Archive - Jul 6, 2016

Neue Steamcracking-Prozesse vereinfachen petrochemische Produktion

Zwei Steamcracking-Prozesse, die in den vergangenen Jahren von Exxon Mobil bzw. Saudi Aramco entwickelt wurden, erlauben, Olefine direkt aus Rohöl zu erzeugen. Nach Ansicht des Informations-Providers <a href=https://www.ihs.com>IHS</a> könnte das zu wesentlichen Einsparungen in der Petrochemie führen.

 

In einem aktuellen Report besprechen die IHS-Experten zwei Prozesse, die ohne Umwege über die Raffination von Rohöl und die Weiterverarbeitung der Naphtha-Fraktion auskommen, um Ethylen und andere Olefine als Rohstoffe für die chemische Industrie zu erzeugen. Exxon Mobil hat bereits eine Anlage in Singapur errichtet, die eine Millionen Tonnen Ethylen pro Jahr direkt aus Rohöl erzeugt. Der IHS-Bericht schätzt, dass gegenüber dem Naphtha-Cracking 100 bis 200 Dollar pro erzeugte Tonne eingespart werden können.

Die saudische Erdölgesellschaft Saudi Aramco arbeitet mit einem eigenen Prozess mit demselben Ziel. Im Juni wurde angekündigt, gemeinsam mit dem Chemiekonzern Sabic einen Anlagenkomplex in Saudi-Arabien zu errichten, der Chemikalien direkt aus Rohöl erzeugen soll. Obwohl die exakte Prozesskonfiguration des Werks nicht bekannt gegeben wurde, vermutet IHS, dass der besagte Prozess zur Erzeugung von Olefinen dabei eine Rolle spielen wird.

 

Technisch unterschiedliche Konzepte

Technisch beruhen die beiden Prozesse auf durchaus  unterschiedlichen Konzepten: Exxon bringt Rohöl direkt in den Steamcracker ein, wo es vorgewärmt und mit Prozessdampf versetzt wird, wobei sich leichtere von schwereren Komponenten trennen. Der extrahierte Dampf wird in die Strahlungszone geleitet und auf herkömmliche Weise gecrackt. Im Aramco-Prozess wird Rohöl in eine Hydrocracking-Einheit eingebracht, wo Schwefel entfernt wird und leichtere Komponenten abgetrennt werden. Die flüchtigeren Anteile werden dann einem traditionellen Steamcracker zugeführt, die schwereren einer von Aramco entwickelten Anlage für katalytisches Cracken. Im Unterscheid zum Exxon-Prozess wurde Aramcos Verfahren bislang noch nicht in einer Anlage im Industriemaßstab eingesetzt.

 

 

 

VCI für CETA

Einmal mehr plädiert der deutsche Verband der Chemischen Industrie (VCI) für die rasche Ratifizierung von CETA, dem umstrittenen Handelsabkommen der EU mit Kanada. VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann zufolge sollten das Europäische Parlament und der Rat sowie auch der deutsche Bundestag das Abkommen „zügig“ verabschieden: Damit kann die EU der Welt gerade in der derzeitigen Situation nach dem Brexit-Votum zeigen, dass sie ein verlässlicher und handlungsfähiger Handelspartner ist.“ Deutschland sei eine „Exportnation“ und damit „auf moderne Handelsabkommen angewiesen“. CETA biete der deutschen Chemieindustrie „deutliche Vorteile wie zum Beispiel einen erleichterten Marktzugang, einen kompletten Abbau der Industriezölle, Zugang zum öffentlichen kanadischen Vergabemarkt sowie einen modernen Investitionsschutz“.

 

Begrenzte Bedeutung

 

Allerdings hält sich die Bedeutung des kanadischen Marktes für die deutsche Chemieindustrie in einigermaßen engen Grenzen. Wie der VCI in der aktuellen Ausgabe seiner Broschüre „Chemie in Zahlen“ festhält, liegt der Anteil des Landes an den Exporten der Branche mit 1,7 Milliarden Euro bei nur rund 0,7 Prozent. Die Importe aus Kanada machen ganze 203,3 Millionen Euro aus, ihr Anteil an den Gesamtimporten liegt bei 0,3 Prozent. Von 1.451 Auslandstöchtern deutscher Chemieunternehmen entfielen 2013 lediglich 16 auf Kanada. Sie erwirtschafteten einen Umsatz etwa vier Milliarden Euro. Gemessem am Umsatz aller Auslandstöchter sind das rund 2,1 Prozent.