Archive - Okt 30, 2013

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Transposon an Resistenzbildung bei Listerien beteiligt

Eine Forschungsgruppe an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (<a href=http://www.vetmeduni.ac.at>Vetmed</a>) hat die genetischen Ursachen der Resistenzbildung von Listerien untersucht. Dabei entdeckten sie ein „springendes Gen“, das in diesem Geschehen eine entscheidende Rolle spielt.

 

Listerien – nach dem Mikrobiologie-Pionier Joseph Lister (1827 – 1912) benannte stäbchenförmigen Bakterien, die die Infektionskrankheit Listeriose auslösen können – sind nicht selten in Fleisch- und Milchprodukten zu finden. Da sie ein hohes Maß an Kältetoleranz aufweisen und auch zu anaerobem Stoffwechsel befähigt sind, vermehren sie sich auch in verpackten Produkten weiter. Ihre Bekämpfung muss daher an der Produktionsstätte selbst ansetzen. Dabei ist man aber immer häufiger mit Resistenzbildungen gegen die eingesetzten Desinfektionsmittel konfrontiert.

 

Flexibles genetisches Material

Eine Forschergruppe um Stephan Schmitz-Esser vom Institut für Milchhygiene an der Veterinärmedizinischen Universität Wien beschäftigte sich mit den genetischen Ursachen der Resistenzbildung. Dabei fanden sie in zwölf von 92 untersuchten Stämmen von Listeria monocytogentes ein sogenanntes Transposon – ein „springendes Gen“, das seinen Ort wechseln kann und so das Erbgut der Bakterien insgesamt flexibler und anpassungsfähiger macht. Das Transposon dürfte in direktem Zusammenhang mit der Resistenzbildung stehen: Jene Listerien-Stämme, die es tragen, zeigten sich wesentlich toleranter gegenüber dem Desinfektionsmittel Benzalkoniumchlorid als die übrigen. Deaktiviert man das Protein QacH, für das das gefundene Transposon codiert, werden die Bakterien dagegen wieder empfindlich gegen das Mittel.

Die Arbeit von Schmitz-Esser macht auf einen wichtigen Zusammenhang aufmerksam: Da Transposons auch von anderen Bakterien auf die Listerien übertragen werden können,  muss auch bei anderen Arten, die in Lebensmittel-verarbeitenden Betrieben vorkommen, stärker auf Resistenzbildungen geachtet werden