medikamente aus Österreich abgezogen, weil ihnen die erzielbaren Gewinne nicht attraktiv genug erschienen: „Aber so, wie Gesundheit ein Menschenrecht ist, sind Medikamente lebenswichtige Werkzeuge und nicht einfach kommerzielle Waren.“

 

Nicht auf sich sitzen lassen wollte das erwartungsgemäß der Pharmaindustrieverband Pharmig. Von einem „außer Kontrolle geratenen“ Geschäftsmodell könne keine Rede sein, betonte Generalsekretär Jan Oliver Huber. Er verwies auf eine 2016 publizierte Studie, der zufolge es bis zu 2,8 Milliarden US-Dollar kostet, „um ein Arzneimittel zur Marktreife zu bringen“. Vom Zeitrahmen her gesehen, seien „durchschnittlich zehn Jahre“ zu veranschlagen. Auch würden „laufend neue Arzneimittel zugelassen. Allein 2016 waren es europaweit 82, von denen 27 einen neuen Wirkstoff enthalten haben. Diese Neuzulassungen dienen unter anderem der Behandlung von Krebs, Diabetes, Infektions- und Herz-Kreislauferkrankungen. Gerade in Österreich liegen wir im Spitzenfeld, was die Überlebensraten bei Lungen- oder Prostatakrebs und Nierenzellenkarzinom betrifft“.

 

Dass die Pharmig heuer nicht bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen vertreten ist, erläuterte Huber so: „Wir haben über viele Jahre eine Partnerschaft gepflegt, im Laufe derer die Gesundheitsgespräche zu einer international bedeutenden Plattform wurden. Aufgrund bereits länger bestehender, mitunter öffentlich gemachter Aversionen gegen die pharmazeutische Industrie als Teil dieser Partnerschaft haben wir uns zurückgezogen.“ Nachsatz in Richtung Schmidt-Erfurth: „Mit Blick auf das heurige Motto der Gesundheitsgespräche muss ich leider den Schluss ziehen, dass einzelne im Beirat des Europäischen Forums die Herausforderung zwischen Konflikt und Kooperation nicht oder nur bedingt zu meistern verstehen.“

 

 

 

 

Novartis testet neues Malaria-Mittel

Gemeinsam mit dem Medicines for Malaria Venture wird der Wirkstoff KAF156 erprobt. Er gilt als potenzieller „Game-Changer“ im Kampf gegen die Fieberkrankheit.

 

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis und das Medicines for Malaria Venture (MMV) haben eine klinische Studie bezüglich des Wirkstoffs KAF156 gestartet. In einer Aussendung beschrieben sie diesen als potenziellen „Game-Changer“ im Kampf gegen die Fieberkrankheit. Er könne diese heilen, gegen bisher verfügbare Mittel resistente Erreger ausschalten und deren Übertragung verhindern. Der Start der Studie erfolgte in einem Malariabekämpfungszentrum in Mali (Nordwestafrika). Sie wird in den kommenden Monaten auf weitere 16 solche Zentren in neun Ländern in Afrika und Asien ausgeweitet.

 

Laut Novartis und dem MMV ist KAF156 die erste Substanz einer neuen Klasse von Wirkstoffen, die als Imidazolopiperazine bezeichnet werden. In einer Vorstudie habe sich gezeigt, dass das Mittel rasch wirkt und die Malariaparasiten Plasmodium falciparum sowie Plasmodium vivax während ihrer gesamten Lebendauer bekämpft. Getestet werden nun unterschiedliche Dosierungen und Verabreichungszeitpläne bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern. Gerade Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern sind besonders durch Malaria gefährdet.

 

Wie Novartis und MMV betonten, ist die Entwicklung neuer Anti-Malaria-Mittel dringend erforderlich. Der Grund ist, dass die Resistenz der Parasiten gegen die verfügbaren Arzneien, darunter Artemisinin, zunimmt. Laut Vas Narasimhan, Global Head of Drug Development und Chief Medical Officer bei Novartis, unterliegt etwa die Hälfte der Weltbevölkerung dem Risiko, an Malaria zu erkranken.

 

Das MMV besteht seit 1999. In ihn arbeiten Behörden, wissenschaftliche Einrichtungen und Unternehmen zusammen, um neue Medikamente gegen Malaria zu entwickeln. Zurzeit gehören dem Netzwerk rund 400 Institutionen in 55 Ländern an.