Archive - Jul 20, 2017

Deutschland: Chemie- und Pharmaumsatz wächst um 5 Prozent

Der Verband der Chemischen Industrie gibt sich mit der aktuellen Lage zufrieden und präsentiert im Vorfeld der Bundestagswahl Ende September seine Forderungen an die Politik.

 

Der Umsatz der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie belief sich im ersten Halbjahr 2017 auf rund 96,6 Milliarden Euro. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2016 ist das ein Zuwachs von etwa 5 Prozent, meldete der Verband der Chemischen Industrie (VCI). Ihm zufolge stiegen die Erzeugerpreise um 3,5 Prozent, die Produktion erhöhte sich um 1,5 Prozent. Für das Gesamtjahr 2017 erwartet der VCI ein Produktionswachstum von 1,5 Prozent, bisher hatte er von 1 Prozent gesprochen. Hinsichtlich des Umsatzes geht der Verband von einem Plus um 5 Prozent auf 194 Milliarden Euro aus.

 

VCI-Präsident und BASF-Chef Kurt Bock sagte, die wirtschaftliche Lage sei „positiv. Wir erwarten auch für die zweite Jahreshälfte anhaltend gute Geschäfte im In- und Ausland.“ Laut Bock rechnen die Mitgliedsunternehmen des Verbandes mit einem „stabilen Wirtschaftswachstum bis ins kommende Jahr hinein“. Dies gelte sowohl für die Märkte in Europa als auch für die USA. Angesichts dessen planten die Chemiefirmen für heuer in Deutschland Investitionen von etwa 7,5 Milliarden Euro in Produktionsanlagen und Maschinen. Mit einem Zuwachs um 6,7 Prozent oder 470 Millionen Euro gegenüber 2016 sei dies „mehr als je zuvor“. Weitere 8,4 Milliarden Euro würden im Ausland investiert, was einer Zunahme um 5,8 Prozent gleichkomme.

 

Im Vorfeld der Bundestagswahl am 24. September präsentierte Bock auch seine Wünsche an die politischen Parteien. Auf seiner Liste stehen die Einbremsung der Energiekosten, das Ende der Ökostromförderung (EEG-Umlage), das Steigern der Forschungs- und Entwicklungsausgaben von derzeit 3 auf 3,5 Prozent des BIP, „mehr Investitionen“ in Bildung sowie die Sanierung der angeblich von „Erosion“ bedrohten Verkehrsinfrastruktur. Ferner müsse auch der Breitbandausbau beschleunigt werden.

Marinomed holt Geld vom Kapitalmarkt

Das Wiener Biotechnologie-Unternehmen Marinomed hat eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 7 Millionen Euro am dritten Markt der Wiener Börse platziert, nachdem die Firma zuvor in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden war.

Marinomed baut sein Geschäft auf zwei selbstentwickelte Technologieplattformen auf: „Mavirex“ basiert auf einer Gruppe von Polymeren, die aus Rotalgen gewonnen wurden und war die Grundlage für die Entwicklung des Wirkstoffs Carragelose, der gegen eine Vielzahl viraler Atemwegsinfekte zum Einsatz kommt. Diese Technologie wird Lizenzpartnern mit Erfolg zur Verfügung gestellt: 2016 waren weltweit 19 Produkteinführungen von antiviralen Nasen- und Rachensprays sowie Pastillen auf Basis der Mavirex-Plattform zu verzeichnen, der Umsatz des Unternehmens konnte mehr als verdoppelt werden.

Die zweite Technologie-Plattform, „Marinosolv“, entstammt der Forschungs- und Entwicklungsarbeit der vergangenen Jahre, mit denen die Produktpipeline erweitert werden sollte. „Marinosolv“ ermöglicht die Herstellung stabiler wässriger Lösungen von schwer löslichen organischen Verbindungen (beispielsweise Kortikosteroiden). Deren therapeutische Anwendung könnte durch die dadurch erzielbare höhere Verfügbarkeit deutlich verbessert werden.

Die über den Kapitalmarkt beschafften Finanzmittel sollen nun vor allem zur Validierung der Marinosolv-Technologie in einem klinischen Entwicklungsprogramm verwendet werden. Mit Unterstützung der Ausgabebank Erste Group zeichneten institutionelle und private Investoren ein Volumen von insgesamt 7 Millionen Euro. Die Wandelanleihe soll bis Juli 2021 laufen, Marinomed zahlt einen Kupon von 4 Prozent. Im Falle eines Börsegangs haben die Investoren ein Wandlungsrecht in Aktien.