Archive - Feb 1, 2009

Schonende Gewinnung von Rohstoff aus Ölsanden

Forscher von Siemens Corporate Technology arbeiten an einem neuen Verfahren, mit dem Bitumen aus Ölsanden wesentlich umweltfreundlicher gewonnen werden könnte. Sie wollen mithilfe des Induktionseffekt ölhaltige Sande aufheizen und ihnen den wertvollen Rohstoff abtrotzen. <% image name="SiemensRohstoffWeb" %> <small>Feuchter Sand lässt sich allein mit elektromagnetischer Induktion erwärmen. (c) Siemens</small> Vor allem in Kanada kommen Ölsande vor; rund 178 Milliarden Barrel schwere Öle. Seit den 1960er-Jahren wurden etwa drei Prozent ausgebeutet. Auf absehbare Zeit steigende Ölpreise machen den Abbau aber rentabel. Die Gewinnung von Öl aus Sanden benötigt viel Wasser und Energie. Bei der In-situ-Methode etwa leiten die Ölunternehmen bis zu 300 Grad Celsius heißen Wasserdampf unter hohem Druck in das Reservoir ein und bedampfen es wochenlang. So löst sich mit Wasser vermischtes Bitumen und fließt in eine Drainage. Nach dem Fördern muss die zähe Masse vom Wasser getrennt und zu synthetischem Rohöl verarbeitet werden. Die neue Methode der Forscher aus Erlangen könnte das In-situ-Verfahren wesentlich effektiver machen. Im Labor-Sandkasten funktioniert es bereits: Feuchter Sand lässt sich allein mit elektromagnetischer Induktion erwärmen. Das funktioniert wie bei einem Kochtopf auf dem Induktionsherd. In der Praxis würde in der Erde parallel zur Dampfleitung ein armdicker Induktor verlaufen, der aussieht wie ein Kabel. Indem Strom eingeleitet wird, entsteht um den Induktor ein wechselndes Magnetfeld. Dieses erzeugt im leitfähigen Sand Wirbelströme, die das mineralisierte Wasser an den Ölsandkörnern aufwärmen. So lösen sich die Bitumentröpfchen von den Körnern und fließen in das Drainagerohr. In Kombination mit der herkömmlichen Dampfeinleitung könnte man so in derselben Zeit je nach Reservoirbedingungen über 20 Prozent mehr fördern. Außerdem sinkt der Wasserverbrauch. Normalerweise müssen vier Barrel Wasser verdampft werden, um ein Barrel Bitumen zu produzieren. Das neue Verfahren würde nur die Hälfte benötigen. Bei bestimmten Reservoirs könnte die Induktion sogar ganz ohne Dampfinjektion funktionieren, was die Umweltverträglichkeit radikal verbessern würde. Inzwischen wurden Induktoren größerer Länge getestet. 2009 soll ein Test in sandigem Gelände in Deutschland deren Eignung zeigen. 2010 soll eine Pilotanlage in der kanadischen Provinz Alberta errichtet werden. Schonende Gewinnung von Rohstoff aus Ölsanden

Stammzellen-Transplantate gegen Multiple Sklerose

Stammzellen-Transplantate könnten, wenn sie früh genug eingesetzt werden, Symptome Multipler Sklerose kontrollieren und sogar rückgängig machen. Zu diesem Ergebnis ist eine kleine Studie der Northwestern University School of Medicine gekommen. <% image name="StammzellengegenMS" %> <small>An der Northwestern University School of Medicine versuchte man, MS-Patienten in einem frühen Krankheitsstadium mit Stammzellen zu behandeln. (c) pixelio.de, Monika Torloxten</small> Keinem der 21 Erwachsenen mit schubhaft-remittierender MS, denen Stammzellen aus ihrem eigenen Knochenmark implantiert wurden, ging es innerhalb von drei Jahren schlechter. 81 Prozent verbesserten sich zumindest um einen Punkt auf der Skala der Fähigkeitsstörungen bei neurologischen Erkrankungen. Weitere Tests sind jetzt geplant. Details der Studie wurden in The Lancet Neurology veröffentlicht. Unter Multipler Sklerose leiden laut BBC allein in Großbritannien rund 85.000 Menschen. Zu Beginn verursacht die Krankheit meist intermittierende Symptome, die teilweise reversibel sind. Zehn bis 15 Jahre nach dem Eintreten der Krankheit entwickeln die meisten Patienten eine sekundäre fortschreitende MS, die mit einer schrittweisen aber nicht mehr rückgängig zu machenden neurologischen Beeinträchtigung einhergeht. Der aktuelle Behandlungsansatz, die so genannte "autologous non-myeloablative haemopoietic stem-cell transplantation", wurde bereits in der Vergangenheit an MS-Patienten getestet. Der Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen. Das Team um <a href=http://www.medschool.northwestern.edu> Richard Burt</a> argumentiert, dass bei den meisten anderen Studien versucht wurde, die Transplantationen bei Patienten durchzuführen, die bereits an der sekundären Form der Krankheit litten. An den aktuellen Tests nahmen Personen in einem früheren Krankheitsstadium teil, die im vergangenen Jahr trotz Behandlung zwei Rückfälle erlitten hatten. Ihnen wurde eine Transplantation angeboten. Stammzellen der Patienten wurden entnommen und eingefroren. Gleichzeitig erhielten die Teilnehmer Medikamente zur Entfernung der schädigenden Immunzellen. Die Stammzellen wurden anschließend dem Körper wieder zugeführt um das Immunsystem zu regenerieren - es sozusagen wieder zurückzusetzen. Fünf Patienten erlitten einen Rückfall. Sie erlebten jedoch nach einer weiteren Behandlung eine Remission. Derzeit arbeiten die Wissenschaftler an einem randomisiert kontrollierten Test mit einer größeren Anzahl von Patienten. Ziel ist es, den neuen Behandlungsansatz mit Standardverfahren zu vergleichen. Burt betonte, dass diese Studie erstmals eine Reversion von Schädigungen nachweise. "Ich gehe davon aus, dass die Wende darin besteht, dass das Gehirn sich selbst repariert." <small>pressetext austria</small> Stammzellen-Transplantate gegen Multiple Sklerose