Archive - Jul 4, 2016

Zehn Millionen Euro für ACMIT

Für die kommenden vier Jahre fördern der Bund sowie die Länder Niederösterreich und Tirol das COMET-K1-Forschungszentrum Austrian Center for Medical Innovation and Technology (ACMIT) am Technopol Wiener Neustadt mit 9,56 Millionen Euro. Das meldete die niederösterreichische Wirtschaftsagentur Ecoplus. Auf den Bund entfallen von dem Betrag 6,36 Millionen Euro, auf Niederösterreich 2,2 Millionen Euro und auf Tirol eine Million Euro. Das Gesamtbudget des ACMIT liegt laut Ecoplus bei etwa 21,2 Millionen Euro.

 

In den kommenden Jahren befasst sich das ACMIT vor allem mit mechatronischen chirurgischen Instrumenten sowie Medizinrobotik. Als „wesentlicher Aspekt“ wird die „nahtlose Integration von optischen Sensorsystemen in chirurgische Instrumente und Prozesse“ genannt. Nicht zuletzt geht es auch um Softwarelösungen, die Chirurgen bei der Planung und Durchführung von Operationen unterstützen. Ferner arbeitet das ACMIT an neuen Fertigungsverfahren für medizintechnische Geräte, etwa am 3-D-Druck. Dies ist laut Ecoplus nicht zuletzt im Zusammenhang mit „personalisierten Therapien“ von Bedeutung. 



Das ACMIT wurde vor rund elf Jahren gegründet und ist seit 2010 auf Technologien für minimalinvasive Chirurgie spezialisiert. Es entwickelt multifunktionelle Instrumente, Medizinrobotiksysteme sowie Geräte im Bereich der Sensorik und der angewandten Optik. Mit diesen sollen die medizinische Versorgung verbessert und die Behandlungskosten gesenkt werden. Das ACMIT hat derzeit 38 Mitarbeiter und kooperiert mit 65 wissenschaftlichen Einrichtungen und Firmenpartnern, von denen mehr als die Hälfte aus dem Ausland kommt.

 

Laut der niederösterreichischen Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav ist der „Ausbau der Technologie- und Innovationskompetenz ein zentrales Element der niederösterreichischen Wirtschaftsstrategie. Im Rahmen dieser Kernstrategie unterstützen wir besonders Forschung und Entwicklung mit besonderem Fokus auf Marktumsetzung“. Ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki ergänzte, „mit dem Technopol-Programm unterstützen wir seit 2004 aktiv die Vernetzung der Wirtschaftsunternehmen und Forschungseinrichtungen. Nur mit Innovationen können wir den Wirtschaftsstandort in eine prosperierende Zukunft führen“.

 

 

Kooperation tut Not

Wir müssen die Wirtschaft kurzfristig unterstützen, brauchen aber auch einen Mittelfristplan“. Das betonte Bundeskanzler Christian Kern bei der Präsentation des Wirtschaftsberichts der Bundesregierung in der Akademie der Wissenschaften. Wichtig sei die „Kooperation zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor“. Einerseits gelte es, traditionell bedeutende Branchen wie die Grundstoffindustrie vor unfairer Konkurrenz zu schützen. So dränge etwa China mit Billigimporten in den Stahlmarkt. Die USA wehrten sich dagegen mit Strafzöllen von 260 Prozent, die Einfuhrzölle in die EU beliefen sich dagegen nur auf 14 Prozent: „Hier müssen wir stärker gegensteuern“. Ferner wolle und werde die Bundesregierung auch Start-ups stärker als bisher unterstützen, „um unsere wirtschaftliche Basis zu verbreitern“. Einiges abgewinnen kann Kern den Vorschlägen des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO). In einem Zwischenbericht zum Projekt „Österreich 2025“ empfiehlt dieses unter anderem, die Industriepolitik stärker auf Umwelttechnologien zu fokussieren und einen innovativen Sozialstaat zu schaffen, der vermehrt auf Prävention setzt. Hinsichtlich der vom WIFO angeregten CO2-Steuer ist laut Kern freilich darauf zu achten, „dass wir die Industrie nicht vertreiben“. Die VOEST etwa plane den Bau eines neue Hochofens und brauche daher Investitionssicherheit.

 

Ähnlich äußerte sich Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Eine Ökologisierung des Steuersystems im Sinne des WIFO sei „schön und gut. Aber da müsste ein großer Staat wie Deutschland vorangehen. Alleine können wir so etwas nicht machen“. Mitterlehner ergänzte, die Stimmung hinsichtlich der Wirtschaft sei schlechter als die tatsächliche Lage. In manchen Bereichen bewege sich Österreich wieder in Richtung Spitze, etwa bei den Life Sciences. Die Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in (s)einem Ministerium habe sich bewährt. Es gelte, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. So müsse beispielsweise die Zahl der Spin-offs von Universitäten und anderen Forschungsstätten erhöht werden. Auch den Zugang Österreichs zu internationalen Förderprogrammen wolle die Bundesregierung verstärken. Besonders wichtig sei es, dasVertrauen in den Wirtschaftsstandort weiter zu stärken, nicht zuletzt durch einen stabilen Rechtsraum. Beispielsweise dürfe es keine rückwirkenden Rechtsvorschriften geben.

 

Bekenntnis zu Europa

 

Einhellig bekannten sich Kern und Mitterlehner zur EU-Mitgliedschaft Österreichs. Kern verwies darauf, dass rund eine Million Arbeitsplätze in Österreich mit dieser verbunden ist. „Niemand, der seine Sinne beisammen hat“, könne daher ernsthaft eine Austrittsdebatte führen. Mitterlehner konstatierte, die österreichische Wirtschaft „kann nicht allein vom österreichischen Markt leben“. Für Österreich sei es sinnvoll, „in einer großen Solidargemeinschaft“ zu leben und „gemeinsam friedensstiftend und wohlstandsfördern zu agieren“.

 

Wirtschaft und Wissenschaft

 

Die WIFO-Ökonomin Margit-Schratzenstaller-Altzinger empfahl eine noch „stärkere Verknüpfung von Wirtschaft und Wissenschaft. Wissen ist unser wichtigster Rohstoff“. Überdies sprach sich Schratzenstaller dafür aus, die Akzeptanz der Wissenschaft in der Bevölkerung zu verbessern. Zu diesem Zweck müsse die Wissenschaft ihre Erkenntnisse und deren gesellschaftlichen Nutzen stärker kommunizieren.

 

Der künftige Leiter des Instituts für Höhere Studien, Martin Kocher, betonte, Österreich genieße als Standort hohes Vertrauen, müsse allerdings darauf achten, „dieses Vertrauen weiterhin zu bewahren“. Rechtssicherheit, Transparenz und eine Eindämmung der Bürokratie seien dabei hilfreich. Bezüglich einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit warnte Kocher vor übertriebenen Erwartungen. Mit Arbeitszeitkonten könnten maximal 3.000 bis 4.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und eine Wertschöpfung von höchstens einer Milliarde Euro generiert werden: „Das ist nicht zu unterschätzen, aber es ist kein Allheilmittel“.

 

 

Der Wirtschaftsbericht ist unter www.bmwfw.gv.at/Wirtschaftspolitik/Wirtschaftspolitik/Seiten/Wirtschaftsbericht.aspx verfügbar.

 

 

Nobelpreisträger üben scharfe Kritik an Greenpeace

In einem <a href=http://supportprecisionagriculture.org/nobel-laureate-gmo-letter_rjr.html target=“_blank“>offenen Brief</a> haben 110 Nobelpreisträger die Anti-Gentechnik-Kampagne von Greenpeace scharf kritisiert. Das Auftreten  der Umweltorganisation gegen „Goldenen Reis“, mit dem der weitverbreitete Vitamin-A-Mangel bekämpft werden könnte, wird als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet.

 

Die Unterzeichner werfen Greenpeace vor, wiederholt Fakten geleugnet und Risiken und Nutzen der Pflanzenbiotechnologie fehlinterpretiert zu haben. Wissenschaft und Regulationsbehörden seien wiederholt und konsistent zum Schluss gekommen, dass gentechnisch veränderte Nutzpflanzen und daraus gewonnene Lebensmittel mindestens ebenso sicher seien wie solche aus anderen Formen der Produktion. Es gebe keinen einzigen bestätigten Fall, in dem die Gesundheit eines Menschen durch den Konsum eines gentechnisch veränderten Produkts Schaden genommen hätte.

Insbesondere ist den Nobelpreisträgern die Kampagne gegen den sogenannten „Goldenen Reis“ ein Dorn im Auge. Diese Reissorte wurde gentechnisch so verändert, dass sie größere Mengen an Beta-Carotin enthält, aus dem der menschliche Körper Vitamin A erzeugen kann. Nach Schätzungen der WHO leiden weltweit rund 250 Millionen vor allem aus ärmeren Regionen stammende Menschen an Vitamin-A-Mangel, jährlich seien zwischen einer und zwei Millionen Todesfälle zu beklagen. Vor diesem Hintergrund fordern die Unterzeichner des offenen Briefs Greenpeace dazu auf, seine Kampagne gegen die „Grüne Gentechnik“ im Allgemeinen und den Goldenen Reis im Besonderen zu stoppen. Wörtlich stellt das Schreiben die Frage, wie viele Menschen sterben müssten, bevor man eine Kampagne, die auf Emotionen und Dogma beruhe und den Fakten widerspreche , ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ nennt.

 

Prominente Unterstützer

Unter den 110 Unterzeichnern sind vor allem Physik-, Chemie- und Medizin-Nobelpreisträger, aber auch einige Laureaten aus den Bereichen Wirtschaftswissenschaften und Frieden. Als einzige aus dem Kreis der Literatur-Nobelpreisträger unterschrieb die Österreicherin Elfriede Jelinek den Aufruf.

In einem ersten Statement ging Greenpeace nicht auf die prinzipiellen Vorwürfe der Wissenschaftler ein. Die Umweltorganisation sprach lediglich von ausbleibenden Erfolgen bei der Entwicklung von marktreifem „Goldenen Reis“ und warf den unterstützenden Organisationen und Unternehmen vor, damit den Weg für die Zulassung profitabler anderer gentechnisch veränderter Nutzpflanzen freimachen zu wollen.